Im Krankenhaus Weilburg heißt das Zauberwort Zusammenarbeit

Geschäftsführer Peter Schermuly glaubt an die Zukunft
"Klinik im Grünen?: So sieht sich das Weilburger Krankenhaus gerne - und tatsächlich liegt das Haus mitten im Wald.  (Fo
"Klinik im Grünen?: So sieht sich das Weilburger Krankenhaus gerne - und tatsächlich liegt das Haus mitten im Wald. (Foto: Archiv)
Ist sich sicher, dass die Weilburger Hessenklinik eine Zukunft haben wird: Krankenhaus-Geschäftsführer Peter Schermuly(F
Ist sich sicher, dass die Weilburger Hessenklinik eine Zukunft haben wird: Krankenhaus-Geschäftsführer Peter Schermuly(Foto: Sauer)
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<box_help>Um einzuschätzen, was das heißt, ist ein Blick auf den Ist-Zustand nötig. Seit 2011 leiden die Krankenhäuser unter einer chronischen Unterfinanzierung, 65 Prozent der Häuser kommen nicht mehr in die Gewinnzone. Gleichzeitig machen die Kassen Milliardengewinne - einen "Skandal" nennt das Schermuly.

Und die Aussicht ist nicht viel besser: 2012 werden die Budgets um ein halbes Prozent steigen - bei einer vermutlichen Kostensteigerung von viereinhalb bis sechs Prozent. Wenn der Klinik-Geschäftsführer das "nicht auskömmlich" nennt, ist das eine freundliche Formulierung. Die hessische Klinikverbund jedenfalls, in dem 30 kommunale Einrichtungen zusammengeschlossen sind, geht auf die Barrikaden und wird alle rechtlichen Mittel ausschöpfen.

Nicht wirklich hilfreich wird zudem eine Änderung des hessischen Krankenhausgesetzes sein: Ab 2014 wird es keine Einzelförderung von Baumaßnahmen mehr geben. Und Schermuly schließt aus den Erfahrungen der Vergangenheit: "Es wird weniger werden, für kleine Häuser könnte es schwieriger werden." Dazu kommt: In einem Haus, das gut 40 Jahre alt ist, gibt es mehr Sanierungsbedarf als in einer eben erst fertiggestellten Klinik.

Woraus also resultiert dann Schermulys Optimismus? Zum einen ist die Weilburger Hessenklinik ein kommunales Krankenhaus. Sie erfüllt für den Landkreises den gesetzlichen Auftrag zur medizinischen Grundversorgung. Die Weilburger Hessenklinik ist als Notfallkrankenhaus im hessischen Krankenhausplan ausgewiesen und damit unverzichtbar: Sie verfügt über eine Intensiv- und Notfallstation, die rund um die Uhr arbeitsfähig ist. "Das macht uns zusätzlich stark", so der Klink-Geschäftsführer. Und: "Das Ziel kommunaler Einrichtungen ist nicht in erster Linie, Gewinn zu machen, Ziel ist, dass die Klinik sich trägt. Bisher haben wir dem Landkreis kein Defizit hinterlassen", rechnet Peter Schermuly vor.

Für ihn gibt es noch ein weiteres gewichtiges Ziel: Dass die Daseinsvorsorge im Oberlahn-Bereich erhalten bleibt - ebenso wie in anderen ländlichen Regionen Hessens.

Seine Strategie: Solidarität im Kampf um die Selbstständigkeit. Oder weniger pathetisch: Mehr Zusammenarbeit der kommunalen Krankenhäuser, die sich in ähnlicher Lage befinden. Solche Diskussionen müssten hier und heute beginnen, da Handlungsbedarf bestehe - und weil die Entwicklung jetzt noch beeinflussbar und gestaltbar sei.

Immerhin sind 30 Prozent der Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft. Rücken sie enger zusammen, dann können sie auch mehr politischen Einfluss geltend machen und sich gegenüber Privatkliniken vernünftig positionieren.

Zudem: Wer sagt eigentlich, dass es nur das Krankenhaus sein muss, das alle medizinischen Angebote vorhält? Neben den langsam beginnenden Kooperation auch über Kreisgrenzen hinweg entsteht in Weilburg gerade auf dem Klinik-Gelände ein Fachärztezentrum. Alle Weilburger Spezialisten werden bald dort vertreten sein, ihre Selbstständigkeit behalten - aber mit dem Krankenhaus zusammenarbeiten.

Profitieren davon sollen alle: die Fachärzte, das Krankenhaus, vor allem aber die Patienten. Für Schermuly ist auch das ein ganz wesentlicher Baustein für die Zukunft, für die Sicherung des Standorts.

Und dann möchte Schermuly das Weilburger Krankenhaus auf eine breitere Basis stellen. Stichwort: demografischer Wandel. Eine Gesellschaft, die immer älter wird, braucht ein entsprechendes Angebot. Das Krankenhaus wird eine geriatrische Tagesklinik betreiben. Geriatrie (Altersheilkunde) zielt darauf ab, alten Menschen ihre Beweglichkeit, möglichst also ihre Selbstständigkeit, zu erhalten oder zurückzugeben. Wobei auch hier ein kleiner Risikofaktor in Bezug auf die Finanzen besteht: Die Tendenz sei zu spüren, dass die Kassen weg möchten von der Krankenhaus-Finanzierung und hin zu einer Reha-Finanzierung - was niedrigeren Sätzen gleichkommt "Wir sind aber auf das bisherige Konzept angewiesen", betont Peter Schermuly.

Das Krankenhaus ist auf den demografischen Wandel vorbereitet

Mit demografischem Wandel hat auch der allenthalben drohende Fachkräftemangel zu tun: Dann nämlich wird qualifiziertes Personal Mangelware. Das betrifft sowohl Ärzte als auch Pflegekräfte - und auch hier hat Peter Schermuly schon in die Zukunft geblickt. Die Krankenpflegeschule mit 45 Plätzen ist für weitere Bereiche geöffnet worden (Altenpflege etwa in Zusammenarbeit mit externen Bildungsträgern) und bereitet weitere Angebote vor. Zupass kommt dem Weilburger Krankenhaus, dass es sich als kommunale Klinik an die Tarife hält; werden Pflegekräfte rar, kann die Klinik mit den Privaten alleine wegen der ordentlichen Bezahlung gut mithalten. Denn um in der Zukunft weiter qualifiziertes Personal zu bekommen und halten zu können, muss man es auch vernünftig bezahlen. Das senkt zwar nicht die Kosten, sichert aber Qualität und Kontinuität.

Nebenbei: "Wer Privatisierung fordert, der muss auch sagen, wie die flächendeckende Versorgung einer älter werdenden Bevölkerung gewährleistet werden soll", sagt der Krankenhaus-Geschäftsführer.

Zusammengefasst lauten Schermulys Visionen so: Die Weilburger Hessenklinik im Jahr 2020 ist eng vernetzt in der Region, hat hervorragende Ausbildungsbedingungen für Ärzte und Pflegekräfte und daher weniger Probleme mit dem Fachkräftemangel - und die Klinik arbeitet eng zusammen mit benachbarten (kommunalen) Häusern, auch über Kreisgrenzen hinweg. Kurz: Das Weilburger Krankenhaus ist allemal überlebensfähig.

Viel besser aufgestellt und auf die Zukunft vorbereitet kann eine kleinere Klinik eigentlich nicht sein. Deswegen hat Peter Schermuly einen Herzenswunsch - und der betrifft die Politik: Die möge, statt in Wahlperioden, bitte längerfristig denken - und auch die (Kreis-)Grenzen überwinden.

Dann, sagt der Weilburger Krankenhaus-Geschäftsführer Peter Schermuly, dann sei ihm nicht bange um die Zukunft seines Hauses - vor allem aber um die medizinische und pflegerische Versorgung der Bürger in der Oberlahn-Region.


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