Im Zweifel Zweitmeinung einholen

DIREKTER DRAHT Viele Fragen an Augenspezialist Dr. Ulrich Jung

Eine 73-jährige Anruferin klagte über einen Schatten, den sie nach einer Grauen Staroperation auf dem rechten Auge sieht. Die Operation sei ansonsten "super gelaufen". Der Schatten sei vermutlich schon länger vorhanden, aber durch den Grauen Star nicht bemerkt worden, erläuterte Dr. Jung: "Vorher hatten Sie einen Nebel vor dem Gesichtsfeld. Dieser war nach der Operation wie weggeblasen und ihr Auge sieht nun auch die Feinheiten." Der Schatten sei eine Undurchsichtigkeit im Glaskörper des Auges und zumeist völlig harmlos. Da sich diese Glaskörpertrübungen weder medikamentös behandeln ließen noch zu lasern seien - und nur bei hellem Hintergrund stören - könne man sie getrost belassen. Deswegen solle ein Eingriff nur erfolgen, wenn die Störungen des Sehvermögens sehr einschränkend seien.

Eine 79-jährige Wetzlarerin hat sowohl den Grünen als auch den Grauen Star. Eine Operation vor sechs Jahren habe ihr nicht wesentlich geholfen, erklärte sie. "Was durch den Grünen Star an Sehstärke verloren geht, ist nicht mehr zurückzuholen, denn Nerven, die kaputt sind, können nicht mehr nachwachsen", sagte der Spezialist.

Eine 67-Jährige aus Haiger leidet an einer "Altersbedingten Makuladegeneration" (AMD) links trocken und rechts feucht. Außerdem mach ihr der Graue Star zu schaffen. 21-mal habe sie schon Augenspritzen erhalten. Nun solle sie am Grauen Star operiert werden. Sie habe Bedenken, ob das am "trockenen" Auge funktioniere. Die gute Nachricht, die der Experte für die Seniorin hatte: "Die Operation am Grauen Star gehört zu den erfolgreichsten der gesamten Medizin." Inwieweit sie allerdings am Auge mit trockener AMD erfolgreich sei, hängt von der noch vorhandenen Funktionsfähigkeit der Netzhaut ab. Bei der AMD plus Grauem Star hätten die Patienten in ihrer Kamera einen schlechten Film und eine beschlagene Linse. "Wir können keine neue Netzhaut schaffen, aber für eine klare Linse sorgen."

Die 67-Jährige hatte außerdem Bedenken, dass sie nach der anstehenden Operation Probleme mit der Helligkeit habe. Die konnte der Mediziner zerstreuen: "Das Auge des Menschen ist für diese Welt gemacht. Somit ist das Licht nicht zu stark für das Auge."

Eine 40-jährige Anruferin aus Biedenkopf berichtete, dass sie sich ihre Augen wegen Kurzsichtigkeit habe lasern lassen. Während die Operation für das linke Auge super gelaufen sei, habe sie nun auf dem rechten Auge eine Kurzsichtigkeit und eine Hornhautverkrümmung. Daran änderte auch eine Nachoperation in einer anderen Augenklinik - die primäre OP wurde von einem "Billiganbieter" durchgeführt - kaum etwas. Nun solle wieder nachoperiert werden. Sie habe eine Riesenangst und kein Vertrauen mehr, sagte die Anruferin.

Sie solle sich in jedem Fall eine zweite Meinung einholen, riet Dr. Jung: "Sie brauchen ein gutes Bauchgefühl und ein gutes Konzept." Der "Status Quo" der Hornhaut müsse festgestellt werden, da hier jeder Fall individuell behandelt werden müsse.

Vernarbungen an der Hornhaut sind bei Spritzen am Auge nicht zu befürchten

Eine 74-jährige Anruferin aus Bicken litt am Grauen Star. Dieser sei operiert worden. Nun zeige sich eine Makuladegeneration. Ihr Augenarzt wollen nun Spritzen geben, ob sie da mit Vernarbungen auf dem Auge zu rechnen habe, wollte die Seniorin wissen. Vernarbungen seien nicht zu befürchten, betonte Dr. Jung. Auch den Verdacht der 74-Jährigen, die Inhaltsstoffe der Spritzen hätten bei ihr eine Allergie ausgelöst, wurde ausgeräumt. Beim Medikament würden nur Baustoffe verwendet, die bereits im menschlichen Körper vorhanden und schnell abbaubar seien.

An einer trockenen Makuladegeneration leidet auch eine 76-jährige Anruferin aus Herborn. "Gibt es Möglichkeiten zu lasern, oder muss ich abwarten, bis sie sich zu einer feuchten Makuladegeneration entwickelt?", fragte sie.

Eine trockene Makuladegeneration sei am schlechtesten zu behandeln, erklärte der Spezialist. Es sei ähnlich, wie bei einer Wiese, der die Feuchtigkeit fehle. Bei der feuchten Makuladegeneration sei hingegen "Hochwasser". Hier wirkten Spritzen sehr gut. Doch Dr. Jung hatte auch eine gute Nachricht: "Die trockene Makuladegeneration schreitet nur sehr langsam fort. Mit Nahrungsergänzungsmitteln wie beispielsweise Lutein und anderen können wir weiter verlangsamen."


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