Immer um Geld angepumpt

MORDPROZESS Zeugen berichten, was für ein Typ der Angeklagte ist

Was geschah genau am 19. März in der Marburger Straße in Lollar? Und wer hat geschossen? Das versucht das Gießener Schwurgericht im Prozess zu klären. (Foto: Archiv)

Das berichtete der Kollege im Prozess gegen den 35-Jährigen am Landgericht. Neben ihm wurden am dritten Verhandlungstag vor dem Schwurgericht sieben weitere Zeugen vernommen, die sagen sollten, was der Angeklagte für ein Typ sei, wie es finanziell bei ihm ausgesehen habe. Fast alle sagten, dass der 35-Jährige sie regelmäßig angepumpt habe. Viele sagten, dass er Geschichten erzählte, von denen man nie wusste, was man davon halten soll. Einige gaben ihre Einschätzung zur Frage ab, ob er den Mord begangen haben könnte.

Nach einem Bankraub soll es der 35-Jährige auf die Beute abgesehen haben

Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Der Angeklagte soll den 52-Jährigen, der Anfang der 2000er Jahre mit einem aufsehenerregenden Bankraub für viel Gesprächsstoff in der Region gesorgt hatte, getötet haben, weil er hoffte, in dessen Haus einen Teil der Millionenbeute von damals zu finden. Sechs Wochen vor dem mutmaßlichen Mord sollen die Männer gemeinsam in der Nähe von Weilburg einen Geldtransporter überfallen haben - ohne Beute. Den Raubüberfall räumte der Angeklagte vor Gericht ein, den Mord bestreitet er.

Der Lollarer sei sein Freund gewesen. Er habe damals unter Druck gestanden, aber nicht so sehr, dass er um sein Leben hätte fürchten müssen. Schulden in Höhe von 180 000 Euro schob er auf ein ausschweifendes Leben, teure Frauen, geplatzte Drogengeschäfte und auf eine freigekaufte Prostituierte. Diese Geschichten hatte er auch Freunden erzählt, um an Geld zu kommen. "Bei mir hat er 68 000 Euro Schulden", sagte einer. "Er wusste, auf welchen Knopf er drücken musste, um mich einzulullen." Einem anderen schuldet er 3000 Euro. "Er hat vor mir gesessen und geheult." Ihm hatte der Angeklagte erzählt, er müsse Schweigegeld zahlen, weil er von einem geplanten Raubüberfall wisse, ohne selbst mitzumachen. Von Spielsucht und Schulden, die in dem Prozess auch immer wieder Thema sind, wussten die früheren Freunde nichts. Zeugen aus der Zockerszene hingegen berichteten, der 35-Jährige habe oft "stundenlang und Highlevel" gespielt. Der Arbeitskollege konnte nichts dazu sagen. Er habe dem Angeklagten helfen wollen, als er gesagt habe, man werde ihn umbringen. "Aber eine Stunde später habe der schon ein Witzchen drüber gemacht." Dass der 35-Jährige selbst zur Waffe gegriffen hat, glaubt er nicht. "Er ist eher sensibel. Fast zu weich." Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil wird im Februar erwartet.


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