Implantate sind oft die Lösung

DIREKTER DRAHT Dr. Thomas Röder gab Tipps zum guten Sitz von Zahnprothesen

Ihre Prothese halte im Unterkiefer nicht, schilderte eine Anruferin aus Wetzlar. Ob das Setzen eines Implantats eine Lösung sein könne, fragte die 66-Jährige. Generell könne man da Implantate setzen, wusste Dr. Röder. Es gäbe da unterschiedliche Möglichkeiten, die unterschiedlich teuer seien. Man müsse hier im Schnitt mit Kosten von 1200 bis 1400 Euro pro Implantat rechnen.

Eine Alternative stellten preiswertere Miniimplantate dar. Auch sie hielten gut, wenn genügend Platz im Mundraum vorhanden sei. Vorteilhaft sei es, wenn hinten im Seitenzahnbereich ein ausreichendes Knochenangebot vorherrsche. Zwischen dem Ziehen eines Zahnes und dem Einsetzen eines Implantats sollte nicht zu viel Zeit vergehen, da sich sonst der Knochen immer weiter zurückbilde.

Probleme mit der oberen Prothese hat eine verzweifelte Herbornerin, 74 Jahre alt. Sie halte nicht und falle oft heraus, wenn sie etwas esse. Sie habe dadurch bereits 13 Kilo abgenommen. Der Zahnarzt sage, es liege an ihrem sehr flachen Gaumen. Eine Möglichkeit bestehe darin, mehr Halt durch Unterfüttern der Prothese zu erreichen, klärte der Wetzlarer Zahnmediziner auf. Bei einem flachen Gaumen sei dies sicher nicht einfach zu machen.

Zu überlegen sei, dort, wo früher die Eckzähne saßen, zwei Implantate zu setzen und sie mit der Prothese zu verbinden, wenn die Voraussetzungen stimmten.

Mit Implantaten kann es gelingen, das Gebiss im Unterkiefer zu befestigen

Ebenfalls der Halt ihrer Prothesen machte einer Gladenbacherin, Jahrgang 1938, trotz Benutzung von Haftcreme zu schaffen. "Das ist ein weit verbreitetes Problem", stimmte Dr. Röder zu.

Aufgrund des Gaumens werde eine Prothese im Oberkiefer meist noch gut angesaugt, während die Prothese unten durch die Zunge nur hufeisenförmig gestaltet werden könne. Sei ausreichend Platz und Knochenstruktur vorhanden, könne man die Prothese mittels Implantaten, etwa zwei normalen oder vier Miniimplantaten, stabilisieren. Mit Kosten ab 2500 Euro sei zu rechnen.

Gehe das partout nicht, könne man probieren, durch bestimmte Formänderungen der Prothese eine Verbesserung zu erzielen. All diese Maßnahmen könne man auch im hohen Alter durchführen.

Einige Anrufer hatten Bedenken deswegen und aufgrund hoher auf sie zukommender Kosten, da die Kassen dies oft ohne Zusatzversicherung nicht bezahlten oder nur geringe Zuschüsse gäben. So empfahl der 59-jährige Zahnspezialist einem unsicheren Anrufer aus Dillenburg, sich einen Kostenvoranschlag erstellen zu lassen und ihn bei der Versicherung einzureichen.

Ein 66-jähriger Eschenburger hat bereits die vierte Oberkieferprothese. Ihm springe sie immer mal beim Kauen dort, wo der "Reißzahn" sitze, heraus. "Es ist schwer am Telefon hier einen optimalen Rat zu geben", stellte Dr. Röder fest. Helfen könne es, Gipsmodelle der Zähne herzustellen und eine Bewegungsanalyse durchzuführen, um auf durch Zahnstellungen verursachte Zwangsmechanismen aufmerksam zu werden, die die Prothese ausheble. Den Eckzahn zu entfernen, wie der Anrufer bemerkte, könne eine Option sei, aber auch vom Regen in die Traufe führen. Wenn der Zahnarzt mit seinem Latein am Ende sei, sollte ein Spezialist, etwa an einer Uniklinik, aufgesucht werden.

Drei Fragen hatte ein Mann aus Löhnberg bezüglich des Einsatzes von Haftcremes, des Legens der Zähne nachts ins Wasser und des Reinigens. Er trägt ein künstliches Gebiss und hat keine eigenen Zähne mehr. Marktübliche Haftcremes könne man ohne Bedenken häufiger einsetzen, bestätigte Röder, dessen Team mit Kollege Victor Nettey-Marbell aus Ghana aus 40 Mitarbeitern aus neun Nationen besteht.

Reste der Haftcreme sollte man morgens und abends jedoch von der Prothese entfernen, da sich sonst Bakterien ansammeln könnten, riet er.

Lege man die Prothese nachts ins Wasser, was gegen das Austrocknen helfe, sollte die Temperatur nicht mehr als handwarm sein, da sich bei größerer Hitze sonst der Kunststoff verformen könne.

Zunächst sei das Gebiss aber zu reinigen. Spülmittel seien da durchaus eine Möglichkeit, da Zahnpasta meist Scheuerkörper enthalte, die den Kunststoff schädigen könnten.

(msk)


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