"Jede Depression hat ein Ende"

TELEFONAKTION Dr. Julia Stein berät Anrufer zu psychischen Problemen im Alter

Eine 66-Jährige Frau aus Braunfels hat ihre Bedenken bei der Einnahme des Neuroleptikums "Seroquel" geäußert. Dr. Julia Stein konnte die Anruferin beruhigen: "Niedrig dosiert wirkt dieses Medikament nur beruhigend und löst in der Regel keine Nebenwirkungen aus." Die Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Altersmedizin in der Vitos-Ambulanz Wetzlar legte der Dame nahe, das Neuroleptikum dreimal täglich statt bisher morgens und abends einzunehmen: "Die Dosierung ist dann in der Summe niedriger, aber die Grundberuhigung hält über den ganzen Tag an. Auf diese Weise können Sie Ihre Hektik in den Griff bekommen."

Eine 68-Jährige aus Fleißbach schilderte die starken Depressionen ihres 73-jährigen Ehemannes, der derzeit stationär behandelt wird. "Gibt es noch Hoffnung, dass mein Mann wieder gesund wird?", wollte die Frau wissen. "Ja", lautete Dr. Steins Antwort, "Jede Depression kommt zu einem Ende, es ist nur die Frage, wie lange es dauert." Die Fachärztin wies darauf hin, dass eine Heilung mit Unterstützung von Antidepressiva schneller eintrete. Gleichzeitig werde es aber auch nach der Entlassung des Patienten immer wieder Stimmungsschwankungen geben. Es sei umso wichtiger, die gemeinsamen Aktivitäten und Vorhaben abzusprechen, wenn nötig auch mit dem behandelnden Arzt.

Schmerzen im ganzen Körper und beginnende Demenz bereiten zahlreichen Anrufern Sorge

Über Schmerzen im gesamten Körper klagte ein 83-jähriger Biedenkopfer. Besonders schlimm seien die Beschwerden nach körperlichen Anstrengungen, Medikamente würden nur bedingt helfen. Dr. Stein legte dem Anrufer die Einnahme von Antidepressiva nahe: "Dadurch werden Sie Ihre Schmerzen möglicherweise nicht mehr so stark wahrnehmen, das Schmerzerleben im Gehirn verändert sich." Aufgrund der starken Schmerzen riet die Ärztin zudem: "Sie sollten sich dringend an eine Schmerzambulanz wenden. Ärzte verschiedener Fachgebiete können dort neue Ideen einbringen, wie man Ihnen weiterhelfen kann."

Zu Medikamenten, die die Wahrnehmung des Schmerzes positiv beeinflussen können, riet Dr. Stein auch einer 64-Jährigen Dame aus Aßlar. Sie klagte über Schmerzen und Verspannungen, die sich vom linken Fuß inzwischen auf den gesamten Körper ausgeweitet hätten. Die Einnahme eines Antidepressivums helfe nicht mehr ausreichend. Dr. Stein empfahl, in Absprache mit dem behandelnden Arzt die Dosierung des Medikaments dauerhaft zu erhöhen. Zudem müsse die Patientin aktiv gegen ihre Beschwerden vorgehen: "Stellen Sie einen Antrag auf Rehasport und lassen Sie sich Krankengymnastik verschreiben. Dadurch können Verspannungen und andere Leiden gelindert werden."

Auch das Thema Demenz spielte beim "Direkten Draht" eine Rolle: "Mein Mann ist ständig erschöpft, vergesslich, depressiv und schläft schlecht", schilderte eine 77-Jährige aus Wetzlar. Dr. Stein äußerte die Vermutung, dass es sich aufgrund der genannten Symptome um eine beginnende Demenz handeln könnte: "Sie müssen nun untersuchen lassen, um welche Art der Demenz es sich handelt, damit die Ärzte entsprechend weiter behandeln können."

Um die beginnende Demenz ihres Mannes wusste eine Anruferin aus Bad Endbach bereits. Sie wollte wissen, warum die behandelnde Ärztin bislang auf den Einsatz eines Antidementivums verzichtet hat. Stein bestätigte die Entscheidung ihrer Kollegin: "Ein solches Medikament wirkt nur bis zu eineinhalb Jahren, deshalb sollten Sie den Zeitpunkt der Einnahme gut überlegen." Bis dahin könnten geistige und sportliche Aktivitäten das Fortschreiten der Erkrankung abbremsen.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2015
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet