"Jedem ist Bewegung zu empfehlen"

TELEFONAKTION Dr. Bernd Göbel am "direkten Draht zum Mediziner"

Nach anfänglichen Problemen mit der Telefonanlage schafften es die Fragesteller dann doch noch, durchzukommen. Das gilt auch für eine 85-jährige Anruferin, die bereits zwei Schlaganfälle erlitten hatte. Ihr seien daraufhin Medikamente verschrieben worden, unter anderem ein Cholesterinsenker (Simvastatin). Seitdem habe sie Schafprobleme: Nach etwa zwei Stunden wache sie auf und liege mehr oder weniger wach bis zum Morgen. Auch Juckreiz habe sich eingestellt. Nach Weglassen des Medikaments seien Juckreiz und Schlafprobleme ausgeblieben. Dies könne jedoch keine Dauerlösung sein.

In diesem Fall sei der Hausarzt die richtige Anlaufstelle, empfahl Göbel. Es handele sich hierbei tatsächlich um mögliche, durch das Medikament ausgelöste Beschwerden. Es müsse überlegt werden, ob das Medikament wirklich wichtig sei. Wäre dies der Fall, kann ein Ersatz durch ähnliche Präparate/Wirkstoffe eine Alternative darstellen. "Grundsätzlich ist es auch erforderlich, andere Gründe für die Schlaganfälle auszuschließen und alles zu tun, um das Risiko für weitere Komplikationen zu reduzieren."

Aus einem Weilburger Stadtteil rief eine 88-Jährige an, die 1990 einen Trümmerbruch im rechten Unterschenkel erlitten hatte. Erst seit zwei Jahren benötige sie ab und an den Stock, da ihr die Kraft fehle. Auch seien ihr Kalzium und Vitamin-D-Präparate verschrieben worden.

"Da helfen keine Pillen", brachte es Göbel, seit sieben Jahren der Chefarzt der Geriatrie, auf den Punkt. Notwendig sei hier eine Bewegungstherapie. Viel Bewegung und gezielte Übungen sorgen für eine Stärkung des Muskel- und Skelettsystems. Vitamin D und Kalzium seien vom behandelnden Arzt nicht wegen der Bewegungsprobleme, sondern vermutlich wegen einer gleichzeitig bestehenden Osteoporose verschrieben worden. Dies solle weiteren Knochenabbau verhindern. Ernährungstechnisch seien neben Kalzium auch Milchprodukte zu empfehlen. Bei Funktionsstörungen des Unterschenkels könne unter Umständen auch eine Beinschiene weiterhelfen, um Stürze zu vermeiden.

Mit der Muskelkrankheit Myopathie schlägt sich eine Weilburgerin herum. Kein Arzt könne ihr helfen, bedauerte die 76-Jährige. Sie nehme zwei Schmerzmittel, jeweils eine Tablette Tilidin 50 sowie Novaminsulfon ein. Außerdem sei ihre Wirbelsäule angegriffen. Eine Tablette Tilidin helfe vier bis sechs Stunden, nicht länger, wusste der 56-jährige gebürtige Wetzlarer Mediziner. Wenn aber grundsätzlich die Einnahme nichts gegen die Schmerzen ausrichte, müsse man sich entweder über die (zu geringe) Dosis unterhalten oder weitere Schmerzmittel ergänzen. Eine Bewegungstherapie, um den Muskel- und Skelettapparat beweglich zu halten, könne ebenso helfen wie die Überweisung zu einem Schmerztherapeuten oder der Gebrauch eines Gehstocks oder Rollators, um eine Entlastung herbeizuführen. Auch eine Operation sei nicht von vornherein auszuschließen.

Auf jeden Fall müsse man genau ermitteln, was die Schmerzen hervorrufe. Bei einer regelmäßigen Einnahme der Schmerzmittel sollten parallel Laboruntersuchungen erfolgen, um Komplikationen der Medikamente frühzeitig zu erkennen und entzündliche/rheumatische Erkrankungen nicht zu übersehen.

Yoga oder schwimmen, soziale Kontakte und viel lesen - das hilft

"Grundsätzlich ist jedem älteren, aber natürlich auch jüngeren Menschen, viel Bewegung zu empfehlen", gab Dr. Göbel den Anrufern mit auf den Weg. Dies führe zu einer verbesserten Belastbarkeit und beuge Herzkreislaufbeschwerden vor. Tägliche Ausdauerübungen oder Gymnastik wie Yoga oder Thai Chi sind hier besonders sinnvoll. Gruppenangebote können helfen, zumindest anfänglich, für eine bessere Motivation zu sorgen. Aber auch regelmäßige Spaziergänge oder Schwimmen sorgten für ein gesundes Maß an Bewegung.

Zum Erhalt der geistigen Fitness gehörten in erster Linie das Pflegen sozialer Kontakte und möglichst vielseitige Gedächtnisübungen. Kreuzworträtsel, Gedichte lernen und viel Lesen seien empfehlenswert.

Wer sich seine Neugier bewahre, am Leben teilnehme und sich durch verschiedene Medien über das Tagesgeschehen informiere, also mitreden könne, sei weniger oder später gefährdet, an demenziellen Entwicklungen zu leiden.

Die regelmäßige körperliche Betätigung sollte dabei jedoch ein ständiger Begleiter sein, wie zahlreiche Studien belegen.


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