Jeder Dritte kennt ein Opfer

NETZWELT Kinder und Jugendliche leiden unter Internetkriminalität und Cybermobbing

Smartphones, Messenger und Soziale Netzwerke: Hier lauern viele Gefahren für junge Menschen. (Foto: klicksafe/Maribelle Photography/dpa)

Den Abend hatte die Marienschule für interessierte Eltern angeboten. Und die waren reichlich erschienen: Rund 300 Mütter und Väter diskutierten zwei Stunden lang mit Experten über Themen wie Cybermobbing, Cybergrooming – das Anbahnen sexueller Kontakte im Internet – und Datenschutz.

Um präventiv gegen den Missbrauch des Internets – unter anderem als anonyme Mobbingplattform – vorzugehen, veranschaulichten Staatsanwalt Benjamin Krause sowie Informatiklehrer Thomas Klein anhand aktueller Beispiele aus ihrem Berufsalltag, wie schnell Kinder und Jugendliche zum Opfer, aber auch zum Täter werden können.

Krause, selbst Vater von zwei Kindern, sieht einen großen Aufklärungsbedarf, um Eltern, aber auch Schüler für die Gefahren des Internets zu sensibilisieren, dessen Anonymität eine große Anziehungskraft habe.

Gerade beim Cybermobbing, welches sich durch Diffamierung und Bloßstellung des Einzelnen, Belästigung, der Verbreitung von Gerüchten, aber auch durch Identitätsdiebstahl des Opfers auszeichne, sorge die Anonymität für ein Schwinden der Hemmschwelle des Täters. Laut Statistik kenne jeder Dritte der Zwölf- bis 19-Jährigen ein Mobbingopfer.

Vielen Eltern stockte der Atem, als anhand von Fallakten deutlich wurde, wie schnell schon Zehn- bis Zwölfjährige Pädophilen zum Opfer fallen.

Trotz der großen Gefahren bestehe eine Art Trend bei Kindern und Jugendlichen, sich vor laufender Webcam in sexuell erotischen Posen zur Schau zu stellen, so der Staatsanwalt.

Um dem entgegenzuwirken, bestehe die Notwendigkeit, dass sich die Eltern auch über die Aktivitäten ihrer Kinder in sozialen Netzwerken in einem geeigneten Maß informierten, lautete einer der Tipps, die die Eltern mitnehmen konnten.

Im Zusammenhang mit sexuellen Straftaten kam Krause auch auf das Cybergrooming zu sprechen, das der Kinderpornografie zugeordnet wird und stark zugenommen habe. Hierbei versuchten die Täter, in Chatrooms und sozialen Netzwerken Minderjährige zu sexuellen Handlungen zu animieren.

Zu Mobbing-Plattform Nummer eins sind Messenger-Dienste geworden, meint Thomas Klein

Informatiklehrer Thomas Klein verwies auf die Gefahren der Verwendung von Messenger-Programmen wie „WhatsApp“. Da rund 95 Prozent der Jugendlichen WhatsApp nutzen, handele es sich um die Mobbingplattform Nummer eins unserer Gesellschaft. Klein wies auf die Sicherheitslücken und zahlreiche Datenschutzprobleme hin.

Ähnliche, weniger bekannte Programme, die dieselben Funktionen besäßen, gebe es kostenlos oder gegen eine geringe, einmalige Anschaffungsgebühr anders als bei dem amerikanischen Programm, dessen Preis die weitaus wertvolleren persönlichen Daten seien. (red)


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