Jeder vierte Fahrer ist unter 25 Jahren

STATISTIK Die Polizei legt die Unfallzahlen im Landkreis Marburg-Biedenkopf für das Jahr 2016

Ein Unfall an der Zollbuche am 30. Juli 2016: Obwohl zwei Autos frontal zusammenstoßen, bleibt es bei zwei leicht Verletzten. (Foto: Röder)

Die Statistik weist aus, dass drei Ursachen für mehr als die Hälfte aller Unfälle (52 Prozent) verantwortlich sind: überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Abstand und das Wenden oder Rückwärtsfahren. Was die Zahl angeht, steht der Abstand mit 1043 von 447 Verkehrsunfällen an der Spitze; was die Folgen angeht, die Geschwindigkeit mit 513 Unfällen.

„Auch die Marburger Statistik verdeutlicht, dass die Geschwindigkeit weiterhin die Hauptunfallursache mit den gravierendsten Folgen ist“, sagt Polizeidirektor Manfred Kaletsch vom Polizeipräsidium Mittelhessen. Durch überhöhtes Tempo starben zwei Menschen, 79 erlitten schwere und 137 leichte Verletzungen.

Ein Thema für die Beamten ist auch die Ablenkung am Steuer. Die Polizei verweist auf einen Bericht des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Einer repräsentativen Umfrage zufolge ist mehr als die Hälfte der befragten Autofahrer durch Ablenkung schon in brenzlige Situationen geraten. „Nach Schätzung der Unfallforschung spielt Unaufmerksamkeit beziehungsweise Ablenkung bei jedem vierten schweren Unfall eine Rolle“, heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. Sie führt die Gefährlichkeit einer Ablenkung mit einem Rechenbeispiel vor Augen: Wer mit Tempo 80 unterwegs und nur eine Sekunde lang abgelenkt ist, ist quasi 22 Metern blind unterwegs.

Mehr als jeder vierte Fahrer will sich nach einem Unfall seiner Verantwortung entziehen

Mehr als jeder vierte Fahrer versucht nach einem Unfall, sich seiner Verantwortung zu entziehen. 1207 der 4447 polizeilich aufgenommenen Unfälle waren Unfallfluchten, (27 Prozent). Dabei waren 65 Unfälle, die bei neun Menschen zu schweren und bei 70 Menschen zu leichteren Verletzungen führten. Die Aufklärungsquote stieg um drei auf 40 Prozent. „Eine Unfallflucht ist absolut kein Kavaliersdelikt“, betont die Polizei.

Nach 986 Wildunfällen im Jahr 2013 und 1015 im folgenden Jahr gab es 2015 einen Anstieg um über 20 Prozent auf 1221 derartiger Unfälle. Im vergangenen Jahr ging diese Zahl wieder leicht auf 1152 Unfälle zurück. Bei elf Zusammenstößen mit Wild erlitten vier Menschen schwere und 14 leichte Verletzungen. Der Anteil der Wildunfälle an den Gesamtunfällen lag im Jahr 2016 bei 25,9 Prozent.

Nach wie vor lässt sich kein Schwerpunkt für die Wildunfälle ausmachen. Diese Unfälle verteilen sich über den gesamten Landkreis. Wildunfälle passieren vermehrt überall da, wo die Straßen durch den Wald führen. Die Polizei rät: „Effektiv zur Reduzierung von Wildunfällen beitragen kann jeder einzelne Verkehrsteilnehmer selbst durch vorausschauendes Fahren mit erhöhter Vorsicht und akuter Bremsbereitschaft, durch angepasste Geschwindigkeit vor allem in Waldstücken und insbesondere dort, wo Schilder auf Wildwechsel hinweisen, sowie durch rechtzeitiges Abblenden und Bremsen bei Wildwechsel“.

Zwei Altersgruppen tauchen besonders häufig in der Unfallstatistik auf: die Fahranfänger und die Senioren. Die 18- bis 24-jährigen Autofahrer waren 2016 an 1038 der 4447 Verkehrsunfälle beteiligt. Nach wie vor ist also bei fast jedem vierten Unfall ein 18- bis 24-Jähriger als Fahrer oder Insasse dabei. Ein Mensch starb, 56 erlitten schwere und 199 leichte Verletzungen

Senioren über 65 Jahren waren insgesamt an 666 Unfällen beteiligt. 376 betrafen die älteren Menschen zwischen 65 und 74 Jahren, 290 Unfälle die über 75-Jährigen. Die Mehrzahl der Unfälle ging auf das Konto der Senioren. Die Senioren zwischen 65 bis 74 Jahren verursachten  insgesamt 215 der 376 Unfälle, an denen sie beteiligt waren.Die Senioren jenseits der 75 Jahre 213 der 290 Unfälle.

Fahranfänger unter 25 und Senioren über 75 sind überproportional an Unfällen beteiligt

„Setzt man die verursachten Verkehrsunfälle ins Verhältnis zu dem Fahrleistungsanteil der Senioren ergibt sich, dass insbesondere die über 75-Jährigen die am zweitstärksten unfallbelastete Altersgruppe nach den 18-24-Jährigen ist“, schreibt die Polizei.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf verunglückten im vergangenen Jahr 97 Menschen bei 125 Verkehrsunfällen mit motorisierten Zweirädern. 38 erlitten schwere, 59 leichte Verletzungen. Im Jahr zuvor starb ein Beteiligter, 49 erlitten schwere und 63 leichte Verletzungen bei insgesamt 135 Unfällen.

Diese positive Entwicklung sei auch der guten Zusammenarbeit der Polizei mit den Gefahrenabwehrbehörden des Landkreises und den Kommunen zuzurechnen. Als positives Beispiel nennt die Polizei die Zusammenarbeit der Behörden des Landkreises und der Polizei bei der Entschärfung eines Unfallschwerpunktes auf der Bundesstraße 255 (Zollbuche). Dieser Streckenabschnitt habe den Zweiradfahrern in den vergangenen Jahren immer wieder als „Renn- und Eventstrecke“ gedient. Durch riskante Fahr- und Überholmanöver sei es in diesem kurvenreichen Abschnitt häufig zu Verkehrsunfällen mit leicht verletzten, schwer verletzten und auch tödlich verletzten Zweiradfahrern gekommen.

„Durch gezielte bauliche Maßnahmen, Beschilderungen und Kontrollmaßnahmen, konnten die Unfallzahlen an dieser Stelle um über 50 Prozent gesenkt werden“, verweist die Polizei auf erzielte Erfolge.


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