Jekyll, Hyde und ein paar Monster mehr

Léos Carax verstört mit "Holy Motors"
Als das Monster Monsieur Merde stört Monsieur Oscar (Denis Lavant) in "Holy Motors" ein Fotoshooting auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. (Foto: Arsenal Film)

Zum vierten Mal nach "Die Liebenden von Pont-Neuf" ist Denis Lavant wieder Carax’ Star, diesmal als geheimnisvollen Monsieur Oscar, der sich wie ein Familienvater nach einer Nacht voll unruhiger Träume morgens von seiner Familie verabschiedet und in einer Limousine zur Arbeit abgeholt wird. Darin allerdings wandelt er sich von Doktor Jekyll zu Mister Hyde und nimmt im Lauf des Tages noch ein Dutzend weitere Identitäten an.

So wird er zu einer Bettlerin und zu einem Tänzer in einer erotischen und abstrakten Tanzszene, aber auch zum Monster "Monsieur Merde", das auf dem Friedhof Père Lachaise ein Fotoshooting stört und ein Model (Eva Mendez) in die Unterwelt entführt. Er ist Banker und Akkordeonspieler, Vater einer Tochter und Auftragsmörder, der sich selbst als Opfer umbringt.

Dabei gibt es eine Menge filmischer Anspielungen und grotesker Szenen, die verschiedene Deutungen nicht nur zulassen, sondern auch provozieren. "Holy Motors" ist ein hochartifizieller Film, und Denis Lavant, der schon lange so etwas wie das enfant terrible des französischen Films ist, kann einem dabei Angst machen. Für Carax ist der Film wohl so etwas wie eine mal schöne, mal hässliche Meditation über das Ende, aber auch eine oft abwegige und verstörende Verbeugung vor der Filmgeschichte und eine Hommage ans Kino. Dass nicht wenige gerade dann gern zuschaun, wenn’s besonders gruselig wird, macht er sich dabei zu Nutze.

Laufzeit: 115 Minuten; FSK: freigegeben ab 16 Jahren.


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