Jude Law taucht im U-Boot ab

ABENTEUER Macdonalds "Black Sea"

Vertrauenserweckend sieht das U-Boot nicht aus, aber die Möglichkeit, dass dieser rostige Schrotthaufen gleich zu Beginn der Reise wie ein Stein auf den Meeresgrund sinkt, ist noch die geringste Sorge von Kapitän Robinson (Jude Law).

In Kevin Macdonalds Abenteuerfilm "Black Sea" taucht der britische Schauspieler ab, um mit einer verwegenen Crew, die hauptsächlich aus Briten und Russen besteht, auf eine gefährliche Schatzsuche zu gehen. Im Schwarzen Meer liegt ein auf Grund gesunkenes Nazi-U-Boot, das randvoll mit Gold sein soll - ein echtes Himmelfahrtskommando.

Für seine Rolle hat sich der Brite Jude Law ("Grand Budapest Hotel"), auf den der ganze Film zugeschnitten ist, intensiv vorbereitet und einer leichten Metamorphose unterzogen. Sein Schädel ist fast kahlgeschoren, ein paar neue Muskeln wurden draufgepackt und bei einem mehrtägigen Aufenthalt auf einem U-Boot vor Drehbeginn konnte er sich schon mal an die Enge in solch einer Sardinenbüchse gewöhnen.

Männerfilm auf engstem Raum

Auf Liebe müssen Jude-Law-Fans in "Black Sea" verzichten. Und gelacht wird auch nicht, denn das submarine Drama ist ein reiner Männerfilm auf engstem Raum mit grimmig dreinblickenden und goldgierigen Kerlen, die nichts zu verlieren haben, die ihr Gewissen anfangs gleich über Bord gekippt haben.

Auch Kapitän Robinson hat nichts mehr zu verlieren: Seine Ehe ist schon lange gescheitert, aus seinem letzten Job bei einem Bergungsunternehmen wurde der Ex-Navy-Mann gefeuert, und seine Bude ist ein Alptraum. Da kommt das Gold gerade recht, das sein Feuer wieder entfacht. Man muss ihm nur in die schönen blauen Augen blicken - die strahlen diabolische Entschlossenheit aus. "Ich komme nicht arm zurück", sagt er.

Alle Mann an Bord haben nur ein Ziel, aber sie ziehen nicht an einem Strang. Die Gier nach Gold enthüllt bald die finstersten Seiten der Männer. Mord? Alles ist möglich in diesem schmutzigen Biotop der Außenseiter und Glücksritter, die unter diesen extremen Bedingungen nichts zu verlieren haben.

Und Regisseur Macdonald ("Der letzte König von Schottland") fährt alles auf, was ein U-Boot-Film haben muss. Hämmernde Maschinen, Streit, Klaustrophobie, klackerndes Metall, Angst, Explosionen, Tod, das immer unheilvoll klingende Echolot, Schlägereien, Schlagseite, Verrat, Feigheit, Raserei, eindringendes Wasser, Geschrei, verzerrte Gesichter - und das blutig verschorfte Ohr von Jude Law.

Dazwischen sorgen fein gestreute Schocks für zusätzliche Überraschungsmomente in dem nassen Drama, das vor allem in der zweiten Hälfte an Spannung gewinnt und ein paar Knoten zulegt. In der Masse von U-Boot-Filmen sichert sich Kevin Macdonald zwischen Klassikern wie "Unternehmen Petticoat" und "Das Boot" einen guten Mittelplatz. (dpa)

Laufzeit: 115 Minuten; FSK: freigegeben ab zwölf Jahren.


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