Junge Ukrainer lernen bei Besuch in Laufdorf

AUSTAUSCH Gespräche über gewaltfreien Umgang mit Konflikten

Zehn Jugendliche aus der Ukraine haben den Laurentiuskonvent in Laufdorf eine Woche lang besucht und hier zum Thema Gewaltfreiheit gelernt. (Foto: Rühl)

Eine Woche waren die jungen Besucher in der Kommunität Imshausen in Bebra und in der zweiten Woche in Laufdorf als Gäste des Laurentius-Konvents, wo sie von Gabriele und Stephan Hünninger sowie von Marie-Noëlle von der Recke und ihrem Mann Ernst willkommen geheißen wurden. Die Begegnung hatte Ernst von der Recke im Oktober 2016 in Kiew eingefädelt.

Im Osten der Ukraine herrscht seit 2014 Krieg, nachdem Russland die Insel Krim annektiert hat. Die Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren haben mehrheitlich Beeinträchtigungen ihres Lebens durch den bewaffneten Konflikt. So sind sieben von ihnen mit ihren Familien aus dem Ostteil des Landes in den Westen geflohen. Einige bangen um ihre Väter, die in der Konfliktregion beim Militär sind.

Die jungen Leute sind mit der kirchliche Organisation "Foundation of Children of Hope", zu deutsch "Stiftung Hoffnungskinder" nach Deutschland gekommen.

Nach Angaben der Gruppenleiterin Anna Dovbyk unterhält die Stiftung ein Familienzentrum in Kiew, in dem Vorträge und Diskussionen stattfinden, es Angebote für Kinder und Jugendliche gibt, und Ausflüge organisiert werden.

Erinnerung an Einsatz auf dem "Maidan"

Dovbyk schilderte bewegend ihre Erinnerung an den Konflikt auf dem Maidan-Platz vom November 2013 bis Februar 2014. Dovbyk ist mit einer Gruppe christlich engagierter junger Menschen zu den Demonstranten gegangen, hat ihnen Essen und Trinken überreicht und sie umarmt.

Dabei sei der Einsatz nicht ungefährlich gewesen. Bis zu den aufgebauten Straßensperren fehlten noch 20 Meter. Zudem sei auch geschossen worden und bekanntlich sind fast 100 Menschen auf dem Maidan-Platz zu Tode gekommen bei den Auseinandersetzungen mit der damaligen Regierungsgewalt. Sollte Gott sie noch einmal bei einer ähnlichen Situation auf den Maidan-Platz schicken, würde sie das wieder tun. Ihre Heimat, die Ukraine, sei unteilbar. Auch der Osten mit Donezk gehöre dazu, erzählte die Frau.

Nach Deutschland sind die Jugendlichen gekommen, um vom Laurentiuskonvent und der Organisation "Church and Peace" zu erfahren, wie man versucht, Kirche zu sein, die das Gebot der Feindesliebe als Auftrag Jesu ernst nimmt. Marie-Noëlle von der Recke war von 2000 bis 2013 Generalsekretärin von Church and Peace, einem ökumenischen friedenskirchlichen Netzwerk von christlichen Gemeinschaften und Friedensorganisationen in Europa.

Vormittags hat die Gruppe in praktischen Einsätzen um das Gemeinschaftshaus des Konvents Haus-, Hof- und Gartenarbeit erledigt, biblische Geschichten zur Friedensarbeit bedacht und Grundlagen des gewaltfreien Umgangs mit Konflikten erarbeitet. Nachmittags gab es Ausflüge nach Wetzlar, Braunfels und Koblenz. Im 1977 gegründeten Laurentiuskonvent leben Ehepaare und Singles zusammen. In einem umgebauten Bauernhof kann die Gemeinschaft Gäste beherbergen. Unterstützt wurde der Besuch aus der Ukraine durch die Initiative "Hoffnung für Osteuropa" der Evangelischen Kirche in Deutschland. (lr)


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