Kein Foto von Wolf in der Galerie

KREISTAG Erklärender Text ersetzt das Porträt des ehemaligen Landsrats mit NS-Vergangenheit

Aufhängen oder abhängen: Der Umgang mit Heinz Wolf beschäftigt den Kreistag schon seit Jahren. Das Porträt des ehemaligen Landrats soll im Kreishaus nicht mehr aufgehängt werden. (Repro: Archiv)

Dieser Text soll nach dem Willen des Kreistags im Kreishaus dort hängen, wo früher Heinz Wolfs Porträt hing. (Repro: Vetter)

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Seit Jahren beschäftigt sich der Kreistag mit dem Umgang mit Heinz Wolf, der im Nationalsozialismus Karriere gemacht und als Staatsanwalt sogar an mehreren Todesurteilen des Unrechtsstaats mitgewirkt hatte. Zentraler Punk der Diskussionen war in jüngster Zeit das Porträt Wolfs, das in der so genannten Ahnengalerie der ehemaligen Landräte im Kreishaus hing.

Bereits mehrmals hatte der Kreistag darüber beraten, was mit dem umstrittenen Porträt geschehen soll. In ihrer Sitzung in Schupbach wollten die Parlamentarier jetzt offensichtlich einen endgültigen Schlussstrich unter das Thema ziehen. Doch vor diesem Schlussstrich hatten die Mandatsträger in Schupbach noch eine lange und in Teilen leidenschaftlich geführte Debatte vor sich.

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"Ich möchte das Antlitz des Bösen nicht schauen", sagte Sabine Häuser-Eltgen, die die Position der Grünen im Kreistag darstellte. Häuser-Eltgen dankte dafür, dass die Änderungsvorschläge ihrer Fraktion in den Text aufgenommen wurden, der nun anstatt des Konterfeis von Heinz Wolf in der Reihe der Landräte zu sehen ist. Besonders wichtig war den Grünen dabei der Hinweis auf die Opfer des NS-Staatsanwalts, denn: "Man kann nicht Heinz Wolf nennen und seine Opfer vergessen."

Nicht weit genug ging der Textentwurf Bernd Steioff (Die Linke). Er legte Wert darauf, dass Wolf seine Entnazifizierung in betrügerischer Weise erlangt habe: "Da hat ein Nazi dem anderen einen Persilschein ausgestellt." Dies müsse aus dem Text eindeutig hervorgehen.

"Es handelt sich bei dieser Abfolge der Landräte nicht um eine Würdigung, nur um eine Abfolge", gab der CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Veyhelmann zu bedenken. Natürlich könne man Wolf auch nicht einfach komplett aus der Galerie entfernen, denn er gehöre nun einmal in die Reihe der Landräte, sagte Veyhelmann und ergänzte, die gefundene Lösung sei gut und ermögliche Betrachtern auch eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Klaus Valeske von der FDP versuchte, mit einem Kompromissvorschlag das Wort "betrügerisch" aufnehmen zu lassen und so die letzten Kritiker des Textentwurfs einzubinden. Wolfgang Lippe (Grüne) hielt eine solche Änderung für unnötig, denn die amerikanische Besatzungsmacht habe diesen an sich zweifelhaften Amtsvorgang eingeführt. Lippe betonte: "Dass sich da Nazis gegenseitig Persilscheine ausgestellt haben, hat zur Entnazifizierung dazugehört."

Dieser Auffassung war auch der SPD-Kreistagsvorsitzende Frank Schmidt. Die so genannte Entnazifizierung sei eben keine wundersame Waschanlage gewesen, in die auf der einen Seite Nazis reingehen und auf der anderen Demokraten rauskommen, sagte Schmidt.

Soll man den "Sausack" zeigen?

"In der heutigen Geschichtsschreibung entfernt man nicht mehr Porträts von Tätern, man zeigt sie", so Schmidt. Er habe deshalb kein Problem, wenn "der Sausack" in der Galerie in Bild und Text vorkomme, verkündete der promovierte Historiker und ergänzte: "Ich habe aber auch Verständnis, wenn jemand sagt: Ich möchte nicht das Gesicht dieses Nazis neben dem eines Demokraten sehen."

Albrecht Fritz sprach für die Freien Wähler. "Mich macht diese Debatte hier wieder sehr betroffen", sagte der FW-Fraktionsvorsitzende und fuhr fort: "Und zwar nur aus einem Grund: Hier wurde wieder überhaupt nicht an die Opfer gedacht." Dafür sei besonders Bernd Steioff mit seiner "Rechthaberei" verantwortlich.

Steioff selbst brachte einen Änderungsantrag mit einem anderen Textvorschlag ein, der aber nur seine eigene Stimme (bei drei Enthaltungen) erhielt. Danach wurde der ursprünglich vorliegende Textvorschlag einstimmig beschlossen.


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