"Keine Entwarnung"

GUTACHTERSTREIT Gebhardt weist Landeslabor-Kritik zurück

Gutachter Peter Gebhardt (l.), der im Auftrag von Ortsvorsteher Heinz Schulz (r.), die Landeslabordaten zur Dioxinbelastung einordnete, hält an seiner Warnung fest. (Foto: Preisler)

Gebhardt bleibt bei seiner abweichenden Bewertung der vom Landeslabor erhobenen Daten. Der Landesbetrieb hatte Entwarnung gegeben.

Die Dioxin- und Furankonzentrationen in Obst und Gemüse aus Tiefenbacher Gärten rund um die Firma Woolec habe das Landeslabor anhand von "Auslösewerten" der Europäischen Union beurteilt, merkte Gebhardt bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Interessengemeinschaft Tiefenbach und Ortsvorsteher Heinz Schulz (SPD) an.

Diese sind nach seiner Auffassung jedoch nicht für die Einschätzung von Gesundheitsgefahren durch den Verzehr von Lebensmitteln bestimmt. "Eine gesundheitliche Entwarnung kann daher nicht gegeben werden", sagte Gebhardt. Der Direktor des Landeslabors, Hubertus Brunn, hatte ihm am Montag in Tiefenbach widersprochen. Alle Werte lägen unter den Grenzwerten, die wiederum um das 1000-fache von Werten für Gesundheitsgefahren entfernt seien, verteidigte er seinen Prüfbericht.

n Werte auf zehn Jahre rechnen

Dass das Landeslabor die IfU-Bewertung anhand von tolerierbaren wöchentlichen (TWI) und täglichen Dosen (TDI) für Dioxine und dl-PCB in Frage stelle, nennt Gebhardt "gänzlich unverständlich". Das Landeslabor ignoriere so toxikologisch abgeleitete Empfehlungen der Europäischen Union, der Weltgesundheitsorganisation und des Umweltbundesamtes zur täglich tolerierbaren Aufnahme von Dioxinen und PCB.

Im Übrigen erkläre auch das Bundesinstitut für Risikobewertung, das vom Landeslabor immer wieder zitiert werde, dass die TDI- und TWI-Werte nicht über längere Zeit überschritten werden dürfen.

Landeslabor-Chef Brunn hatte Gebhardts Position vor allem in Frage gestellt, weil dieser die Aufnahmedosis von Dioxin zum Kriterium gemacht habe. Es sei jedoch die im Körperfett gespeicherte Menge zu berücksichtigen, reichte das Landeslabor am Montag Einordnungen zu seinem Prüfbericht nach.

Bei den Körperfettwerten habe Brunn jedoch "mehrere gravierende Fehler" gemacht, sagt Gutachter Gebhardt. So werte er lediglich die Anreicherung durch Äpfel und Tomaten für ein Jahr aus, nicht jedoch durch andere in Tiefenbach erzeugte Lebensmittel. Außerdem müsse die Belastung auf einen Zeitraum von zehn Jahren hochgerechnet werden, so der Zweitgutachter. Es sei davon auszugehen, dass bereits so lange Belastungen in Tiefenbach vorliegen. "Es ist zu befürchten, dass die Dioxin-Körperlast tatsächlich in besorgniserregendem Maße gestiegen ist", so Peter Gebhardt. Zudem habe das Hessische Landeslabor kritisiert, dass er im Zweitgutachten Durchschnittswerte für den Wassergehalt für die Grasproben des Labors angenommen habe. Der Landesbetrieb verschweige aber, dass in seinem Prüfbericht gar kein Wassergehalte benannt werden. Das IfU habe daher mit dem in der Fachliteratur begründeten Wassergehalt von 80 Prozent gerechnet.

Nicht zuletzt sei auch für die Bewertung der analysierten Schwermetalle Blei und Kadmium im Tiefenbacher Obst und Gemüse vom Landeslabor Grenzwerte einer EU-Verordnung herangezogen worden. Für eine abschließende Beurteilung darüber, ob eine Verzehrswarnung für Obst und Gemüse durch den Eigenanbau ausgesprochen werden müsse, sind diese als Handelswerte nach Gebhardt Auffassung nicht geeignet. Dazu bezieht Brunn die konträre Position.

Gebhardt erklärte im Gegenzug: In den Handel gebrachte Lebensmittel würden weiträumig verteilt, der einzelne Käufer nehme so nur geringe Mengen auf. Viel höher würden dagegen Menschen im Stadtteil Tiefenbach belastet. n Seite 17


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