Klaus-Peter Mücke durch die Stadt Dillenburg geehrt

Stadtverordnetenvorsteher Klaus-Achim Wendel, Preisträger Klaus-Peter Mücke, Bürgermeister Michael Lotz und Laudator Dr. Friedhelm Ackva umrahmen das Portrait der Dillenburger Ehrenbürgerin Charlotte Petersen.

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"Für Verdienste um die Verständigung zwischen den Menschen" - diese Inschrift trägt die Charlotte-Petersen-Medaille, die seit dem Jahr 2001 alle zwei Jahre an Personen verliehen wird, die sich im Sinne der Namensgeberin besonders engagiert haben. Wie Michael Lotz berichtete, hatte die Charlotte Petersen, eine der größten Persönlichkeiten Dillenburgs, zusammen mit Hilda Heinemann, der Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann, im Jahre 1959 das Hilfswerk Wapniarka gegründet. Die Dillenburger Journalistin sei unermüdlich dafür tätig gewesen, Spenden für die Überlebenden dieses Konzentrationslagers aufzutreiben. "Zur Erinnerung an Frau Petersen und in Würdigung ihres Lebenswerkes stimmte die Stadt Dillenburg auf Anregung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dillenburg, deren Gründungsmitglied sie war, der Stiftung einer Charlotte-Petersen-Medaille zu", so das Stadtoberhaupt. Die Ehrung soll möglichst am Geburtstag von Charlotte Petersen, dem 11. Juni, erfolgen. In diesem Jahr entschieden sich die städtischen Gremien für die Verleihung der Charlotte-Petersen-Medaille an den evangelischen Pfarrer im Ruhestand Klaus-Peter Mücke, der von Helmut Blecher dazu vorgeschlagen wurde. Die Laudatio auf ihn hielt der heutige evangelische Pfarrer Dr. Friedhelm Ackva, der ihn auch aus seiner Zeit als Pfarrer in Haiger-Allendorf kennt. Klaus-Peter Mücke wurde in der Universitätsstadt Halle, der damaligen DDR, geboren. Nach seinem Studium bei den Frankeschen Stiftungen und Stationen in Frankfurt am Main und Wiesbaden wurde er mit 28 Jahren nach Dillenburg versetzt. Heute lebt der 82-Jährige im Haus Elisabeth in Dillenburg. Zur Preisverleihung begleitete ihn sein Sohn Prof. Dr. Ulrich Mücke.

Laudator beschrieb Mücke treffend

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Dr. Friedhelm Ackva beschrieb seinen Vorgänger als einen besonders treuen Menschen. Schon 54 Jahre sei er nun in Dillenburg. Als Großstädter und Lutheraner sei er in die kleine Oranienstadt gekommen, die vom Calvinismus und der Erweckungsbewegung stark geprägt sei - dies sei sicherlich für ihn und seine Frau am Anfang nicht einfach gewesen. Und doch habe er die Gegend und seine Menschen hier lieben und schätzen gelernt. Die Treue Gottes habe ihn motiviert, auch Dillenburg und den Dillenburgern die Treue zu halten, nicht nur den Gemeindegliedern. Indem er sich so stark und nachhaltig mit Dillenburg und seiner Geschichte verbunden habe, sei er selbst ein Teil der Geschichte dieser Stadt geworden. Klaus-Peter Mücke vollzog in seinen 34 Amtsjahren 885 Taufen, 408 Trauungen und 1074 Beerdigungen. Die eigentliche, seelsorgerische Arbeit in Telefonaten und Briefen - sozusagen die "Kür" laut Dr. Friedhelm Ackva - die lasse sich unmöglich zählen oder dokumentieren. "Das hat etwas zu tun mit ihrer Treue und der wertschätzenden Liebe der Ihnen anvertrauten Menschen, auch über Ihre Pensionierung hinaus." Von dieser Treue und diesem engagierten Fleiß könnten auch jüngere Seelsorger etwas lernen. Durch sein Mitmarschieren bei den Ostermärschen in den 80er Jahren habe Mücke großes Engagement für den Frieden gezeigt. Den Gemeindebrief "Kontakte" rief er mit ins Leben. Was ihn besonders auszeichnet, so der Laudator, sei die Tatsache, dass er den Leuten nie nach dem Mund geredet habe, sondern auch seine oft kritischen Worte, auch außerhalb von Gemeindehäusern: "Manche empfanden Ihre Worte und Sätze vielleicht als berüchtigte Mückenstiche - mag sein. Aber kratzen mussten sie sich doch". Gemeinsam mit den katholischen Amtskollegen hatte der Preisträger so manches ökumenisches oder soziales Projekt angefangen. Dr. Friedhelm Ackva betonte, dass genau diese Treue zu den Menschen mit all ihren Eigentümlichkeiten gewiss auch eine Charlotte Petersen angetrieben habe, die unermüdlich Geld für die KZ-Opfer sammelte und Bewusstseinsarbeit leistete.

Klaus-Peter Mücke pflege engen persönlichen Kontakt mit der Namensgeberin des Preises in den 90er Jahren. Er unterstützte sie bei ihrer Arbeit materiell und durch Bildungsarbeit in der Gemeinde und dem Gymnasium. Als Religionslehrer an der Wilhelm-von-Oranien-Schule stellte er seine Kurse in den Dienst des interkonfessionellen Dialogs. Dabei bildete die besondere Verantwortung Deutschlands für das jüdische Volk einen Schwerpunkt seines Unterrichts. Am 5. August 1994 musste er Charlotte Petersen beerdigen und betonte in seiner Traueransprache, dass mit Gott im Rücken dieser zierlichen Frau fast alles möglich war: "Für ihr Versöhnungswerk Wapniarka gab es viele moralische und rationale Gründe. Aber der tiefste Grund war diese gemeinsame Wurzel der Erfahrung des immer wieder neu gnädigen Gottes, des Gottes, mit dem allein alles steht und fällt". In der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e. V. ist der ehemalige Pfarrer Mitglied seit der Gründung 1988 und nimmt bis heute regen Anteil an den Veranstaltungen und Diskussionen. Aus den Händen von Bürgermeister Michael Lotz erhielt Klaus-Peter Mücke beim offiziellen Festakt dann die Charlotte-Petersen- Medaille 2015. Der Geehrte dankte sehr herzlich für die hohe Auszeichnung. Besonders dankte er der Stadt und seinem Laudator, der ihn "erstaunlich gut getroffen" habe. Der Dialog zwischen den Menschen und den Konfessionen sei ihm stets wichtig gewesen. Er wünsche der Stadt, auch weiterhin würdige Menschen zu entdecken, die diesen Preis verdienen. Auch die ehemaligen Preisträger Prof. Dr. Martin Stöhr (2001), Studiendirektor Eckhard Scheld (2007) und Hartmut Schmidt (2013) waren bei der Preisverleihung anwesend. Den musikalischen Rahmen gestaltete die Johanniskantorei mit Werken von Mendelssohn unter Leitung von Kantorin Petra Denker.


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