Kleine Lehrlinge an der Gutenberg-Presse

Ungewöhnliche Mitmach-Aktion in der evangelischen Kita Schönbach

Hans-Josef Altmann hat den Jungen und Mädchen als "Der Gutenberg" erklärt, wie der Buchdruck funktioniert. (Foto: privat)

Seit mehr als zwanzig Jahren ist Hans-Josef Altmann unter dem Namen "Der Gutenberg" bekannt, um Jung und Alt das wunderschöne Handwerk mittelalterlicher Buchherstellung vorzustellen. Meist ist er mit seiner Buchmacherei und Gutenbergpresse auf mittelalterlichen Märkten unterwegs, aber auch in Schulen, Kirchengemeinden und interessierten Einrichtungen. So denn auch in der evangelischen Kindertagesstätte in Schönbach, die mit den Kindern in den vergangenen Wochen das Projekt Bücher gestaltet hatte. Unter anderem wurden Buchstaben aus Wachs gegossen, Stempelbilder gedruckt, Papier selbst geschöpft, Vorlesezeiten mit ehrenamtlichen Paten eingerichtet und für die Kinder altersspezifische Buchausstellungen verschiedenster Verlage im Foyer eingerichtet. Auch hatten die Kinder mithilfe von Papprollen bereits eine Druckerpresse nachgebaut und so bedrucktes Papier selber hergestellt.

Dass nun einer der Höhepunkte des Projekts gekommen war und im Mehrzweckraum der 1:1-Nachbau einer echten Buchdruckpresse wie zu Gutenbergs Zeiten stand, überraschte die Kinder. Mehr noch das Erscheinungsbild von Hans-Josef Altmann, der sich eben als Gutenberg verkleidet hatte und die Kinder mitnahm in die Zeit von vor sechshundert Jahren.

Die ersten Bücher bestanden aus Bildern, denn auch Bilder lassen sich lesen, versicherte Altmann den Kindern am Beispiel eines gemalten Herzens, dass die Botschaft "Ich hab dich lieb" transportiert. Anschließend zeigte er anhand eines kostbaren Setzkastens, welche erlesenen Materialien wie Edelsteine und Purpurschnecken früher verwendet wurden, um die teure Farbe herzustellen und auf ein Stück Pergament zu bringen. Der Illuminator, der die Bücher prächtig bebilderte, brauchte damals 10.000 Purpurschnecken, um 1 Gramm Farbe herzustellen.

Die Kinder erfuhren anschließend, wie Gutenbergs Erfindung einer Druckerpresse das Büchermachen revolutionierte, weil nun Bücher nicht mehr von Hand abgeschrieben werden mussten, sondern ganz einfach, Seite für Seite, an der Presse hergestellt werden konnten.

Und dieses Verfahren probierten die Kinder natürlich sofort auch aus. Jedes hatte die Gelegenheit einmal zu spüren, welche Kraft nötig war, um auch nur eine einzige Seite zu drucken. Doch das wunderschöne Ergebnis war jede Anstrengung wert, denn am Ende des Tages hielt jedes Kind stolz und staunend eine selbstgedruckte und optisch vergoldete Seite des Anfangs der Weihnachtsgeschichte nach Lukas in den Händen.

Anschließend zeigte Hans-Josef Altmann den Kindern und Eltern auch die hohe Kunst des Papierfaltens. Briefumschläge selber zu machen ist ganz einfach, da braucht man keine mehr zu kaufen.

Und für die Vorschulkinder hatte er noch einen ganz besonderen Kniff mitgebracht: ein 26-seitiges Büchlein voller Bibelverse aus nur einem Din A4-Blatt zu falten ohne Kleber oder Heftklammer. So nahmen die Kita-Kinder einen Druckbogen oder ein ganzes Büchlein mit nach Hause und alle haben etwas davon miterleben können, wie die Verbreitung von Literatur damals überhaupt ihren Anfang genommen hat.


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