Kompression gegen offene Beine

TELEFONAKTION Dr. Marius Passon am "direkten Draht zum Mediziner"

Ein 67 Jahre alter Marburger möchte wissen, was man eigentlich unter "offenen Beinen" versteht, und wie diese zu behandeln sind. "Darunter versteht man Wunden, die sehr häufig am inneren Unterschenkel auftreten und über viele Jahre nicht heilen oder aber immer wieder aufgehen", klärt der Mediziner auf. Um etwas dagegen zu unternehmen, könne ein Gefäßchirurg zunächst die oberflächlichen Venenklappen dahingehend überprüfen, ob sie ordentlich schließen.

"Andererseits kann ein Grund sein, dass das Blut nicht richtig zurückfließt." Der Druck, der von den Venen ausgeht, sorge dann dafür, dass die Haut nicht heilen kann. Je nach Ergebnis der Untersuchung müsse entschieden werden, ob die Behandlung mit Kompressionsstrümpfen ausreicht, oder ein Teil der nicht funktionierenden Vene entfernt werden muss. "Sobald der Druck von der Haut weg ist, schließt sich die Wunde wieder", so Passon abschließend.

Die offenen Zehen eines 83 Jahre alten Anrufers aus Biedenkopf wollen nicht heilen. Er leidet unter Durchblutungsstörungen und hat bereits eine Aufweitung der Arterie vornehmen lassen. "Diese Aufweitung ist eine Art von Therapie", erklärt der Mediziner. Sie könne allerdings in einigen Fällen nicht ausreichen. Er empfiehlt dem Anrufer, noch einmal kontrollieren zu lassen, wie die Gefäße aussehen und eine Darstellung der Arterie vornehmen zu lassen. "Eventuell ist auch ein Bypass nötig, um die Durchblutung zu verbessern", so der Mediziner weiter.

Eine 68-jährige Herbornerin entdeckte über ihrem Knöchel einen großen blauen Fleck, über dem die Haut sehr dünn sei. Sie möchte wissen, ob hier die Vene verödet werden muss. Am unteren Knöchel trete dies häufiger auf, da dort ein sehr tiefer Punkt des Körpers sei, erklärt ihr Passon. "Entweder hat sich bei Ihnen eine kleine Vene aufgestaut, oder es handelt sich um Besenreißer." Bevor etwas verödet würde, sollte mit einem Duplexultraschall überprüft werden, ob die Venen in Ordnung sind, so der Mediziner weiter. Wenn bloß eine Seitenvene lokal unter Druck stehe, könne diese verödet werden. Dies sei auch ambulant möglich.

Seit Juli klagt ein 71-Jähriger aus Sinn über ein Loch in der hinteren Wade, welches nicht heilt. Darüber hinaus kann er aufgrund einer Operation an der Wirbelsäule nur kurze Strecken zu Fuß bewältigen. "Mit einem Ultraschall sollte geschaut werden, ob eine kleine Verengung vorliegt", rät der Chirurg. Durch Bewegung würden sich diese meist von selbst wieder weiten.

Dies sei im Falle des Anrufers aber wegen der Probleme beim Gehen nicht gegeben. Eine Aufdehung der Arterie könne Heilung bringen. "Im Zuge dessen sollten außerdem die Venen auf eine Stauung hin untersucht werden", führt Passon weiter aus. Diese könne die Wundheilung zusätzlich belasten. Gegen die Stauung helfe ein Kompressionsstrumpf, den es in verschiedenen Stufen in Sanitätshäusern gibt. Durch den dauerhaften Druck heilten Wunden besser ab. Eventuell müsse die Wunde zudem auch angefrischt werden. "Das Ganze kann sehr lästig sein, aber wenn Sie bei der Stange bleiben, schließt sich die Wunde wieder." Nur in den seltensten Fällen sei eine Hauttransplantation notwendig.

Durch dauerhaften Druck können Wunden besser abheilen

Mit dicken Beinen und Flüssigkeitsansammlungen kämpft eine 54 Jahre alte Frau aus Dillenburg seit längerer Zeit. Sie habe keine Thrombose, keine Durchblutungsstörungen, und auch ihre Blutwerte seien in Ordnung. "Das klingt nach einer Mischung aus chronisch venöser Insuffizienz und einer Infektion am Unterschenkel", mutmaßt der Mediziner. Dabei könne das lymphatische System ebenfalls infiziert werden, mit dem Ergebnis, dass die Lymphe schlecht abfließen kann.

Der Druck im Bein könne mit Lymphdrainagen genommen werden. "Lässt der Druck nach, können Sie auch wieder Kompressionsstrümpfe tolerieren", erklärt der Chirurg. In selteneren Fällen sei eine kleine Operation nötig, bei der ein Lymphgefäß mit einer kleinen Vene verbunden werde, damit die Lymphe besser ablaufe. Für eine dauerhafte Lymphdrainage von zu Hause aus gebe es den sogenannten Lymphomat, erklärt Passon. Dieser sei eine Manschette, die der Patient selbst anlegt und für 15 Minuten auch selbst einstellt. "Wird das konsequent angewendet, müssten ödematöse Bildungen zurückgehen und die Haut müsste sich regenerieren."


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