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In den Hüttenberger Bürgerstuben erinnerte Paul an das trockene Vorjahr, dem nun „Wasser ohne Ende“ gefolgt sei. Dadurch mussten die Bauern verhaltene Ernten in Kauf nehmen, die oft nur noch als Viehfutter verwertet werten konnte.

Aber nicht nur das Wetter mache den Landwirten das Leben schwer. Unter anderem haben sie mit ihrer Meinung nach ungerechtfertigten Anfeindungen zu tun. So werde den Bauern oft pauschal vorgeworfen, ihre Düngung erhöhe den Nitratgehalt des Grundwassers. „Das sind alles nur Paukenschläge“, wies Paul die oft pauschalisierende Kritik vor allem von Seiten der Politik zurück. Dabei verwies er darauf, dass das Wasser in der Region von feinster Qualität sei. „Wir können Landwirtschaft“, brach er eine Lanze für die Landwirte der Region. Der Beifall der Anwesenden war ihm gewiss.

Viele Bauern haben auch mit zunehmenden Wildschäden zu kämpfen. „Es macht keinen Spaß mehr, Raps auszusäen“, stellte er in Anbetracht der vermehrten Wildschäden fest, wobei ihm viele beipflichteten.

Besonders der Raps hat unter den schwierigen Wetterbedingungen gelitten, wie Philip Loch vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) darstellte. So hat sich der Vegetationsbeginn im Frühjahr durch die lange Kälteperiode bis Ende März verzögert. Dem sei dann teils noch später Frost im April gefolgt. Im Mai hatten die Bauern Hoffnung auf einen warmen Sommer. Aber der wurde dann anders und vor allem völlig verregnet. „Landwirtschaft ist die Werkstatt ohne Dach – da haben wir keinen Einfluss drauf“, so Loch in Anbetracht der schwierigen Bedingungen. Mit einer Rapsernte von 35 Doppelzentnern pro Hektar habe man sich schon nicht mehr beschweren dürfen, schloss Referent Herbert Becker vom LLH später an. „Mit 40 Doppelzentnern war man schon vorne mit dabei“, blickte Becker zurück und verwies darauf, dass das feuchte Wetter auch Krankheiten wie Weißstängeligkeit oder pilzbedingte Welke begünstigt habe.

Die neue Düngeverordnung bringt mehr Schreibarbeit für die Bauern

Welche Sorten die Landwirte im nächsten Jahr am besten anbauen, erläutertet Lisa Fröhlich (LLH). Sie ging zudem auf die neue Düngeverordnung ein, die am 2. Juni in Kraft getreten ist. Dabei beschränkte sie sich zunächst auf das, was die Landwirte bereits in diesem Herbst erfüllen müssen. Die wohl wichtigste Änderung ist, dass der Düngebedarf nun verpflichtend nachgewiesen werden muss und nur gedüngt werden darf, sofern die im Boden vorhandenen Nährstoffe nicht ausreichen. Weiter darf durch die Düngung nur ein gewisser Gesamtstickstoffgehalt pro Hektar erreicht werden. Bei langjähriger, organischer Düngung entfällt der Düngebedarf.

Vor allem bedeuten die Änderungen der Düngeverordnung, dass die Landwirte mehr aufschreiben müssen. „Die Aufbewahrung der Aufzeichnungen bis sieben Jahre nach Ablauf des Düngejahres ist verbindlich“, so Fröhlich. Andernfalls werde es zu entsprechenden Ahndungen kommen. Zur Berechnung der Nährstoffbilanz wird im Frühjahr 2018 ein Programm zur Verfügung gestellt.

Herbert Becker rief die Landwirte dazu auf, so wenig Insektizide wie möglich zu verwenden. Bei tatsächlichem Bedarf sollten sie zudem so spät wie möglich zum Einsatz kommen.

Becker wusste davon zu berichten, dass in manchen Maisfeldern die Ausbreitung von Hirse festgestellt worden sei. Diese gelte es einzudämmen, da andernfalls ein verstärkter Herbizideinsatz nötig werde.

Für eine Unkrautbekämpfung ohne Chemiekeule machte sich der Pohlheimer Landwirt Manfred Balser stark, da Resistenz sonst langfristig zum Problem werde. Unkraut solle wieder vermehrt mechanisch bekämpft werden.

Bauernverbandsgeschäftsführer Hans-Martin Sames wies auf einige wichtige Termine in den nächsten Monaten hin, allen voran das Erntedankfest der heimischen Landwirtschaft am 14. Oktober ab 20 Uhr in der Limeshalle in Pohlheim-Grüningen. Die nächste Regionalversammlung des Bauerverbands wird am 21. Februar 2018 um 20 Uhr in den Hüttenberger Bürgerstuben stattfinden. Dabei wird es vorrangig um die Erfahrungen mit der Düngeverordnung gehen.


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