Lasst uns hier ein Haus bauen

156-STUNDEN-PERFORMANCE Theatergruppe braucht viel Holz für die Suche nach gelungenen Momenten

Genau so muss es sein: Dort, wo jetzt noch Autos parken, soll ab Montag ein Holzhaus errichtet werden. Darauf weist ein Team von "german stage service" hin. (Foto: Döhn)

"Genau so muss es sein!", lautet der Titel des Projekts, bei dem die Theatermacher um Regisseure Rolf Michenfelder und Anna Krauss nach Momenten suchen, die genau so aussehen, wie man sie sich vorgestellt hat, oder eben auch nicht. Denn die Suche kann auch misslingen. Der gelungene Moment ist nicht planbar. Und sieht gewiss auch für jeden anders aus.

Das Programm startet am Donnerstag: Dann wird im Haus gesungen, geschlafen, gespielt und gekocht

Deshalb sollen möglichst viele mitmachen bei dem Projekt, das am Montag, 20. Juli, um 8 Uhr auf dem Platz vor der Lutherischen Pfarrkirche startet. Jeder, der mag, kann Baustoff aus Holz vorbeibringen - Bretter oder auch Möbel, die nicht mehr gebraucht werden, egal in welchem Zustand. Aus all dem soll ein Gebäude entstehen, von dem bislang lediglich feststeht, dass es vier mal fünf Meter Grundfläche haben wird und an zwei Seiten verglast ist.

Bis Mittwoch wird gemeinsam gebaut. Jeder, der möchte, kann mitmachen, solange er Zeit hat. Dafür, dass das Ganze nicht zusammenstürzt, sorgt ein Zimmermann. Die Arbeiten beginnen immer um 8 Uhr; gewerkelt wird, bis es dunkel wird.

Von Donnerstagnachmittag bis Montag, 27. Juli, wird das so entstandene Gebäude dann bespielt. "Aber es wäre toll, wenn parallel auch immer noch daran gebaut würde", sagt Rolf Michenfelder. Am liebsten wäre es ihm, wenn das letzte Stück einen Moment vor dem angebracht wird, wenn alles wieder abgebaut wird. Für die Zeit dazwischen ist viel Programm geplant.

Los geht es am Donnerstag, 23. Juli, mit einem Vortrag über Kommunikation, um 20 Uhr ziehen dann Michenfelder und Matti Fischer in das Haus ein und beginnen eine 26 Stunden lange Performance. Bis Freitag gegen 22 Uhr widmen sie sich in jeder Stunde einem Thema - der Schönheit, dem Scheitern, der Gelassenheit und natürlich auch dem Schlaf.

"Wir haben schon einen ganzen Korb voller Ideen, wie wir die Zeit füllen wollen", sagt Fischer, "es kann aber auch alles ganz anders werden." Rund um die Uhr kann man den beiden zusehen. Es steht immer jemand bereit, der beispielsweise Kopfhörer reicht oder ein paar erklärende Worte spricht. "Wir wollen möglichst viele gelungene Momente erzeugen, für uns, aber vor allem auch für die Zuschauer", sagt Michenfelder.

Nachdem die beiden wieder ausgezogen sind, übernehmen andere das Gebäude. So wird eine komplette WG mit all dem einziehen, was sie für den gelungenen Moment für notwendig hält. Die Kurhessische Kantorei wird singend am und ums Haus werkeln. Es gibt Lichtinstallationen, Musik, Filme und vieles mehr - ein Koch kocht beispielsweise am Samstag, 24. Juli, ab 18 Uhr das "beste Essen der Welt" und am Sonntag wird ab 18 Uhr aus den Zutaten, die die Zuschauer mitbringen, ein Essen für alle improvisiert.

Zwischendurch gibt es auch für das Publikum die Möglichkeit, das Haus für seine ganz eigene Suche zu nutzen - dabei geht es ausdrücklich nicht darum, irgendein Kunststück vorzuführen, sondern darum, dem Gelingen nachzuspüren - vielleicht dem Gelingen von etwas, was man bisher noch nie hinbekommen hat.

Am 27. Juli muss das Bauwerk wieder verschwinden. Bis dann kann es jederzeit besucht werden und im Schatten der Platanen gelungenen Momenten nachspüren und Kaffee und Kuchen genießen.


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