Lehre steht hoch im Kurs

AUSBILDUNG Landkreis legt bei Stellen erneut zu

"Die Unternehmen in der Region wissen, dass sie morgen keine Fachkräfte mehr bekommen, wenn sie heute nicht ausbilden", sagt der Leiter des Arbeitgeberservice bei der Marburger Agentur, Walter Horn. 1653 Ausbildungsstellen haben die Unternehmen bei der Agentur gemeldet, trotz schwankender Konjunktur waren es 16 Ausbildungsplätze mehr als vor einem Jahr. Damit liegt die Ausbildungsquote - der Anteil von Ausbildungsplätzen pro 100 Arbeitsplätzen - im Landkreis bei überdurchschnittlichen 5,7 Prozent. Hessenweit sind es 4,8.

Während in Hessen die Zahl der Ausbildungsplätze um 1,4 Prozent abgenommen hat, ist sie im Landkreis um ein Prozent leicht gestiegen.

Und noch eine gute Nachricht: Weniger Stellen als im Vorjahr bleiben unbesetzt - obwohl es mehr Ausbildungsplätze und weniger Bewerber gib. "Es ist uns besser gelungen, beide Seiten zusammenzubringen", sagt Breustedt.

"Die Vorlieben der jungen Männer und Frauen haben sich wenig verändert", berichtet die stellvertretende Leiterin der Berufsberatung, Lena Huth. So wollten im abgelaufenen Jahr 71 Bewerberinnen Friseurin werden, es wurden aber nur 62 Stellen angeboten. Bei den Jungs trifft der Berufswunsch rund ums Auto die Möglichkeiten im Landkreis noch schlechter: Für die 62 jungen Männer, die Kraftfahrzeug-Mechatroniker werden wollen, gibt es nicht einmal 40 Ausbildungsplätze. Von den insgesamt 2071 Bewerbern haben zur Zeit 37 noch keine Perspektive für das nächste Jahr.

Ob jemand eine Lehrstelle findet oder nicht, liegt laut Huth weniger an der Art des Schulabschlusses. 25 Prozent der jungen Leute auf Lehrstellensuche haben einen Hauptschulabschluss, 39,5 Prozent kommen von der Realschule. 15,3 Prozent haben Fachhochschulreife und 11,2 Prozent Abitur. Betrachtet man die Anteile derjenigen, die zum Stichtag 30. September noch keinen Platz haben, schneiden die Realschüler am schlechtesten ab.

n Hauptschüler mit sozialen Kompetenzen und Engagement sind wieder gefragt

Von den damals noch 47 Unversorgten waren 21 Realschüler (44,6 Prozent), elf Hauptschüler (23 Prozent), neun Fachoberschüler (19 Prozent) und fünf Abiturienten (10,6 Prozent).

Hauptschüler seien als Azubis wieder gefragt - wenn die sozialen Kompetenzen und das Engagement stimmen, berichten Huth und Horn. Unterstützt werde die Bereitschaft, auch junge Leute mit möglichen Mängeln in der theoretischen Ausbildung einzustellen, von den berufsbegleitenden Hilfen der Agentur, sagt Breustedt. 350 000 Euro hat die Agentur im vergangenen Jahr in Stützkurse, Prüfungsvorbereitungen oder Berufsvorbereitungsmaßnahmen gesteckt, 179 Plätze gibt es für diejenigen, die solche Unterstützung in Anspruch nehmen wollen.

Vor allem im Handwerk würden noch Auszubildende gesucht, berichtet Horn. "Die Hinwendung zu Büroberufen ist nicht immer vernünftig, denn Handwerk hat nach wie vor goldenen Boden", sagt er. Etwa die Hälfte der Handwerksbetriebe in der Region würden auch gerne Mädchen ausbilden - aber es fehlen die Bewerberinnen, so der Arbeitgeberberater.

"Auch jetzt geht noch was für 2012", betont Volker Breustedt. So würden  Lehrstellen von Bewerbern zurückgegeben, mancher komme noch von der Berufsvorbereitung im Oktober in eine Ausbildung, berichtet er aus den jüngsten Erfahrungen. Und: "Die Agentur schießt niemanden ab, und wenn er zehn Jahre sucht", sagt Breustedt. "Die ungelernten Arbeitskräfte von heute sind die Arbeitslosen von morgen", nennt er den Hauptgrund für das Engagement der Agentur.


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