Lubitsch statt Bergman

Robert B. Weides "Woody Allen – A Documentary" ist eine große Huldigung
Seine deutsche Olympia-Schreibmaschine macht das Drehbuchschreiben für Woody Allen seit über 50 Jahren zum Vergnügen, sagt er. (Fotos: nfp)
"Der Stadtneurotiker�? ("Annie Hall�?) mit Diane Keaton war Ende der siebziger Jahre Woody Allens Durchbruch hierzulande. Auch an ihn erinnert Robert B. Weides wunderbare Dokumentation.
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Nun gibt es eine wunderbare Dokumentation über Woody Allen, die einer Huldigung gleichkommt und zeigt, dass seine Kindheitsträume wahr geworden sind, obgleich er davon überzeugt ist, es "irgendwie vermasselt" zu haben. "Der einzige, der zwischen mir und dem Genie steht, bin ich selbst", sagt er, und ist wohl auch der einzige, der’s glaubt.

Dokumentarfilmer Robert B. Weide zitiert Höhepunkte aus Allens Schaffen, die sich immer durch Klugheit und Kurzweil auszeichnen, spricht mit Heerscharen von Freunden und Mitarbeitern und folgt dem Künstler in sein New Yorker Apartment, in dem alle Drehbücher entstanden sind. Er zeigt, wie die meisten seiner Filme funktionieren, indem große Ambitionen mit den Tücken des Alltags konfrontiert werden, die Sinnsuche ebenso zum Scheitern verurteilt ist wie der unermüdliche Versuch, der Welt beizukommen.

Lieber wäre Allen, der, weil’s zum großen Tragöden nicht gereicht hat, die sehnsuchtsvolle Perspektive des Clowns eingenommen hat, ein amerikanischer Ingmar Bergman geworden, doch in den Fußstapfen von Ernst Lubitsch und Billy Wilder lässt sich auch famos Vergnügen bereiten.

Ob sein letzter Wunsch allerdings in Erfüllung gehen wird, muss bezweifelt werden: "Ich will nicht durch Filme unsterblich werden, sondern dadurch, dass ich nicht sterbe."

Länge: 117 Minuten; FSK: frei ohne Altersbeschränkung.


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