Männer wollen versklavt sein

THEATER "Der dressierte Mann" gefällt in Haiger
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Angesichts der geballten Frauen-Power flüchtet sich Bastian (Stephan Schleberger) in einen Alkoholrausch.

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Längst weist die Diskussion über Esther Vilars Streitschrift "Der dressierte Mann" nicht mehr die Verbissenheit und bissige Polemik wie in den 70er Jahren auf. Die Auseinandersetzung mit ihren Thesen über das Verhältnis der Geschlechter findet heute allerdings immer noch statt, und wenn auch nur in der komödiantischen Aufarbeitung des Themas durch John von Düffel.

In der am Donnerstagabend mit über 200 Besuchern gut besuchten Stadthalle in Haiger boten Karin Dor, Marianne Rogée, Martina Dähne und Stephan Schleberger mit der Aufführung von "Der dressierte Mann" einen höchst unterhaltsamen Theaterabend voller Spielfreude und spritziger Bonmots.

Kühl, sachlich und modern war das Bühnenbild, hitzig und voller Esprit war das Geschehen, das sich in der von René Heinersdorff für das Tournee-Theater Thespiskarren inszenierten Komödie abspielte.

Gesellschaftliche und familienpolitische Fragen, an denen sich Emanzen und Sexisten jahrzehntelang abgearbeitet haben, verdichteten sich hier zu einer Abfolge köstlicher Pointen und kabarettistischer Dialoge, aufgeführt von einem furios auftrumpfenden Schauspieler-Quartett.

Im Fokus des Geschehens steht Bastian, ein Mann zwischen Lebenspartnerin, Schwiegermutter und eigener Mutter, eingekeilt zwischen den Theorien der Emanzipation und der Lebenswelt einer Radikalemanze und Zahnarztgattin.

Seiner Freundin Helen, der er bei einem Candlelight-Dinner einen Verlobungsring überreichen möchte, schlittert statt Romantik in eine handfeste Beziehungskrise. Welcher Mann erträgt es schon, wenn ihn seine Partnerin auf der Karriereleiter überholt?

n Von der Businessfrau zum Weibchen, das nach Luxus giert

Als zu allem Unglück auch noch die beiden Mütter auf den Plan treten, sucht Bastian frustriert und orientierungslos sein Heil im Alkohol. Währenddessen schmieden die unterschiedlichen Mütter, die bald feststellen, dass ihre Intentionen, wie man Männer gefügig und spendabel macht, gar nicht weit auseinanderliegen, ihre Pläne. Helen wird von der Businessfrau zum gurrenden und schnurrenden Luxusweibchen getrimmt, die dem Mann als Hausfrau und Mutter dient, und letztlich doch nichts anderes im Sinn hat, ihn für ihre Bedürfnisse nach Luxus hart arbeiten zu lassen.

In der Auseinandersetzung um Macht und Herrschaft obsiegt in diesem Spiel allerdings der Mann, der seiner Frau die Karriere überlässt, während er sich zum Hausmann mit Schnäppchen-Affinität entwickelt. Die schöne neue Beziehungswelt à la Esther Vilar, die bis heute der Realität nicht oder nur selten standhält, war in der mit würzigen Aphorismen angereicherten Komödie nur die Projektionsfläche, auf der sich die Akteure austoben konnten.

Karin Dor ("Eine Frau braucht keinen Rechner, sondern einen Versorger") spielte die in zweieinhalb Ehen auf blanken Hedonismus getrimmte alterslose Frau mit wundervoller Ironie und charmanter Lässigkeit. Mit der nicht minder locker und bissig auftretenden Marianne Rogée, die man noch als Isolde Pavarotti aus der "Lindenstraße" kennt, lieferte sie sich herrliche Wortgefechte, die schließlich in der gemeinsamen Erkenntnis mündeten, dass die Männer es mögen, wenn man sie versklavt.

"Ein Mann braucht drei Anzüge fürs ganze Leben, eine Frau benötigt drei Kleider pro Woche". Bastian, der am Ende diese Bedürfnisse umkehrt, wurde von Stephan Schleberger ("Unter uns", "SOKO 5113") vorzüglich repräsentiert - mit temporeichem und mimisch exzellent austariertem Spiel. Martina Dähne als Helen hielt locker dagegen. Sowohl als Geschäftsfrau und als Helium-gefülltes Dummchen stand sie ihre Frau in dem 90-90-minütigen Theatervergnügen.


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