Malteser erklären, wie Altkleider seriös helfen

EMPFANG Hilfsorganisation dankt Unterstützern

Malteser-Stadtbeauftragter Boris Falkenberg (v.l.) mit Gästen und Rednern: Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP), Bundestagsabgeordnete Sibylle Pfeiffer (CDU), Landrat Wolfgang Schuster (SPD) und Dom-Pfarrer Peter Kollas. (Foto: Volkmar)

In der Zentrale der Malteser am Hörnsheimer Eck begrüßte deren Stadt- und Kreisbeauftragter Boris Falkenberg über 90 Gäste aus Kommunen, Politik, Wirtschaft, Kirchen und befreundeten Hilfsorganisationen.

"Den Glauben bezeugen und Bedürftigen helfen", unter diesem Leitgedanken hätten die rund 300 haupt-und ehrenamtlichen Mitarbeiter der katholischen Hilfsorganisation auch im vergangenen Jahr vorbildliche Arbeitet geleistet, lobte Falkenberg. Die Zahl der älteren und einsamen Menschen wachse und damit auch die Zahl derer, die von Krankheit und Einsamkeit betroffen sind und täglich Hilfe benötigten.

"Ihr arbeitet mit einer hohen Professionalität zum Wohle der Menschen, dafür gilt euch Lob und Dank", sagte CDU-Bundestagsabgeordnete Sibylle Pfeiffer. In ihrer Laudatio beschäftigte sich die Politikerin mit dem Jahresthema der Hilfsorganisation und ging der Frage nach: "Altkleiderspenden - Segen oder Fluch?"

Zwar stehe sie Altkleider-Containern kritisch gegenüber, sagte Pfeiffer. Sie habe aber die Erfahrung gemacht, dass dieses Geschäft ein Segen für die Dritte Welt sein könne, wenn es von karitativen Einrichtungen mit seriösen Partnern profihaft betrieben wird. "Natürlich verdient auch die Wirtschaft an den jährlich rund 600 000 Tonnen Altkleidern, die in Container wandern." Die Sachen müssten sortiert, gebündelt und transportiert werden.

Kleiderhandel und Auswirkung

Die 45 Kilogramm schweren Bündel der Hilfsorganisationen, auch als "Mitumba" bekannt, gehen über Zwischenhändler nach Afrika. "Ich habe mich vor Ort informieren können, wie diese Kleideraktionen ablaufen", berichtete Pfeiffer. Die importierte Ware werde zunächst gewaschen, gebügelt und wenn nötig auch ausgebessert. Natürlich ver-dienten Händler damit Geld, sorgten aber auch für Arbeitsplätze. So lebten in Ghana rund 1,5 Millionen Menschen vom Handel und der Umänderung von Gebrauchttextilien. Günstiger Preis, gute Qualität und große Auswahl: Das seien Gründe, warum Menschen in afrikanischen Ländern importierte Altkleider kaufen, auch weil die im eigenen Land produzierte Ware zu teuer sei", so Pfeiffer.

Natürlich leidet die lokale Textilindustrie unter dem Import von Secondhandkleidung - auch, weil ihre Produktionsbedingungen nicht wirtschaftlich seien. Hier setze die Politik der Bundesregierung an: "Wir wollen durch gezielte Entwicklungshilfe die einheimische Industrie auch für den Export konkurrenzfähig machen". Deutschland brauche auch Frieden in Afrika, weil es von dort Rohstoffe beziehe. Es sie Ziel des Bundes, in afrikanischen Ländern in die Bildungspolitik zu investieren. "Nur so können wir helfen, die sozialen Missstände abzubauen und stabile Strukturen zu schaffen."

Die "Altkleider-Aktion" sei für die Malteser Hilfe, aber auch eine Einnahmequelle für soziale Aufgaben, die von Kranken- und Pflegekassen nicht finanziert werden, erläuterte Thomas Loh. Die Malteser hätten in der Region 73 Container aufgestellt und mit seriösen Firmen Betreuungsverträge geschlossen. "Die Deutschen sind spendenfreudig - auch bei Altkleidern. Aber man sollte drauf achten, ob eine karitative Einrichtung dahintersteht, oder oft unseriöse Händler ein gutes Geschäft wittern", warnte Loh. "Also achten Sie auf den Container und das Logo, wenn Sie etwas zum Anziehen an Bedürftige geben wollen."


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