Markt: Ein neuer Zweck für Omas alte Tracht

Brauchtum Gruppen und Sammler kaufen und verkaufen

Schützenswertes Erbe – die Tracht: Trachtenfrauen im Jahr 2005 anlässlich eines Treffens in Dreihausen. (Foto: privat)

Rund 20 Aussteller haben sich bereits angemeldet, „viel mehr geht jetzt auch nicht mehr, sonst wird es zu eng“, sagt Anneliese Schömann aus Halsdorf, langjährige Vorsitzende der Hessischen Volkskunstgilde. Als kreis- und mittelhessenweit tätiger Verein hat sich die Gilde dem Erhalt von Brauchtum und Trachten verschrieben.

Es ist der zwölfte Trachtenmarkt, den die Vereinigung für übernächsten Sonntag organisiert. Geöffnet ist er von 11 bis 17.30 Uhr. „Wir waren schon an ganz verschiedenen Orten mit dem Markt zu Gast, in Dreihausen hat es uns besonders gut gefallen“, sagt Schömann und berichtet, dass aus Ebsdorfergrund auch viele Mitglieder der Volkskunstgilde kommen, so dass der Publikumszulauf gesichert sei. Man rechne mit rund 400 Besuchern, so viele seien es in etwa auch beim letzten Markt in Dreihausen gewesen.

Schöne Teile – tragbar auch zur Jeans

Willkommen sind alle, die sich für Trachten interessieren – vorwiegend trifft dies auf Sammler und Trachtengruppen zu, „aber wir haben auch schon mal Studenten zu Gast, die ein besonderes Teil suchen, das man auch im Alltag zur Jeans tragen kann“, sagt Schömann.

Beim Markt suchen Sammler und Brauchtumsgruppen oftmals nach ergänzenden Stücken für ihre Trachten-Garderobe, andere steigen neu ein, weil sie gerade Mitglied in einer Brauchtumsgruppe geworden sind, oder einfach, weil sie sich für Trachten interessieren. „Eine einfache Alltagstracht kann man sich inzwischen für etwa 60 Euro zusammenstellen“, schätzt Schömann. Bei der Festtagstracht werde es dann schon kostspieliger, „man muss mit 200 bis 300 Euro rechnen“. Kein Vergleich zu früheren Zeiten, weiß Schömann, „vor 20 Jahren kosteten die Trachten noch gut das Doppelte“. Der Preisverfall rühre vor allem daher, „dass viele junge Leute alles abgeben, sie wollen die Sachen zumeist nicht mehr haben, geben sie dann bei uns in Kommission, verschenken oder verkaufen sie selbst“.

So wird auch die Volkskunstgilde beim Trachtenmarkt selbst mit einem großen Stand vertreten sein, vorwiegend mit Stücken aus der Marburger evangelischen und katholischen Tracht sowie mit Teilen von Hinterländer Trachten. Bei anderen Anbietern wird es auch Trachten aus der Schwalm und weiteren Regionen geben, sagt Schömann. Die Organisatoren wollen die heimischen Trachten durch ihren Markt bewahren – sie werben ausdrücklich dafür, die alten Kleider aus Omas Schrank nicht einfach in eine Sammlung zu geben, sondern Brauchtumsgruppen zur Verfügung zu stellen oder sie selbst auf dem Markt anzubieten.

Für Besucher, die ihre Tracht ergänzen oder erneuern wollen, werden Stoffe und Borten angeboten, ebenso die passenden Schuhe zum volkstümlichen Gewand, außerdem Trachtenpuppen und bestickte Hessenkittel.

Die Altersstruktur der Besucher ist nach Schömanns Erfahrung bunt gemischt, „ältere, jüngere, alles querbeet“, sagt sie. Wobei die letzten noch lebenden Trachtenträgerinnen aus der Region eher nicht zum Markt kämen, „sie sind alle über 80 oder 85 Jahre alt, die meisten von ihnen haben viele Trachten und brauchen nichts Neues mehr“, weiß die Vorsitzende.

Mittags werden die Marktbesucher mit Würstchen und Kartoffelsalat versorgt, „wer keine Trachten kaufen mag, kann auch einfach zum Essen vorbeikommen“, wirbt Schömann für das Angebot. Nachmittags serviert die Volkskunstgilde Kaffee und hausgemachten Kuchen.

Infos: Eckhard Hofmann, (0 64 24) 92 17 12 (ab 17 Uhr), Anneliese Schömann, (0 64 25) 60 61.


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