Mehr Männer machen Mutter-Kind-Kur

GESELLSCHAFT Einrichtungen nehmen Väter in den Fokus / Therapie läuft eher über Aktivität als über Gespräch

Die zehnjährige Margarete Luise (von links), ihr Vater Reiner Haupt sowie der elfjährige Leonard und dessen Vater Mario Weinrich im Kurparkt in Bad Wörishofen. (Foto: Hildenbrand/dpa)

Als Mario Weinrich merkte, dass ihm die Belastung als Ehemann, Vater und Vollzeit-Berufstätiger zunehmend auf die Gesundheit schlug, wollten er und sein an Asthma erkrankter Sohn Leonard sich in einer Vater-Kind-Kur erholen. Doch auch wenn diese immer mehr nachgefragt werden: "Das Angebot ist sehr übersichtlich. Gepaart mit dem recht langen Antragsverfahren ist es ziemlich schwer, einen Kurplatz zu bekommen", sagt Weinrich.

Nach vielen Anträgen klappte es: Der Justizwachtmeister aus Berlin konnte mit seinem elf Jahre alten Sohn eine Vater-Kind-Kur im bayerischen Bad Wörishofen antreten. Doch der Papa aus Berlin weiß: Nicht jeder Vater kennt die Möglichkeit von Vater-Kind-Kuren. Ihn machte sein Hausarzt darauf aufmerksam. "Die Aufklärung über die Möglichkeit der Vater-Kind-Kur ist ein bisschen besser geworden in der Gesellschaft", betont Thomas Hilzensauer vom Bad Wörishofer Familien-Kind-Haus. In Hilzensauers Haus gibt es 16 Kuren pro Jahr, drei davon speziell für Väter.

"Mütter und Väter leiden gleichermaßen besonders stark unter ständigem Zeitdruck"

Auch in den Einrichtungen des Müttergenesungswerks (MGW) ist die Zahl der Männer im vergangenen Jahr um knapp ein Viertel auf 1500 gestiegen. 16 der 76 Einrichtungen bieten spezielle Vater-Kind-Kuren. Diese werden gezielt bei Ärzten und Vätern bekannt gemacht. Denn es nehmen noch deutlich weniger Väter Kuren in Anspruch als Mütter: Väter machen drei Prozent in den MGW-Einrichtungen aus. Dennoch sind die Männer inzwischen fester Bestandteil in der Arbeit des MGW. Gründerin Elly Heuss-Knapp wollte 1950 einen Erholungsort für Mütter schaffen, die zu der Zeit fast ausschließlich allein für die Erziehung der Kinder zuständig waren. Doch das hat sich geändert: "Uns war ganz wichtig, dass wir nun auch etwas Väterspezifisches anbieten", sagt MGW-Geschäftsführerin Anne Schilling. Es soll kein Vater mit 50 Müttern im Stuhlkreis sitzen müssen, um seine Probleme zu besprechen. "Die Männer müssen spiegeln können, was ihre Themen mit der Vater-Rolle und dem Mann sein zu tun haben", sagt sie. Im weitesten Sinne seien die Symptome und Belastungen bei Müttern und Vätern zwar ähnlich. "Mütter und Väter leiden gleichermaßen besonders stark unter ständigem Zeitdruck", sagt Schilling. Sie müssten Beruf, Familie und teils die Pflege eines Familienmitglieds vereinen. Aber speziell für Väter, die Haupt- und Vollzeitverdiener sind, stelle das eine extreme Herausforderung dar.

Reiner Haupt kurt in Bad Wörishofen mit seiner zehnjährigen Tochter Margarete Luise, hatte aber durchaus Vorbehalte: "Ich dachte zunächst, das ist nur so eine Psychosache", sagt der 57 Jahre alte Jurist aus Halle. Die Einrichtungen kennen die Zweifel. Deshalb haben sie auf Väter zugeschnittene Konzepte entworfen. "Die Kliniken sagen uns ganz klar: Bei Müttern läuft die psychosoziale Therapie eher über das Gespräch, bei Vätern eher über die Aktivität", sagt Schilling.

Mütter litten außerdem häufiger unter individuellen Versagensängsten als Männer. Papas hätten eher mit allgemeineren Unsicherheiten im Umgang mit Kindern zu kämpfen. Darauf könne in reinen Männergruppen dann besser eingegangen werden. (dpa)


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