Mehr gute Samariter in der Not

RETTUNG Neue Absolventen des Kriseninterventionsdienstes im Landkreis begrüßt
Anhang : red.web_0428b597f933e66137e3ba58f0d84bfe
Fotostrecke

Der KID im Landkreis ist um 13 Frauen und Männer reicher, die in einer Feierstunde im Kreishaus in den Reihen des Interventionsdienstes begrüßt wurden. Sie haben eine Ausbildung mit 96 Arbeitseinheiten durchlaufen und ihr Wissen in schriftlicher und mündlicher Prüfung sowie im begleitenden Einsatz bewiesen.

Zum ersten Mal in Hessen wurde die psychosoziale Notfallversorgung für die Einsatzkräfte 1996 in feste Hände gegeben. Die Vereinbarung zwischen Kreisfeuerwehrverband und öffentlicher Hand war "eine weise Entscheidung", so Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. "Was daraus entstanden ist, kann sich hessenweit sehen lassen." Das System ruht auf zwei Schultern: einer hauptamtlichen (Kirche) und einer ehrenamtlichen.

n Einsatzkräfte müssen nicht mehr so belastet nach Hause gehen wie früher

"Erfahrene Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungs- und Sanitätsdienst lindern gemeinsam mit Hauptamtlichen die großen Sorgen und Nöte von Betroffenen, bis weitere Hilfe in Anspruch genommen werden kann."

Dabei seien Feuerwehrleute eigentlich "hart gesotten und kennen keinen Schmerz. Sie stecken alles locker weg", erinnerte Schäfer an eine Einstellung, die der Vergangenheit angehört. "Da ist der Weg, den wir heute gehen, der deutlich bessere. Denn wir sorgen dafür, dass unsere Einsatzkräfte nicht mehr so belastet nach Hause gehen müssen, wie das früher oft der Fall war."

Früher wurden die Einsatzkräfte in Jena am Institut für Notfallseelsorge und Krisenintervention ausgebildet. "Als sich diese Möglichkeit nicht mehr bot, haben wir mit den Maltesern einen Ausbildungspartner gewonnen, der uns durch sein durchdachtes und gut ausgearbeitetes Curriculum überzeugt hat", erklärte Christian Reifert, Sprecher des KID und Lehrgangsleiter. "Unsere Einsatzkräfte sind rundherum fachlich ausgebildet, um Menschen in Akutsituationen auf Anforderung beizustehen."

Landrat Robert Fischbach (CDU) betonte: "Eine solche Einrichtung, die nicht mehr aus dem Kreisfeuerwehrverband wegzudenken ist, steht und fällt mit denen, die Verantwortung übernehmen. Ich habe großen Respekt vor dem, was Sie da ehrenamtlich leisten." Jährlich nähmen sich 10 000 Menschen das Leben - "doppelt so viele, wie im Straßenverkehr zu Tode kommen. Auch in diesen Situationen sind Sie da und betreiben Notfallseelsorge. Dafür möchte ich mich bedanken."

Dekan Burkhard zur Nieden als Vertreter der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck verdeutlichte: "Es gibt Stunden, die aus einem traurigen Grund unvergessliche werden - und dann sind Sie da." Es sei sehr hoch zu bewerten, dass sich die neuen Mitglieder des KID den besonderen Zumutungen stellen würden.

Dekan Gerhard Failing  (Biedenkopf) sagte: "Sie erfüllen eine Aufgabe, die sehr viel mit dem Gebot der Nächstenliebe zu tun hat." Der Kriseninterventionsdienst wende sich wie der gute Samariter in ökumenischer Weise an Betroffene - und das ohne Ansehen der Person oder der Hautfarbe.

Wie wichtig der KID aus Sicht der Retter ist, machte Clemens Kill als Leiter der zentralen Notaufnahme des Uniklinikums deutlich. "Etwa alle zwei Tage wird in unserem Landkreis jemand plötzlich aus dem Leben gerissen - eine Situation, mit der niemand gerechnet hat." Der Rettungsdienst rolle los, tue alles dafür, das Leben zu retten. "Aber die Angehörigen, die quasi das Kollateralopfer eines solchen Notfalls sind, stehen plötzlich alleine da. Denn für sie hat in einer solchen Situation niemand Zeit." Es gebe zu wenig Ressourcen, sich um diese Personen zu kümmern. "Daher sind die Notfallhelfer froh, dass sie jemanden rufen können, der sich um die Angehörigen kümmert - und ihnen den Rücken frei hält."

Zu guter Letzt: Der Retter selbst werde nicht als jemand wahrgenommen, der ebenfalls Hilfe braucht, sagte Heiko Hartmann (Rettungsdienst Mittelhessen). Auch für sie sei der KID da.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet