"Mein Abi gemacht haben"

PROJEKT Zeitkapsel mit Visionen für das Leben im Jahr 2030 auf Reise geschickt

Die Mädchen AG der Theodor-Heuss-Schule liest die Ziele vor, die sie bis 2030 erreicht haben will. (Foto: Fluck)

Am Freitagabend wurden ihre Zuschriften (eine kam aus Hamburg) in einer Zeitkapsel verschlossen, die jetzt im Stadtarchiv 15 Jahre lang zu Dokumenten heranreifen.

"Zurück in die Zukunft" heißt das Projekt, das sich die "Kulturenwerkstatt Limburg" unter der Leitung von Annie Vollmers (Diez) ausgedacht und in mehreren Vereinen wie auch in Schulklassen Unterstützung gefunden hat. 2030 werden die Schriftstücke geöffnet und verglichen, wie die Menschen heute gedacht haben und ob ihre geäußerten Wünsche und Visionen in Erfüllung gegangen sind.

230 Briefe, Fotos, Tageszeitungen, Berichte und Werbeflyer sind in der Kapsel

Die Idee zu diesem Projekt war vor einem Jahr in dem von Vollmers geleiteten Sprach- und Literaturprojekt "Wortwerkstatt" entstanden. Dort erarbeiten Mädchen aus verschiedenen Kulturkreisen literarische Themen und philosophierten über Gott und die Welt, so auch über die Zukunft.

Viele Leute machen sich Sorgen, wie es um die Welt und um sie selbst bestellt sein wird, sagte Annie Vollmers zu Beginn eines bunten Programms, das in der Werkstadt-Lounge den Rahmen für das historische Projekt bildete.

Briefe zu schreiben entspreche in einer Zeit der E-Mail- und SMS-Korrespondenz nicht dem Zeitgeist. Wer Briefe schreibe, nehme sich Zeit für den Adressaten und sich selbst. Neben den 230 Briefen aller Generationen seien in der Zeitkapsel Fotos, Tageszeitungen, Berichte zur Bebauung der Lahntalbrücke und Werbeflyer niedergelegt. Mädchen der Wortwerkstatt verlasen Gedanken und Zitate, die sich Autoren über Zeit und Zukunft machten. So wie der slowenische Autor Zarko Petan meint: "Haben Sie keine Angst vor der Zukunft - Sie beginnt erst morgen."

Die Mädchen-AG der Theodor-Heuss-Schule trug eine Liste vor, was sie bis 2030 geschafft, gemacht und erreicht haben will. Die Erwartungen an die Zukunft reichten von "Mein Abi gemacht haben" und "Meine Oma noch mal sehen", über "Mit Youtube berühmt werden" bis hin zu "Kunst- oder Englischlehrerin sein" und "Jemandem das Leben retten".

Stadtarchivar Christoph Waldecker wird 62 Jahre alt sein, wenn er die Zeitkapsel öffnen darf. "Das Archiv ist das Gedächtnis einer Stadt. Wir wollen in der Zukunft wissen, wie die Stadt einmal ausgesehen hat und die Menschen in früheren Zeiten gelebt haben", erklärte Waldecker den Besuchern, und nannte als Beispiel: "Hier in der Werkstadt-Lounge befand sich vor 100 Jahren die Lehrlingswerkstadt der Bahn. Es war Krieg. Uns interessiert: Wie haben die Menschen damals gedacht?" Heute gehe die Kulturenwerkstatt den umgekehrten Weg, indem sie über die Zukunft nachgedacht habe.

Der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) dankte insbesondere Annie Vollmers für ihre bedeutenden Beiträge zur Jugendarbeit in Limburg. Es sei schon bewundernswert, wie sie es geschafft habe, die Werkstadt-Lounge mit einem so gemischten Publikum zu füllen. Dort teilten Senioren neben Kindern und Jugendlichen gleichermaßen ihr Interesse an dem Zukunftsprojekt. Sie wurden unter anderem von den Rappern der Gruppe "Neknif" und von der Band "Eve’s Temptation" unterhalten.


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