Metall-Diebstahl aus "Bier-Laune" heraus

Gericht Vier Angeklagte sollen Edelstahltanks am Standort Behringwerke in Marburg geklaut und dann verkauft haben

Vier Angeklagte haben sich seit Dienstag vor dem Marburger Schöffengericht wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in rund 30 Fällen zu verantworten. Das Quartett soll gemeinsam dafür verantwortlich sein, seit Mitte 2014 zahlreiche wertvolle Tanks der geprellten Firmen gestohlen, weitergeschleust und an diverse Unternehmen verkauft zu haben.

Einer der Beschuldigten war als Lkw-Fahrer bei einer Spedition angestellt, arbeitete auf dem Betriebsgelände mehrerer Firmen am Standort Behringwerke. Er hatte Zutritt zu den Lagerhallen, beschaffte von dort regelmäßig Behälter, Stapeltanks oder Wannen, jeweils im Wert von mehreren tausend Euro. Das Diebesgut verkaufte er an einen befreundeten Metallhändler in Marburg.

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Angeklagter: "Es war schnell verdientes Geld"

Mindestens zwei der Angestellten sollen von der heißen Ware gewusst haben, traten als Zwischenhändler auf und verkauften die Tanks weiter nach Gießen oder Bremen. Den ahnungslosen Käufern machten sie weiß, es handele sich um legal erworbene Gebrauchtware. Zu den Bestimmungsorten soll der vierte Angeklagte die Teile transportiert haben.

Nach rund einem Jahr flog der lukrative Nebenerwerb der Gruppe auf.

Vor Gericht gab der erste Angeklagte einen Großteil der Vorwürfe zu, räumte ein, die Tanks gestohlen zu haben. Als Grund nannte er finanzielle Probleme und generell die günstige Gelegenheit. Als Kraftfahrer fiel es nicht auf, wenn er die schweren Stücke auf seinen Wagen lud und abtransportierte. "Die standen so herum, wochenlang, es war schnell verdientes Geld", teilte der 46-Jährige aus dem Südkreis mit und ergänzte reumütig: "Das gibt mir natürlich nicht das Recht zu klauen".

Für jeweils 250 Euro verkaufte er die Beute weiter, an den zweiten Beschuldigten aus Marburg und dessen ebenfalls angeklagte Lebensgefährtin. Die Frau schwieg vor Gericht, während der Partner die Anklage mit Abstrichen einräumte. Bestritten wird, dass die Freundin an dem dubiosen Handel unter der Hand beteiligt war. Er ist in ihrem Unternehmen angestellt, will gemeinsam mit dem Komplizen und einem gesondert verfolgten Verwandten die Deals besprochen haben.

Die Männer trafen sich zuvor regelmäßig am Stammtisch in einer Kneipe - "aus einer Bierlaune heraus" entstand die Idee, wie das Diebesgut möglichst unauffällig beschafft und weiter verkauft werden sollte, bestätigte der erste Angeklagte.

Zwischenhändler schuldet 320 000 Euro

Auch der Zwischenhändler nannte finanzielle Probleme als Hauptgrund, er habe immense Schulden, in welcher Höhe wisse er nicht einmal, er befinde sich im Insolvenzverfahren. Laut Aktenlage schuldet er seinen Gläubigern rund 320 000 Euro, fragte der vorsitzende Richter Dominik Best genauer nach. "Keine Ahnung, könnte stimmen", lautete die knappe Antwort.

Der vierte Beschuldigte im Bunde bestritt die Vorwürfe. Er habe die Behälter zwar transportiert, ging jedoch nicht von "heißer Ware" aus, teilte der 47-Jährige mit. Damit widerrief er seine polizeiliche Aussage. Denn an dem Tag habe er angeblich falsche Angaben vor der Polizei gemacht und war krank. "Ich hatte Grippe und Fieber und war nicht bei mir", so seine Erklärung. Bislang erscheint die Beweisaufnahme noch lückenhaft.

Um weitere Zeugen laden zu können, wurde die Verhandlung vorerst ausgesetzt und soll nicht vor Juli fortgesetzt werden.


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