Mit Video: 300 wollen sehen, wer der Beste ist

Die drei Sinner Bürgermeisterkandidaten stellen sich der Diskussion
Florian Kämpfer (CDU), Michael Krenos (SPD) und der parteilose Hans-Werner Bender im Gespräch mit dem Dillenburger Redak
Florian Kämpfer (CDU), Michael Krenos (SPD) und der parteilose Hans-Werner Bender im Gespräch mit dem Dillenburger Redaktionsleiter Martin H. Heller. (Foto: Dennis Weber)
Sinner Bürgermeisterkandidaten stellen sich vor

Video: Dennis Weber

Und am Ende war wohl niemand  im Saal, der Florian Kämpfer (CDU),  Michael Krenos (SPD) und dem unabhängigen Bewerber Hans-Werner Bender nicht abnahm, dass es ihnen nach ihrer Wahl am kommenden Sonntag darum geht, "der Stadt Bestes" zu suchen, wie es Bender am Ende der  Diskussion formulierte.

Dass die Redaktion den Sinnern eine "Entscheidungshilfe" beim Urnengang am Sonntag bieten möchte, hatte Redaktionsleiter Martin H. Heller zu Beginn des Abends betont. Ein Angebot, das von den Bürgern auch gerne angenommen wurde, denn der Saal platzte mit weit mehr als 300 Besuchern förmlich aus allen Nähten. Das Bedürfnis der Sinner, Fleisbacher und Edinger, alle  Kandidaten im direkten Vergleich zu erleben, war nicht zu übersehen.

Und die Besucher hatten  großen Informations- wie  Diskussionsbedarf und bekamen im Anschluss an den umfangreichen Themenkomplex, den Heller mit den drei Bewerbern diskutierte,  Gelegenheit, Krenos, Kämpfer und Bender "auf den Zahn zu fühlen".

Doch zunächst hatten die Kandidaten für den Chefsessel in Sinns Rathaus Gelegenheit, sich und  ihre Anliegen  dem Publikum vorzustellen.

Zentraler Punkt seines Programms, verdeutlichte Hans-Werner Bender, sei der Erhalt der Eigenständigkeit der Gemeinde Sinn, der aber  nur dann möglich sei, wenn es gelinge, mehr Gewerbe und Industrie  anzusiedeln.

Eine gute Basis für langfristig bessere Finanzen biete das Gewerbegebiet Fleisbach-Ost, in dem es noch freie Flächen zur Ansiedlung weiterer Firmen gebe. Bender drängte auf eine schnelle Lösung für das ehemalige Haas+Sohn-Gelände, das dringend vermarktet werden müsse. Hier könne er sich einen Mix aus produzierendem Gewerbe und Dienstleistungsunternehmen vorstellen.  Ziel sei ein ausgeglichener Haushalt in sechs Jahren.
Dass daneben aber auch die so genannten "weichen Standortvorteile" der Gemeinde ins Blickfeld gerückt werden müssten, betonte Michael Krenos und  sprach dabei auch die guten Vereinsstrukturen in der Gemeinde an. Der Kandidat der Sozialdemokraten wies  auf die Bedeutung der  guten Grundversorgung mit Ärzten, Geschäften und dem in Kürze zur Verfügung stehenden schnellen Internet hin.

Als Diplom-Finanzwirt verfüge er über  Erfahrung, die der künftige Bürgermeister der Gemeinde benötige, um –  da war sich Krenos  mit seinem unabhängigen Konkurrenten einig – durch das unruhige Fahrwasser der kommenden Jahre zu gelangen und die kommunale Selbstverwaltung Sinns zu sichern. Das gelinge aber nur,  so  Krenos, wenn die Bürger an den Entscheidungen beteiligt würden.

Was er als Politologe und Verwaltungsrechtler an der Gießener Universität studiert habe, wolle er als Rathauschef von der Theorie in der  Praxis umsetzen, erklärte Florian Kämpfer, der als Jüngster im  Bewerber-Trio über die längste kommunalpolitische Erfahrung verfügt. Seit  Jahren sitzt der Christdemokrat in der Gemeindevertretung, war Fraktionsvorsitzender und ist  zurzeit als Beigeordneter  Stellvertreter von Bürgermeister Hubert Koch (SPD).

Kämpfer stellte sich in eine Reihe mit seinen Mitbewerbern, wenn es darum geht, die Eigenständigkeit  Sinns zu erhalten. Allerdings betonte er, dass man schon jetzt keine echte Selbstständigkeit mehr habe, und verwies  auf die prekäre Haushaltslage, die Sinn unter die Kommunalaufsicht geführt habe.

Dass darin aber auch eine Chance liegen könne, lasse sich an  vielen Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit mit  Städten und Gemeinde in der Nachbarschaft festmachen.
Wie könne die Ansiedlung weiterer Unternehmen gelingen, wollte Martin Heller wissen.  Als einen wichtigen Aspekt führte  Bender die Forcierung der Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde ins Feld. Sinner Firmen, die  auf Messen ihre Produkte präsentierten, könnten auf die guten Rahmenbedingungen in Sinn aufmerksam machen. In diesem Zusammenhang nannte er Kindergärten in allen Dörfern, schnelles Internet und die verkehrstechnisch günstige Lage der Gemeinde.

Um Firmen werben und mit anderen Kommunen kooperieren

ansiedeln Auf dem Sektor der interkommunalen Kooperationen sah  Kämpfer Chancen des Mitarbeiteraustauschs zwischen den Verwaltungen.  Auch die gute technische Ausstattung des Sinner Bauhofs könne im Austausch mit  anderen Kommunen genutzt werden.

Weil man mit "Herborn  nur schwer konkurrieren" könne, bot Kämpfer als Alternative die Erschließung eines gemeinsamen Gewerbegebiets an, bei der man  auch die Verkehrsanbindungen verbessern könne.

Dass Sinn auf diesem Sektor  sehr viel geleistet habe, betonte  Krenos und verwies auf das Gewerbegebiet Fleisbach-Ost, das gut etabliert sei. Bender hielt er entgegen, dass es zwar wünschenswert sei,  die "Sinner Hütt'" wieder gewerblich zu beleben, allerdings befinde sich das Gelände im Eigentum einer Holding –  "und für den Erwerb hat die Gemeinde Sinn kein Geld".

Unterm Strich waren die Bewerber hier nicht allzu weit voneinander entfernt.  Das gilt inzwischen auch für ihre Haltung  zum Rettungsschirm des Landes, mit dem die Schuldenlast Sinns  halbiert werden könnte. Allerdings gab es  wegen der hohen Auflagen des Landes unterschiedliche Positionen.

Nachdem Wiesbaden  die Senkung der restlichen Schuldenlast von drei auf sieben Jahre verlängert und die so genannte Giftliste der zu streichenden  Leistungen der Kommunen relativiert hat, kann sich  nach  Bender auch  Krenos mit dem Gedanken anfreunden, Ende des Jahrs nach eingehender Prüfung durch die  Gremien unter den Rettungsschirm zu gehen. "Aber wir dürfen uns nicht zu Tode sparen lassen", betonte Krenos.

Bender machte anhand  farbiger Papprollen auf die Chancen aufmerksam, die der Rettungsschirm bietet. Für ihn sei aber auch klar, dass nach einer  Entscheidung für das Angebot des Landes durch das Parlament Sinns Eigenständigkeit  nicht in Gefahr geraten dürfe. "Eine Fusion kommt für mich nicht in Frage", machte er deutlich.

Zu einem Disput führte eine angebliche Äußerung von  Krenos  bei seinem Besuch des  Fußballclubs BC Sinn. Dort, hielt Bender ihm vor, habe der SPD-Kandidat behauptet, wenn Sinn unter den Rettungsschirm gehe, werde der Sinner Sportplatz verkauft.
Niemand, erwiderte  Krenos, wolle den BC Sinn seiner sportlichen Grundlage berauben. Er verwies fairerweise aber auch auf das aktuelle Haushaltssicherungskonzept, das nur unter diesem Aspekt genehmigt worden sei. Deshalb forderte er seine Konkurrenten auf, den Verantwortlichen des Vereins reinen Wein einzuschenken und mit ihnen gemeinsam nach Alternativen zu suchen.

Zurzeit bestehe nach  Kämpfers Worten  mit dem Verein noch ein  15 Jahre gültiger Pachtvertrag für den Fußballplatz in der Ortsmitte, auf dem sich gerne ein Supermarkt ansiedeln möchte.
Ein Bekenntnis gaben alle drei Bewerber auf Rückfrage aus dem Publikum zur kommunalen Jugendarbeit ab. Andreas Späth wollte wissen, ob dieses Geld nicht besser in die Vereinsarbeit investiert werde. Das gehe schon deshalb nicht, weil gerade problematische Jugendliche, die von den Jugendpflegern betreut würden, nicht in Vereine gingen, erklärte  Kämpfer. Die offene Jugendarbeit, fügte  Krenos hinzu, sei "kein Spaßverein, sondern wichtige soziale Arbeit", deren Erfolge sich oft erst nach Jahren zeigten. "Diese Jugendlichen  passen oft  gar nicht in einen Verein", räumte  Bender  ein.

Wie sie als Bürgermeister mit den nach wie vor steigenden Schulden klar kommen wollten, fragte Günter Biallawons die Kandidaten. Das sei schwierig, gestand  Krenos, "weil wir ein strukturelles Problem haben". Allein die jüngsten Unternehmenssteuerreform  kostete Sinn  rund 700 000 Euro im Jahr.

Dass sich zurzeit noch nicht klar sagen lasse, was es für Sinn bedeutet, wenn die Gemeinde unter den Rettungsschirm flüchtet, ließ  Kämpfer Fragesteller Jochen Adam wissen. Eine Folge könnten höhere Grundsteuern sein. Allerdings habe die Gemeinde mit dem Bau des Feuerwehrgerätehauses, dem Ausbau der Kinderbetreuung und dem neuen Sportplatz in Fleisbach  bereits Investitionen getätigt, die künftig nicht mehr  anstünden, betonte  Bender.
Wenn in  Zukunft die Bürger stärker in die Diskussion eingebunden werden sollten, regte Walter Kraus an, müsse es wieder regelmäßige Bürgerversammlungen geben. Diesem Wunsch standen alle drei Kandidaten offen gegenüber.

Von Rüdiger Geis auf die Möglichkeiten der Energiewende angesprochen, stellte Bender als Freund der Solartechnik klar, dass seine Position sich nicht allein an Mehreinnahmen für den Haushalt festmache, sondern dass er eine komplette Neuausrichtung für wichtig hält. Er schlug vor, dass sich Sinn mangels eigenen Geländes an Windkraftanlagen auf dem Westerwald beteiligt.

Den beiden  Kommunalpolitikern Kämpfer und Krenos hielt Steffen Hedrich vor, viele Probleme in Sinn seien "hausgemacht". Die Position, dass das Sinner Haus der Vereine "so lange wie möglich erhalten" bleibt, vertrat  Krenos auf Nachfrage von Sabine Keller ähnlich wie  Bender, der aber auch darauf hinwies,  dass ähnlich wie bei anderen Projekten – Waldschwimmbad, Sportanlagen – die Nutzer "etwas dafür tun müssen".

Die wohl prägnanteste  Antwort auf die Frage, was Sinn als Wohnort attraktiv mache, erhielt Christine Keller nach den Antworten der Kandidaten  vom Diskussionsleiter: Er sei selbst vor Jahren  nach Sinn gezogen, erklärte Martin Heller, "weil es hier alles gibt, was man zum Leben braucht".

Dem hatten die Kandidaten nichts hinzuzufügen.


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