Mit Video: 400 Gäste feiern "Häijersch Platt"

Gedichte, Lieder und Raterunden bei "Mir schwätze Platt" in Allendorf
Mitklatschen zu Liedern auf Platt: In der Mehrzweckhalle in Allendorf herrschte beste Stimmung. (Fotos: Jung/Heller)
Mitklatschen zu Liedern auf Platt: In der Mehrzweckhalle in Allendorf herrschte beste Stimmung. (Fotos: Jung/Heller)
Ungewöhnliches Musikinstrument: Herbert Blicker entlockte seiner Kaffeekanne einige Melodien.
Ungewöhnliches Musikinstrument: Herbert Blicker entlockte seiner Kaffeekanne einige Melodien.
Ohne Moos nix los: Gisela, Doris und Brigitte Moos sowie Hanne Haas spielten einen lustigen Sketch vom Lukasmarkt.
Ohne Moos nix los: Gisela, Doris und Brigitte Moos sowie Hanne Haas spielten einen lustigen Sketch vom Lukasmarkt.
Edeltraut Janzweert pries leinerne Unterhosen - hervorragend funktional, da unten offen - "weils die Weibsleut immer eil
Edeltraut Janzweert pries leinerne Unterhosen - hervorragend funktional, da unten offen - "weils die Weibsleut immer eilig haben".
Pfiffiger Nachwuchs auf der Haubergsbank:  Linda Moos, Leonie Thielmann und Antonia Weitzel kannten sich mit Uznamen für
Pfiffiger Nachwuchs auf der Haubergsbank: Linda Moos, Leonie Thielmann und Antonia Weitzel kannten sich mit Uznamen für Dörfer gut aus. Margot Weigl assistierte.
Schülerinnen und Schüler der Grundschule in Dillbrecht zeigten, dass man Platt nicht nur sprechen, sondern auch singen k
Schülerinnen und Schüler der Grundschule in Dillbrecht zeigten, dass man Platt nicht nur sprechen, sondern auch singen kann. Dazu gab es gekonnte Bändergymnastik.
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Impressionen

Der Langenaubacher Ronald Lommel, der als plattschwätzender Pfarrer eine gewisse Karriere aufzuweisen hat, gefiel mit Gesang und Gitarrenspiel in "R-Dur". Die Moral von der Geschicht bei dem Lied "D´r Droat no owe": Befier dau planst, freech erscht dej Fra".

Auf einer Wanderung auf dem Rothaarsteig konnten die Gäste Bruno und Margot Weigl, alias "Friedrich un sei Alwinche" begleiten: Nachdem sie den Kalkfelsen "wu dej welle Weiwer hauste" gesehen hatten, überzeugte das Lied "Aubach su schie" aus der Feder von Uwe Peier von den Qualitäten des Orts und lud zum Mitsingen und Mitschunkeln aus. Viel Wissenswertes über die 14 Orte der Großgemeinde Haiger entlang des "Rudhurpedches" erfuhren die Wanderer: In Flammersbach informierte Eberhard Lehr über die einst dort stehende "aale Burk". Einen Ort weiter, in Allendorf, trafen die beiden auf eine "Steckemannfraa", die begeistert von der Jubiläumsfeier erzählte, die dort im Herbst stattfindet. Auf dem "Lauxmaarde" in Haiger erfuhren sie einiges über weitere Ortschaften und ließen sich ihr "Aubacher Viertel" schmecken, das doppelt so groß ist wie anderswo. Das "Venedig von Haiger", Sechshelden, wurde auch besucht. Über ein "Schwawwelcheshaus" verfügt der Ort, dessen Anwohner zwar "fill Probleme, oawwer ach fill Humor" haben.

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Landrat Wolfgang Schuster prüfte derweil den Humor des Haigerer Bürgermeisters: Er berichtete von drei Frauen, die sich vor der Metzgerei Fischbach trafen und mit ihren Männern prahlten. Während die eine einen Ehemann hatte, der als schnellster Lokführer einen ICE mit 280 Stundenkilometern fährt, berichtete die andere von ihrem Mann, dem Piloten, dessen Flieger 950 Sachen schnell fliegt. Den schnellsten Mann hatte aber zweifellos die Frau des Bürgermeisters: "Der hod em finf Auer Feierowend un es im drei schun deham."

"Hören Sie genau hin und lassen Sie sich einstimmen auf die Schönheit und die Sprachstärke des Haigerer Platt", hatte Bürgermeister Zoubek zuvor aufgefordert.

Diese Sprachstärke bewiesen auch die Kinder der Grundschule Dillbrecht: Die Schülerinnen und Schüler der Tanz- und Musik-AG sangen über ihren Schulalltag und über "Oi Offdilln" : "Do wu de Dill entsprengt, do wu mer Lieer singt, do sein asch deham."

Aus der Feder von Gerhard Weitzel stammt ein Gedicht, dass von Reiner Hardt vorgetragen wurde und sich mit den Eigenarten des Weidelbacher Dialektes beschäftigte. Während ein Fremder den Gesprächen Einheimischer in einem Restaurant lauscht, kann er nur vermuten, aus welchem Land diese stammen. Bei "Bie" und "Door" vermutet er eine englische Abstammung, Bodderdong erinnert ihn eher an die niederländische Sprache. Auch französische, polnische und gar chinesische Spracheinschläge glaubt er zu hören. Die Weidelbacher klären ihn am Ende auf: "Dej Sproach, dej kinnt ka Land, ka Stadt. Dej Sproach es Warebeier Platt."

Über die Vorgänge in der Natur, wenn das Frühjahr losgeht, berichtete Doris Moos im Von Harro Schäfer verfassten Gedicht "Et wird Foijoahr, Kothrinche". Die Finken, die Kätzchen, die Jungen und Mädchen, sie alle verspüren das nahende Frühjahr. Bei der Betrachtung seiner Frau "spiern asch barwarsich, Kothrinche, aach de Froihling en mir."

Über den Brauch des Maimanns, der regelmäßig einmal im Frühjahr mit Laub geschmückt wird, hatte der Fellerdillner Günter Boller ein Gedicht verfasst. Wieviel Mühe dies macht, berichtet humorvoll das Reimwerk. Schwierig wird es besonders, wenn der Maimann verlauten lässt: "Asch wern noch verreckt, dej Bloas, dej dreckt. Asch muss mo pisse, dau werst mir helfe misse."

Die Moderation des Plattschwätznachmittages hatte Kulturamtsleiter Andreas Rompf, der "annerschter Platt schwätze det und des nur aus anem Grund: Hee kimmt aus dem Hickegrund".

Gerhard Zoubek, Reiner Hardt, Ursula Weber und Eberhard Lehr hatten keine Mühe damit, die Heimat des Überraschungsgastes zu raten: Es war Aßlars Erster Stadtrat Erhard Peusch. Auch die Rateteams, die Uznamenraten und Übersetzungen von Mundart ins Hochdeutsche zur Aufgabe hatten, machten ihre Aufgabe gut. Schliinplicker, Buhne und Emmercher den Ortschaften zuzuordnen, war auch für das junge Rateteam ein Leichtes. "En klaa Geschicht" zum Thema Ostereier und "Rossemetze" gab Ursula Weber zum Besten. Mit Essen und Diäten beschäftigte sich ein Lied von Ronald Lommel und der Erlebnisbericht "Diätkur", in welchem Esther Rompf vom Leid einer "schun immer Korpulösen" erzählte. In der Kur in "Bad Rappeldürr" waren die Portionen viel zu klein: "Dej Fresserei hon asch selwer zohl mirre. Det naud esse, det bezohlt dej Kass."

Auch "Ein schöner Tag", den Herbert Blicker besang und mit der Kaffeekanne spielte, geht einmal vorbei: Zum Ende zogen die Aktiven des Tages gemeinsam mit Bergmännern in den Saal ein und sagen: "Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt."

Ob die Haigerer das Glück haben, den Mundartwettbewerb zu gewinnen, werden VEMuK und die Mitveranstalter Zeitungsgruppe Lahn-Dill, mittelhessen.de und hr4 beim Hessentag bekannt geben.


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