Mit Video: Handgranate in Spielzeugabteilung

Sprengkörper im Real-Markt/Evakuierung/50 Polizisten auf der Suche
Evakuierung bei Real: Im Supermarkt wurde eine scharfe Handgranate vom Typ M75 (kleines Bild: M75-Variante aus Jugoslawi
Evakuierung bei Real: Im Supermarkt wurde eine scharfe Handgranate vom Typ M75 (kleines Bild: M75-Variante aus Jugoslawien) gefunden. (Archivfotos: Naumann, MoserB/Wikipedia)

Neben ihr steht ihre Kundin, die 26-jährige Nicole Schneider aus Wetzlar. Ihre Haare unter der Mütze sind noch nass. "Es hieß, wir sollen schnell raus. Mehr weiß ich nicht."

Der Parkplatz des Supermarkts füllt sich mit Einsatzkräften. Blaulicht überall. Zwei Sprengstoffspürhunde bellen. Polizisten leiten Autofahrer vom Gelände: "Der Markt bleibt heute geschlossen."

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Gegen 14.45 Uhr hatte der Marktleiter bei der Polizei angerufen, ein Ladendetektiv habe eine Handgranate in der Spielwarenabteilung auf dem Boden gefunden. Eine Streife hatte sie gesichert und ins Freie gebracht. Zunächst war unklar, ob es sich um eine Attrappe handelt. Ein Sprengstoff-Sachverständiger des Landeskriminalamts (LKA) stellt dann aber klar: Es ist eine echte, scharfe Handgranate des Typs M75.

Video: Handgranate im Supermarkt

"Der Supermarkt wird mit 50 Polizisten genauestens durchsucht", sagt Polizeipressesprecher Guido Rehr vor Ort. "Wir wollen ausschließen können, dass sich in den Regalen noch mehr Waffen oder Sprengstoff befindet."

Bei der zweistündigen Durchsuchung wurden aber keine weiteren Gegenstände gefunden. Auch die Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet. "Wir ermitteln wegen versuchten Mordes und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz", sagt Oberstaatsanwalt Uwe Braun.

"Hintergrund der Tat ist noch völlig offen", ergänzt Staatsanwalt Frank Späth. Die Granate wird laut Polizei auf Spuren untersucht, die Überwachungsvideos ausgewertet.

Die Polizei bittet um Hilfe:
- Wer hat das Ablegen der Granate beobachtet?
- Wer kann Angaben zur Identität des Täters oder der Täter machen?
- Wer kann Angaben zur Herkunft der Handgranate machen? Hinweise erbittet die Polizei in Wetzlar unter Tel.: 06441/918-0

Denn auch am Freitagmorgen haben die Ermittler noch keine Spur des Täters. Die Handgranate werde noch von Experten untersucht, teilte ein Polizeibeamter mit. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Uwe Braun sagte: "Wir müssen leider davon ausgehen, dass der Täter Kinder gefährden wollte". Denn diese könnten den gefährlichen Gegenstand nicht einordnen und ihn unbedarft in die Hände nehmen. Die Behörde ermittelt nun wegen versuchten Mordes und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Bereits am Mittwoch war in der Region, auf einem Parkplatz an der Autobahn 45 zwischen Dillenburg und Herborn-West, teils scharfe Panzermunition entdeckt worden. Ob die Funde zusammenhängen, kann nach Angaben des Polizeisprechers noch nicht gesagt werden.
(mit dpa)


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