Mit Video: Routine trotz Schreckensszenario

Großübung am Hunburgturm beschäftigt angehende Rettungsassistenten
Absolut schwindelfrei mussten die Übungsteilnehmer bei der Bergung von "Verletzten" sein. (Foto: Schmidt)
Absolut schwindelfrei mussten die Übungsteilnehmer bei der Bergung von "Verletzten" sein. (Foto: Schmidt)
Großübung

Die "Verletzten" sind perfekt geschminkt: Brandwunden, Platzwunden, eine Durchspießung und sogar ein abgetrennter Arm sind die offensichtlichen Verletzungen, als sich die Komparsen auf ihre Plätze begeben. Um 10.03 Uhr ertönt ein Knall, es werden Rauchgranaten auf dem Turm gezündet – und dann die Feuerwehr alarmiert.

Wenige Minuten später treffen die ersten Fahrzeuge ein, die Feuerwehrleute machen sich ein Bild von der Lage. Erst nach und nach begreifen sie, dass es sich um eine Übung handelt. Dennoch gehen sie professionell zu Werke, versuchen, zum "Brandherd" vorzudringen, fordern weitere Kräfte an.

Nach und nach füllt sich der Parkplatz vor dem Turm: Notärzte,
Rettungswagen, Feuerwehren – auch die Drehleiter aus Kirchhain wird angefordert. Diese kommt jedoch wegen eines "Defekts" nicht zum Einsatz. "Sonst wäre die Übung zu schnell vorbei", erläutert Kreisbrandinspektor Lars Schäfer. Vielmehr wird später die Höhensicherungsgruppe des Landkreises nachgefordert, um die Verletzten vom Turm abzuseilen.

Zunächst muss das "Feuer" gelöscht werden. Dann versuchen die Rettungskräfte, mittels Leitern das defekte Stockwerk im Turm zu überbrücken und zu den Verletzten vorzudringen. Denn diese schreien permanent um Hilfe. Eng ist es auf der Treppe des Turms, Schläuche bilden wahre Stolperfallen, die Opfer verbreiten mit ihrem Geschrei Panik. "Warum dauert das denn so lange, Hilfe, hier bluten Leute" - davon lassen sich die Rettungskräfte jedoch nicht anstecken. Sie bleiben ruhig, verfallen nicht in Hektik und machen routiniert ihren Job. Es scheint als hätten sie vergessen, dass es sich nur um eine Übung handelt.

Während die Retter sich durch den Turm kämpfen, gehen weitere Kameraden gegen den "Waldbrand" vor, den sie aber schnell unter Kontrolle haben.

Die Rettung vom Turm ist da weitaus schwieriger, verdeutlicht Schäfer: "Die besonderen Schwierigkeiten für die Einsatzkräfte sind in erster Linie das Überwinden der Höhenunterschiede für ihr Material, zum Anderen ist es besonders beengt im Turm. Außerdem wurden die Verletzungsmuster so gewählt, dass eine schonende Rettung erforderlich ist."

So werden einige der Verletzten auf speziellen Tragen gesichert und abgeseilt – auch für die zahlreichen Schaulustigen ein Spektakel, das sie wohl nur aus dem Fernsehen kennen.

Ausgedacht und dann in enger Abstimmung mit dem Landkreis und den Feuerwehren organisiert hat sich die Übung Simone Werkmeister. Sie betreibt das Industrieklettern und ist selbst angehende Rettungsassistentin. Da lag das Szenario für sie nahe. Mit dem Ablauf ist sie zufrieden: "Es wurde alles so abgearbeitet, wie ich mir das vorgestellt habe", sagt sie.

Das sieht auch Lars Schäfer so: "Ich bin mit dem Verlauf sehr zufrieden", sagt der Kreisbrandinspektor. "Das ist eine besondere Herausforderung - keine Einsatzkraft wusste heute, was sie erwartet – dass es da an der ein- oder anderen Stelle nicht ganz so schnell geht ist normal, weil das auch besondere Szenarien sind."

Vor allem von den Schaulustigen kamen Kommentare wie: "Das dauert aber ganz schön lange." Dazu sagt Kreisbrandmeister Stephan Schienbein: "Es hat in der Tat lange gedauert – aber nicht zu lange. Wir dürfen nicht dem Irrtum unterliegen, dass das wie in der Vorabendserie alles in 45 Minuten erledigt ist, denn es war eine sehr komplexe Lage."


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