Mit Video: Teka macht Werk dicht

Gesellschafter verkünden Schließung
(Foto: K. Weber)
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"Wie fühlt man sich als Vernichter von Arbeitsplätzen" – gemeint ist die Teka-Geschäftsführung: Einige Teka-Beschäftige
"Wie fühlt man sich als Vernichter von Arbeitsplätzen" – gemeint ist die Teka-Geschäftsführung: Einige Teka-Beschäftige treffen sich nach der Betriebsversammlung zum stillen Protest vor dem Werkstor. (Foto: K. Weber)
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Der Teka-Konzern hat seinen Ursprung in Sechshelden. Dort gründete 1924  Karl Thielmann  einen Handwerksbetrieb, der Schlosser- und Schmiedearbeiten ausführte und sich auf die Verarbeitung von Edelstahl spezialisierte. Aus den Namen der beiden früheren Gesellschafter Thielmann und Klein wurde nach Firmenangaben  1957 die Marke Teka.

Teka-Aus

Die Mitarbeiter in Sechshelden wurden am Dienstag gegen 11 Uhr während einer Betriebsversammlung von ihrem Geschäftsführer Dieter Robbers über die geplante Schließung informiert.

"Die Stimmung war natürlich betrübt", erzählt Walter Schäfer, er arbeitet seit 24 Jahren bei Teka. Wie es jetzt weiter gehe, wisse er nicht. "Wir müssen abwarten. Erst wenn wir eine Kündigung in der Hand haben, können wir zum Arbeitsamt."
Friedhelm Seibert berichtet: "Wir haben viele Ältere hier, ich selbst bin 56 und arbeite seit 32 Jahren bei Teka – wo soll ich jetzt noch hin?"  Er fühlt sich "verhöhnt", wegen der Art und Weise, wie die Geschäftsführung mit der Belegschaft umgehe. Und am Freitag habe der scheidende Konzern-Chef Dr. Klaus Graf einen Zettel im Betrieb aushängen lassen. Er habe sich für die Unterstützung in den vergangenen 48 Jahren bedankt, für die Mitarbeit, das Engagement und auch die "Entbehrung der Stunden durch die Familien".  Einen Tag vorher habe die Gesellschafterversammlung die Schließung des Standorts in Sechshelden beschlossen. Seiberts Kommentar: "Es ist enttäuschend, wie menschenverachtend mit einem umgegangen wird."

Ein anderer Mitarbeiter schimpft: "Wir haben noch keine Klarheit, wir wissen noch nicht, wann geschlossen wird." Auch Betriebsratsvorsitzender Waldemar Mayer und der Herborner IG-Metall-Vertreter Hans-Peter Wieth bestätigen im Anschluss an die Versammlung in einer Pressekonferenz vor dem Werkstor: Über Zeiträume sei nichts gesagt worden.

Teka-Sprecherin Prüsch erklärte gegenüber mittelhessen.de: "Die Liquidation wird sich über einen Zeitraum von Minimum einem Jahr erstrecken." Bis zur Auflösung der GmbH könne es durchaus auch zwei oder drei Jahre dauern. Liquidator ist der Berliner Unternehmensberater und Rechtsanwalt Dr. Stefan Weniger.

"Ich  bin 56 und arbeite seit 32 Jahren bei Teka – wo soll ich jetzt noch hin?"

In der Pressemitteilung des Unternehmens heißt es: "Er  wird sich um die stufenweise Schließung  der Produktion, die Abwicklung der laufenden Geschäfte  und letztendlich um die Auflösung der GmbH kümmern." Dabei werde er von Teka-Küchentechnik-Geschäftsführer Dieter Robbers unterstützt.

Sie sollen Aufträge abarbeiten, Verbindlichkeiten tilgen und Forderungen eintreiben. "Es ist auch noch Geld zur Tilgung der Verbindlichkeiten vorhanden", sagte Prüsch. Sie widersprach damit auch Gerüchten, Teka versuche in Sechshelden mit einer Liquidation eine Insolvenz zu umgehen beziehungsweise habe bereits die Insolvenz verschleppt ("Da ist nichts dran"). Kripo in Wetzlar und Dillenburg sowie die zuständige Staatsanwaltschaft in Limburg konnten das gestern bekräftigen: Bei ihnen sei kein Ermittlungsverfahren wegen Insolvenzverschleppung bei Teka bekannt.

Die Standortschließung wird vom Konzern als Teil einer "strategischen Neuausrichtung der Gruppe" dargestellt. Ein weiterer Teil: Die Teka-Tochter "Küppersbusch Haushaltsgeräte" in Gelsenkirchen solle zur "Premiummarke" ausgebaut werden.

Laut der Teka-Sprecherin hat die Geschäftsführung bereits Verhandlungen mit dem Sechsheldener Betriebsrat über einen Sozialplan begonnen. Zurzeit würden die 194 Mitarbeiter "normal weiter arbeiten".

Das haben die am Dienstag anders gesehen. Nach der Betriebsversammlung nahmen die Beschäftigten die Arbeit nicht wieder auf. Betriebsratsvorsitzender Waldemar Mayer sagte: "Die Unfallgefahr ist zu groß." Die Mitarbeiter seien mit ihren Gedanken woanders. Arbeiten sie am Mittwoch wieder? "Mit welcher Intensität, das werden wir sehen."
Ende Februar erfuhr die Belegschaft erstmals von Schließungs-Plänen. Zum 30. September solle das Werk dicht gemacht werden, hieß es damals. Seitdem protestierten sie mit einer Mahnwache vor dem Werkstor und konnten Verhandlungen über die Zukunft des Werks erreichen.

In dem Internet-Netzwerk Facebook gründeten sie eine Gruppe "Kampf um Arbeitsplätze bei Teka in Sechshelden", ihr gehören inzwischen rund 4000 Mitglieder an.
Ende April hatten die Teka-Mitarbeiter in Sechshelden noch einmal Hoffnung geschöpft. Damals unterschrieben Geschäftsführung und Betriebsrat eine Vereinbarung, Inhalt: "Zur Sicherung der Arbeitsplätze" sollte das Lager in Sechshelden ausgebaut werden. So war der Plan.


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