Mit Videos: Ohne Bürger klappt die Wende nicht

Holzhäuser "Energiegipfel" bleibt in sachlichen Bahnen / RP und Landrat wollen vermitteln
Sie stellten sich im Bürgerhaus in Holzhausen den Fragen der Bürger (v. l.): Landrat Robert Fischbach, Regierungspräside
Sie stellten sich im Bürgerhaus in Holzhausen den Fragen der Bürger (v. l.): Landrat Robert Fischbach, Regierungspräsident Lars Witteck, Bad Endbachs Bürgermeister Markus Schäfer, Moderator Gerd Raach, Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt und Reinhold Leinweber von der Bürgerinitiative Holzhausen. (Foto: Tietz)
Ornithologe Martin Kraft sorgt sich um geschützte Vogelarten und deren Brutplätze am Hilsberg. (Foto: Tietz)
Ornithologe Martin Kraft sorgt sich um geschützte Vogelarten und deren Brutplätze am Hilsberg. (Foto: Tietz)
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Bürgerinitiative Holzhausen

Video: Dennis Weber

Zu Beginn der Debatte ging Regierungspräsident Lars Witteck auf den Ablauf und den Inhalt des Genehmigungsverfahrens für den Windpark ein. Die Gemeinde Bad Endbach hat den Bauantrag gestellt, der nun beim RP geprüft wird. "Nicht alle geplanten Standorte sind unproblematisch", sagte Witteck und verwies auf dem Altbuchenbestand am Hilsberg. Biotope würde es dort allerdings nicht geben. Angesichts der Höhe der geplanten Windräder (186 Meter) und der dafür vorgesehenen gesetzlichen Vorgaben kann laut Witteck von "keiner erdrückenden Wirkung" für Holzhausen ausgegangen werden.

Markus Schäfer: Belastungen sollen im Rahmen des Erträglichen bleiben

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Bad Endbachs Bürgermeister Markus Schäfer

Video: Dennis Weber

Dass der Windpark "in gewisser Weise eine Belastung" bedeute, gestand Bad Endbachs Bürgermeister Markus Schäfer ein. "Wir wollen Ihnen nichts zumuten, was nicht im Rahmen des tatsächlich Erträglichen liegt", sagte er.

Energie werde in Deutschland über kurz oder lang zum Luxusgut. Deshalb habe er es sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung mit einem regional erzeugten Strom zu versorgen.

Befürchtungen, der Windpark könne zu einer negativen Wertentwicklung der Wohnhäuser oder gar zum Wegzug von großen Teilen der Bevölkerung beitragen, wies Schäfer zurück: In Bottenhorn sei das Leben nicht lebensunwert, nur weil dort Anlagen knapp 600 Meter vom Ort entfernt liegen.

Regierungspräsident Lars Witteck

Video: Dennis Weber

Reinhold Leinweber dankte allen Unterstützern der Bürgerinitiative (BI) Holzhausen: "Mittlerweile sind wir über 1000." Sie wollten alle rechtlichen Möglichkeiten zum Schutz von Mensch und Natur ergreifen. Leinweber sprach von "deutlichen Fehlern in allen Bereichen" des bisherigen Genehmigungsverfahrens. Aus seiner Sicht kommt der Windpark am Hilsberg einer Versuchsanlage gleich. Denn die Windräder der neuen Generation würden sich noch in der Entwicklungsphase befinden. Der Sprecher der BI bat Witteck, die von der Gemeinde Bad Endbach beantrage vorzeitige Rodung der Bäume auf dem Hilsberg und den Baubeginn zu untersagen sowie den Bauantrag zurückzuweisen.

Eine Verlegung der Standorte und technische Verbesserungen mahnte auch Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt an. Erst im Januar 2011 sei die Gemeinde über die Pläne der Nachbarn detailliert informiert worden. Unter anderem wegen naturschutzrechtlicher Bedenken und weil nicht ausreichend nach Alternativstandort gesucht worden sei, habe Dautphetal den Standort am Hilsberg abgelehnt.

"Ich hätte es gut gefunden, wenn die drei Gemeinden Bad Endbach, Dautphetal und Gladenbach sich zusammengetan hätten, um die Windfläche am Hilsberg gemeinsam zu nutzen", sagte Landrat Robert Fischbach. Er bedauerte es, dass der Gladenbacher Bürgermeister an diesem Abend nicht an der Informationsveranstaltung teilgenommen hat. An die Adresse der Bad Endbacher sagte er: "Die Belastungen für diesen Windpark tragen alleine die Holzhäuser." Fischbach appellierte an die Gemeinde Bad Endbach, über eine Verschiebung der Standorte um 100 bis 200 Meter in Richtung Bottenhorn nachzudenken.

Nachfragen zum Bauvorhaben gab es in der anschließenden Diskussion nur wenige. Die Gegner des Windparks gingen vielmehr in ihren Meinungsäußerungen noch einmal detaillierter auf einige ihrer größten Bedenken und Ängste ein. So merkte Walter Debus an, dass die Technik der neuen Windräder-Generation noch "Zeit zum Reifen" brauche. Er habe das Gefühl, das bei dem Vorhaben der Gemeinde Bad Endbach die Wirtschaftlichkeit an erster Stelle stehe. "Diese Vorgehensweise zerreißt die Region", so Debus. Mit einem anderen Weg hätte man die Akzeptanz für Windkraft schaffen können.

Gerd Raach: "Die Tür für eine Lösung ist noch nicht ganz zugeschlagen"

"Über 1000 Bürger haben Bedenken gegen diesen Windpark - dies kann man doch nicht in die Wind schicken", sagte Charly Mutschler. Er sieht auf die Bürger eine "erhebliche Gefährdung" durch die Schalleinwirkung zukommen. Aus seiner Sicht liegt ein fehlerhaftes Schallgutachen vor. Er befürchtet, dass die Windräder mit einem Rotordurchmesser von 101 Metern Lärm verursachen werden.

<box_help>Mutschler verglich dies mit einem Düsenjäger-Geräusch: "Das ist wie ein ankommendes Flugzeug, das leider nicht landet." Namens der Bürgerinitiative forderte er, dass Windräder einen Abstand von 2,5 bis 3 Kilometer zur Wohnbebauung haben sollen. Möglich wäre dies in einem interkommunalen Industriepark - weit ab von Besiedlung. Der Windpark solle nicht nach Bottenhorn oder Steinperf verschoben werden.

Dieter Jurkat setzt sich für Windräder an "ökologisch vertretbaren Standorten" ein. Deshalb lautete seine Forderung: "Gehen sie aus Wäldern raus!" Diesem Ansinnen widersprach jedoch der Landrat: Wenn es künftig Windräder nur noch auf Ackerflächen und zwei Kilometer von der Bebauung entfernt geben soll, dann gäbe es keine Windkraftanlagen im Landkreis mehr.

Der Ornithologe Martin Kraft sorgt sich um die geschützte Vogelarten und deren Brutplätze im Bereich des Hilsbergs. Ein weiteres Problem sieht er auf den Vogelzug zukommen. Windräder sollten niemals quer - so wie in Bottenhorn geplant - zur Vogelzugrichtung gebaut werden.

Bärbel Bastian rief die Verantwortlichen der Gemeinde Bad Endbach dazu auf, die Ängste der Bürger ernst zu nehmen und alternative Standorte zu prüfen. Auf diese Weise könnten auch die möglichen Gefahren durch den Infraschall (tiefe, nicht hörbare Frequenzen) minimiert werden.

"Die Tür für Lösungsmöglichkeiten ist noch nicht ganz zugeschlagen. Wir sollten den Dialog noch einmal aufnehmen", lautete der Appell von Gerd Raach an alle Beteiligten.

Dieser ist erhört worden. Witteck und Fischbach wollen in der Frage des Standorts ein Mediationsverfahren initiieren. Daran sollen alle Beteiligten - also die Gemeinden Bad Endbach und Dautphetal sowie die Bürgerinitiative - mitwirken.

"Wir müssen die Menschen mitnehmen, wenn wir die Energiewende schaffen wollen!", teilten der Regierungspräsident und der Landrat am Mittwoch mit. Die Betroffenen und Beteiligten sollten für Gespräche an einen Tisch geholt werden. In der Mediation gehe es darum, für alle eine akzeptable Lösung zu finden.

Laut Fischbach haben die Bürgermeister Schäfer und Schmidt diesen Vorschlag positiv aufgenommen und ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, sich dort einzubringen. Auch für die Bürgerinitiative begrüßte Reinhold Leinweber diese Initiative.


 

 

Forderungen aus Dautphetal

Bürgermeister Markus Schäfer kündigte an, dass sich das Bad Endbacher  Parlament in seiner nächsten Sitzung am 6. Februar mit der Resolution der politischen Gremien aus Dautphetal beschäftigen und darüber abstimmen wird. Darin wird die Nachbargemeinde Bad Endbach aufgefordert,

 

    • den Abstand der Windkraftanlagen vom Dautphetaler Ortsteil Holzhausen ich zu vergrößern

 

    • "technische Vorkehrungen zur Reduzierung der
      Schallleistungspegel und der Schattenwurfbelastung zu treffen

 

    • Eiswurf in der Nähe der Anlagen zu verhindern

 

    • die uneingeschränkte und ungefährliche Nutzung des Höhenwegs als Wanderweg oder Loipe sicherzustellen.

 


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