Mit Videos: Wos en schiene Onnern!

Plattschwätz-Veranstaltung in Eibelshausen war Riesenerfolg
Plattschwätzer-Sketch: Da der Pfarrer (Winfried Krüger) kein Gemüse mehr im Garten hatte, gab Zoffie (Christa Saalbach,
Plattschwätzer-Sketch: Da der Pfarrer (Winfried Krüger) kein Gemüse mehr im Garten hatte, gab Zoffie (Christa Saalbach, rechts) ihm etwas ab.
Riesenstimmung beim "Rrrollenden Rrr" in Eibelshausen: Begeistert sang und "fuhr" das Publikum beim "Fäägmeel"-Lied mit
Riesenstimmung beim "Rrrollenden Rrr" in Eibelshausen: Begeistert sang und "fuhr" das Publikum beim "Fäägmeel"-Lied mit die "Rolltrepp eroab" und "enuff".(Fotos: Jung)
Machten  Werbung für die Heimat: (von links) Hilde Schmitt, Horst Holighaus, Eschenburgs Bürgermeister Götz Konrad, Hein
Machten Werbung für die Heimat: (von links) Hilde Schmitt, Horst Holighaus, Eschenburgs Bürgermeister Götz Konrad, Heinz Blöcher, Erhard Reh und Bärbel Leicht.
Spontan-Dirigent: Stephan Urbanski vor der echten "Fäägmeel",  während alle gemeinsam Mundartlieder der Gruppe sangen.
Spontan-Dirigent: Stephan Urbanski vor der echten "Fäägmeel", während alle gemeinsam Mundartlieder der Gruppe sangen.
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Wer bei der Veranstaltung am Sonntag des heimischen Dialektes nicht mächtig war, dürfte sich gefühlt haben wie ein Preuße in Bayern. Denn "plattschwätze" war Pflicht. Bürgermeister Götz Konrad grüßte die weit über 200 Anwesenden mit einem kurzen und höflichen "Goure".

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Da die Plätze nicht ausreichten, empfahl er "zesommezerecke" oder "mir murre ärrern" (wir müssen stapeln). Die heimische Mundart sei eine Sprache mit "Zwielaute, däi mer gor nit schreiwe kann" und deshalb gelte das gesprochene Wort. Landrat Wolfgang Schuster war beim "Gedeh" auch dabei und wünschte allen Beteiligten einen "schiene Onnern".

Impressionen

Unter den Augen der Jury mussten die Plattschwätzer sechs Pflicht- und eine Küraufgabe bewältigen. Bei einer Aufgabe musste ein Rate-Team Begriffe aus dem Dialekt ins Hochdeutsche übersetzen - was sich leichter anhört, als es ist. Was beispielsweise sind ein "Teffte", ein "Gulbsch" und ein "Wouwl"? Da geriet auch das Publikum ins Mitraten. Vorsagen war zwar nicht erlaubt, aber "Fierpispele" ging auch.

Nur Schwestern mit Vornamen, die mit "S" beginnen, hatte Zoffie (Christa Saalbach), die wusste, wie sie an "Billich Gemois" kommt: "s Lisbeth" und "s Anna" hießen die Schwestern, aber da kein "Brourer" vorhanden war, beschloss Zoffie, den Pfarrer als ihren Bruder anzusehen. Der sagte ohnehin immer, dass sie zu einer Familie gehörten.

Der Wald bebt, weil dort "13 welle Weiwer mit Stecke laafe därre"

Auch dieser Sketch galt als Pflichtaufgabe. Mit viel Sprachwitz zeigten die Akteure ihr schauspielerisches Können. Aus "Bruders" Garten holte sich Zoffie ihr Gemüse, wie sie der Nachbarin Lisbeth (Hilde Schmitt) erklärte. Ganz schön dreist war Zoffie, als der Pfarrer (Winfried Krüger) vorbeischaute und klagte, dass sein letzter Kohlkopf verschwunden sei und sie bat, ihm zu helfen, den Gemüsedieb zu fangen. Kurzerhand bot sie ihm seinen eigenen Kohlkopf für das Mittagessen an: "Ach ho noch genunk Wersching, Miern, Erwese und Sellerie."

Zwischen den einzelnen Aufgaben spielte das "Donnerbalkegewörrer" bekannte Lieder der Mundartgruppe "Fäägmeel", die die Zuschauer aus voller Kehle mitsangen. Auch eine "leibhaftige Fäägmeel" stand als originelle Dekoration in Bühnennähe, eine Leihgabe aus dem Heimatmuseum, dessen Förderkreis auch die Dekoration liebevoll und stilecht gestaltete.

Wer ob des vielen Singens, Klatschens und Schunkelns hungrig und durstig wurde, der konnte sich mit "Schobbe, Raboll en anner Werk" stärken. Der Förderverein des Schwimmbads versorgte die Gäste bestens. 610 Euro kamen so als Spende für den Erhalt des Bades zusammen.

Als weitere Aufgabe galt es, selbstgeschriebenen Mundartgedichte vorzutragen. Eine Art Liebesgedicht für ihr Heimatdorf Eibelshausen hatte Marlis Landsberger verfasst. "Kinder, Kinder" hieß das Gereimte von Heinz Blöcher, das klarmachte, warum es früher so viele Kinder gab: Nach Betrachtungen über die Bettstätten der damaligen Zeit, in der noch keine Fernseher andere Beschäftigungen behinderte, kam Blöcher zu dem Schluss: "En Ärrwel Kenn wor immer e Plus".

"Wölle Soi" vermutete Erhard Reh im Wald, als er dort mit dem "Fichtemopped" arbeitete. Doch - anders als gedacht - waren es "13 welle Weiwer aus Eierschhause, dej med de Stecke laafe därre" und so für das enorme Zittern des Waldbodens sorgten.

Und alle im Saal waren sich einig: "Hau gieh mer wearrer goar naut mieh"

Weitere Rätsel und Aufgaben bewältigten die Eschenburger bravourös, bevor mit der Küraufgabe das Finale erreicht war. Hier gaben die Plattschwätzer noch mal mächtig "Gürdel", fuhren mit dem "Donnerbalkegewörrer" (eigentlich "Chairwalk Acoustics") die "Rolltrepp eroab", bewunderten die "Rure-Roiwe-Roppmaschin" und waren sich einig: "Hau gieh mer wearrer goar naut mieh hoam".

Zwischen den Liedern wurde die "Porzellan-Krankheit" der eingebildeten Kranken Luise Russ aufs Korn genommen: "Dei hoat namie alle Kebbscher em Schrank" und die "Hennerlänner Spennstobb, die als lebendige Bühnendekoration die Veranstaltung bereicherte, stellte sich vor.

Stefan Urbanski kam als Flüchtlingskind nach Eibelshausen. Wie er diesen "Kulturschock" verkraftete und lieber "e Steck Brud als en Dong" aß, davon berichtete er in witziger Weise in erstaunlich gut vorgetragener Mundart.

Auch die Anekdote von dem fleißigen Lehrling, der seinen Meister Karl immer wieder mit der Frage nervte: "Wos soll asch da etz dou?", sorgte für Lachtränen bei den Zuhörern. Den genervten Tipp des Meisters: "Gie noff und hing de Arsch zom Fiester raus", beherzigte der gehorsame Lehrling. "Gemoje Karl" wurde er daraufhin von Vorübergehenden begrüßt.

Marlit Hoffmann, die Vorsitzende des Vereins für die Erhaltung mittelhessischer Mundart und Kultur (VEMuK), die den Plattschwätzwettbewerb initiiert hatte, befand, dass die Eschenburger die Messlatte des Wettbewerbes ganz schön hochgehängt hätten. Nun sei sie "neuschierisch of dej Annern". Den genauen Punktestand, denn die Plattschwätzer am Sonntag erreicht hatten, will sie erst am Hessentag bekanntgeben: "Fierm Hessedoag erfoart ihr goar naut."

Die nächste Station des "rrrollenden Rrr" ist am 24. März Aßlar. Beginn ist dann um 19.30 Uhr in der Stadthalle.


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