Mit "Waterloo" zum triumphalen Sieg

GESANGSWETTBEWERB Schwedische Popband ABBA schrieb Musikgeschichte

So fing alles an: Die Mitglieder der schwedischen Popgruppe ABBA, (v.l.) Benny Andersson, Anni-Frid Lyngstad, Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus, nach ihrem Sieg beim Grand Prix d’Eurovision am 6. April 1974 in Brighton. (Foto: dpa)

"Bubi" Heilemann in Limburg. Dort traf er seinen Trauzeugen, Neue-Deutsche-Welle-Star Markus Mörl ("Ich geb Gas, ich will Spaß"), der in Bad Camberg lebt. (Foto: Martina Mörl)

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Damals gewannen Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid - kurz: ABBA - den Grand Prix d’Eurovision de la Chanson, wie der Wettbewerb einst genannt wurde, im britischen Brighton mit ihrem Song "Waterloo". 40 Jahre später hat ABBA längst Popgeschichte geschrieben, Lieder wie "Mamma Mia", "Dancing Queen", "The Winner takes it all", "Thank you for the Music", "SOS" und eben "Waterloo" kennt heute noch jedermann.

Kaum eine Popband hat die internationale Musikwelt so beeinflusst und beschäftigt wie ABBA. Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad waren schon vor der ABBA-Gründung 1972 Solo-Stars in Schweden. Doch mit ihrem Grand-Prix-Sieg 1974 begann ihre Weltkarriere.

Einer der ganz nah dran war beim Grand-Prix-Erfolg war Wolfgang "Bubi" Heilemann. Er war damals als Fotograf der Jugendzeitschrift "Bravo" unterwegs und verfolgte schon im Vorfeld des Gesangswettbewerbs in Brighton die Proben der Künstler. Schon da gefielen ihm die vier Schweden besonders. "Zwei süße Mädels und zwei süße Jungs. Die waren etwas fürs Auge und somit toll zu fotografieren", erzählt Heilemann im Gespräch mit dieser Zeitung. Besonders angetan war der Star-Fotograf nach der Kostümprobe, als er die "tierisch guten" Klamotten von Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid sah. Er schnappte sich die vier Schweden, um sie vor dem Veranstaltungszentrum "Brighton Dome" abzulichten. Und dabei kam es auch zu einer denkwürdigen Wette. Heilemann wettete mit ABBA um eine Flasche Champagner, dass diese den Grand Prix gewinnen würden. Die "ziemlich zurückhaltenden" Schweden glaubten ebenso wenig an einen Sieg wie die Journalisten, die die Proben im Auditorium verfolgten. "Es war schließlich ein Chanson-Wettbewerb. Niemals zuvor hatte eine Popband gewonnen", erzählt "Bubi" Heilemann. Als ABBA aber dann am Abend des Grand-Prix als Sieger auf der Bühne stand, hatte auch Heilemann allen Grund zum Strahlen. Vor der Bühnen drängten sich nun die Fotografen und Fernsehteams. "Doch ABBA guckten brav in meine Kamera", erinnert sich der Fotograf aus München. "Ich war schließlich der Typ, der den Sieg vorausgesagt hatte." Die erste Begegnung mit ABBA bezeichnet er denn auch als "nettes Entrée". Am 18. Mai 1974 fuhr Wolfgang Heilemann dann mit einem Volvo in den belgischen Ort Waterloo, wo die Band einen werbewirksamen Triumphzug durch den Ort unternahm. Da hatten Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid den "Bravo"-Fotografen schon "als Maskottchen verinnerlicht". Und so gibt es auch kaum jemanden, dem die vier so viele Einblicke gewährt haben wie Wolfgang "Bubi" Heilemann. Er durfte die Sängerinnen auch ungeschminkt fotografieren. Und die Band stimmte einer Home-Story im Sommer 1974 in Schweden zu. In Vallentuna, dem Vorort von Stockholm, erlebte der Starfotograf die beiden Paare dann hautnah und sehr privat. Auch in den folgenden Jahren kam Heilemann oft mit ins Studio und zu Videodrehs, und ist somit einer der wichtigsten Zeitzeugen, wenn es um das Phänomen ABBA geht. Ein Lieblingsmotiv unter seinen ABBA-Bildern hat Heilemann nicht. Am spektakulärsten sei aber sicherlich das Nackt-Shooting gewesen, bei dem er die Bandmitglieder in Silberfolie einwickelte. Einen Einblick in sein umfangreiches Fotoarchiv gibt Heilemann im Internet unter www.rockfoto.de. Als Fotograf lichtete Heilemann auch viele weitere große Stars seiner Zeit ab. Er produzierte 250 Titelblätter, zahlreiche Folgen des legendären Bravo-Starschnitts und unzählige Poster, die die Wände von Millionen Jugendzimmern zierten.

Star-Fotograf Heilemann pflegt zu der Band heute noch enge Kontakte

Zu vielen bekannten Künstlern, auch zu den Mitgliedern der Gruppe ABBA pflegt er noch heute enge Kontakte. Zuletzt habe er Björn, zu dem er einen besonders guten Draht hat, und Frida bei einer Party zum "Waterloo"-Jubiläum in London getroffen. "Frida hat sich riesig gefreut, mich wiederzusehen. Ich war es schließlich, der ihr ihren Vater vorgestellt hat. Damals war Frida schon 38 Jahre alt", berichtet Heilemann. Nur die inzwischen vierfache Großmutter Agnetha lebe heute ziemlich abgeschieden auf einer Insel und halte sich von allem fern.

Nach vielen turbulenten Jahren genießen Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid ansonsten ihr Leben heute als lebende Legenden. Aus der Mode kommt ABBA noch lange nicht. Das Musical "Mamma Mia", das sich aus bekannten Musikstücken von ABBA zusammensetzt und von Benny Andersson und Björn Ulvaeus komponiert wurde, zählt derzeit zu den weltweit erfolgreichsten Musicals. In Deutschland ist "Mamma Mia" im Stage Palladium Theater in Stuttgart zu sehen. Das 1992 veröffentlichte Best-of-Album "ABBA Gold" gehört zu den weltweit erfolgreichsten Alben. Und im übrigen verkauft ABBA auch heute, 32 Jahre nach der Trennung, noch 3000 Tonträger am Tag. Selbst aktuell angesagte Stars können von solchen Zahlen wohl nur träumen.


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