Mit dem Smartphone in eine Ersatzwelt

Dillenburg. Dass die übermäßige Fixierung auf soziale Netzwerke nicht zu mehr sozialen Kontakten und zu mehr Freunden führt, sondern im Gegenteil zu Einsamkeit und Verlust von sozialer Einbindung, veranschaulichte auf eindringliche und spannende Weise ein Theaterstück des Weimarer Kulturexpress‘ den 7. Klassen der Wilhelm-von-Oranien-Schule und den 8. Klassen des Johanneum Gymnasiums. Als Jules Mutter ihrer Tochter zum Geburtstag das lang ersehnte Smartphone schenkt, ahnt sie nicht, welche Katastrophe sie damit auslöst. Jule wird Mitglied in allen sozialen Netzwerken und Plattformen. Die positiven Reaktionen auf ihre Postings und die vielen Likes machen Jule Freude und stärken ihr Selbstwertgefühl. Doch weil sie bald nur noch im Internet unterwegs ist, hat sie keine Zeit mehr für die Freunde im realen Leben und isoliert sich mehr und mehr. Auch aus ihrer Band wird sie ausgeschlossen und die Beziehung zu ihrer Mutter wird immer schlechter, weil Jule nur noch auf ihr Smartphone starrt. Nach einem heftigen Streit über die enormen Kosten von Downloads und Abos zieht die Mutter die Notbremse. Durch eine Therapie findet Jule wieder den Weg ins wirkliche Leben mit echten sozialen Kontakten. Das von den beiden Schauspielerinnen kompetent und engagiert geleitete Nachgespräch zeigte, dass die Schüler bereits über eine Menge eigener Erfahrungen im Umgang mit Smartphones und sozialen Netzwerken haben.

Das im Theaterstück aufgezeigte Suchtpotenzial ist den Schülern genauso bekannt wie die Probleme mit unerwarteten Kosten oder die Gefahren, die aufgrund unkontrolliert verbreiteter Fotos entstehen können. Viele der Aspekte werden weiter in der unterrichtlichen Arbeit vertieft werden. Text: Andreas Hegeling.


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