Mit neuen Linsen brillenfrei leben

TELEFONAKTION Augenchirurg Professor Walter Sekundo berät Leser am Redaktionstelefon

Ein 40-jähriger Anrufer aus Haiger soll an einem Auge am grauen Star operiert werden. Das zweite, gesunde Auge ist mit drei Dioptrien kurzsichtig. Ist es sinnvoll, das zu operierende Auge wieder auf normales Sehen einstellen zu lassen, fragt er.

"Das müssen Sie selbst ausprobieren", rät ihm der erfahrene Augenspezialist. "Sie können es mithilfe einer Kontaktlinse im Auge ausprobieren." Den meisten Menschen sei allerdings ein Unterschied von drei Dioptrien zwischen den Augen zu viel und sie bekämen Schwindel. "Aber drei Viertel bis eine Dioptrien Unterschied vertragen die meisten Menschen. Das kann man dann einrichten."

Ein 75-Jähriger aus Weilmünster hat auf beiden Augen grauen Star. Soll er sich bei der Operation Multifokal-Linsen einsetzen lassen oder monofokale, fragt er.

Das komme auf seine Ansprüche und Gewohnheiten an, erklärt Professor Sekundo. "Es gibt heute sogar trifokale Linsen, die auch den mittleren Bereich abdecken, der für den Bildschirm wichtig ist. Auch eine Kombination mit torischen Linsen, die eine Hornhautverkrümmung ausgleichen, ist mittlerweile möglich."

Für solche technisch hoch anspruchsvollen Linsen sei natürlich die Zuzahlung sehr viel höher, warnt der Spezialist. "Für eine gute Linse müssen Sie mit bis zu 980 Euro rechnen."

Die höheren Kosten hätten nicht nur mit den technisch aufwendigen Linsen zu tun, so Professor Sekundo. "Die Vermessung der Augen ist ebenfalls sehr viel aufwendiger."

Ob er bei diesen Linsen mit Problemen wie Schwindel rechnen müsse, möchte der Anrufer noch wissen.

"Nein, das kommt bei solchen Linsen eher nicht vor. Sie sind im Gegenteil eine gute Alternative für Menschen, die eine Gleitsichtbrille nicht so gut vertragen", sagt der Professor.

Was denn das Neue sei an den neuen Linsen, möchte ein 72-jähriger Weilburger wissen, der sich bald das zweite Auge operieren lassen möchte. Sei die Operation durch die neue Technik ebenfalls anders?

Bei multifokalen Linsen muss die Lichtstärke unter die Brennweiten aufgeteilt werden

Neben den trifokalen Linsen und der nun möglichen Kombination mit einer Korrektur für die Hornhautverkrümmung gebe es neuerdings auch Implantatlinsen mit einem verlängerten Fokus, berichtet Professor Sekundo. "Das ist für Leute wichtig, die nachts viel Auto fahren. Bei Multifokallinsen kann die Lichtbrechung einen "Heiligenschein" um Lichtquellen erzeugen. Das passiert mit diesen Linsen weniger, aber Sie brauchen dazu eine Lesebrille." An der Operation habe sich durch die neuen Linsen nichts geändert.

Er komme mit einer Gleitsichtbrille für Nähe und mittleren Bereich gut zurecht, sagt ein 80-jähriger Braunfelser. Reiche dann eine monofokale Linse für die anstehende Staroperation?

"Wenn Sie mit der Brille gut leben können, ist eine monofokale Linse für Sie die optimale Lösung. Damit haben Sie die beste Lichtausbeute", sagt der Spezialist. "Bei trifokalen Linsen muss die Lichtstärke zwischen den drei Brennweiten aufgeteilt werden, üblich sind 50 Prozent für die Ferne, 20 für die Mitte und 30 für die Nähe. Mit einer monofokalen Linse haben Sie 100 Prozent Lichtausbeute."

Eine 68-Jährige aus Wetzlar sieht seit der Staroperation einen schwarzen Halbmond am Rand des operierten Auges. Kann man das noch ändern?

"Das ist kann eine seltene negative Dysphotopsie sein", erklärt Professor Sekundo. Dagegen könne man in der Uniklinik durchaus etwas machen, beruhigt er die Anruferin.


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