Moment mal

Von Volkmar Schäfer
Von Volkmar Schäfer

Da wäre zum Beispiel das Dach über Boris Beckers ehemaligem Wohnzimmer. In der Vergangenheit für die traditionsbewussten Briten undenkbar, fliegt der Ball dank neuester Architektur auch dann auf dem Centre Court übers Netz, wenn draußen der berühmte Regen alle anderen Partien "suspended" (unterbricht) oder die Sonne längst über Southfields untergegangen ist.

Früher kam die Erde auf den Plätzen erst nach gut einer Woche an die Oberfläche. Heute ist das Braun auf dem Rasen von Beginn des Turniers an zu sehen. Was daran liegt, dass es (leider) nur noch wenige Spieler gibt, die auf Serve-and-Volley setzen. Die Grundlinien-Spezialisten sind in der Überzahl, die Aufschlagkönige und Netzspieler haben immer weniger Chancen.

Die traurigste Veränderung zur guten alten Zeit ist jedoch, dass nur noch ein Bruchteil der deutschen Fernsehzuschauer in den Genuss von Wimbledon kommt. Lange nicht mehr bei ARD und ZDF, auch kein DSF oder Sport1, kein Eurosport - nur der Bezahlsender Sky zeigt bewegte Bilder vom Turnier im Londoner Südwesten.

Vielleicht sorgen die aktuellen Erfolge der Damen um Angelique Kerber oder der Herren um Florian Mayer und Philipp Kohlschreiber für ein Umdenken der TV-Anstalten - und es bemüht sich in absehbarer Zeit doch mal wieder ein freiempfangbares Medium, die (sicher nicht billigen) Rechte zu erwerben.

Roger Federer scheint von all diesen Veränderungen die große Ausnahme zu sein. Der Schweizer wirkt wie immer, spielt wie ein Uhrwerk, bricht Rekorde um Rekorde und scheint auf dem Weg zu seinem siebten Triumph in Wimbledon kaum aufzuhalten. Heute trifft er auf Novak Djokovic. Es verspricht, ein Kracher zu werden. Schade, dass nur die wenigsten deutschen Tennisfans dieses Duell live verfolgen können. Echt blöd!


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