Moment mal

Von Volkmar Schäfer
Von Volkmar Schäfer

Endlich wird Fred Perry abgelöst, endlich rückt der 6:1, 6:1, 6:0-Triumph des Mannes aus Stockport aus dem Jahr 1936 gegen den Deutschen Gottfried von Cramm in den Hintergrund - das dürften sich die Anhänger gedacht haben, als sie gestern auf die Tribünen des Centre Courts und auf den prall gefüllten "Henman Hill" an der Church Road pilgerten.

Sie träumten mehr als einen Satz lang von der großen Sensation, von einem epochalen Sieg Murrays gegen den Schweizer Roger Federer. Vielleicht war es der obligatorisch einsetzende Regen, der den Lauf des Außenseiters stoppte. Vielleicht jene vergebene Rückhand in Satz zwei, die das Break zum 5:4 verhinderte. Es gab in jenem knapp dreieinhalbstündigen Duell viele kleine Momente, in denen das Match wieder zugunsten des Lokalmatadors hätte kippen können. Doch am Ende blieben nur Tränen der Enttäuschung, bei Andy Murray selbst und bei den Fans in und um die Anlage in London SW 19.

Anzeige

Trösten dürfte die Wimbledon-Gastgeber, dass mit einem Herrn namens Jonathan Marray eine andere endlos lange Durststrecke beendet wurde. Der Liverpooler setzte sich an der Seite des Dänen Frederik Nielsen am Samstag im Finale durch und durfte sich als erster Brite seit 1938 in der Siegerliste des Herren-Doppels verewigen.

Irgendwann wird auch der Nachfolger von Fred Perry gefunden sein, irgendwann eine weitere Büste im Schatten des Centre Courts stehen. Bis dahin müssen die tapferen Briten aber eingestehen: Wir können keine Elfmeter schießen und wir haben keinen männlichen Einzelsieger in Wimbledon.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (0)
Mehr aus nGen unzugeordnet