Moment mal

Von Alexander Fischer
Von Alexander Fischer

Die Klitschkos hatten wieder einmal alles im Griff auf dem sinkenden Schiff. Ex-Fußball-Nationaltorwart Oliver Kahn, seiner Bruzzler längst überdrüssig, machte Werbung für eine Salbe. Basketball-Star Dirk Nowitzki pries die Vorzüge einer Bank an. Und US-Schwimm-Ikone Michael Phelps ließ uns wissen, welches Shampoo wir nehmen müssen, damit uns nicht die Haare ausfallen. Triggerfinger aus Belgien, mit "Follow Rivers" in Deutschland nur auf Platz 40, in den flämischen Charts aber ganz oben, schmachteten. Die Red Hot Chili Peppers gaben im Stade de Suisse von Bern beim Einmarsch mit "Cant Stop" die Richtung des Abends vor. Am Rande des Rings ließen es sich die Promis, angeführt von US-Musikproduzent Quincy Jones, schmecken. Vitali durfte schon einmal Werbung in eigener Sache für seinen Kampf am 8. September in Moskau gegen den Deutsch-Libanesen Manuel Charr machen. Und Haussender RTL hatte wieder einmal alle aufgeboten, die Brüderchen Wladimir schon seit vielen Jahren zu lobpreisen in der Lage sind, egal wie schwach die Kontrahenten auch sein mögen. Allen voran Kommentator Tobias Drews, der sich nicht zu schade war, die wenigen brauchbaren Schwinger von Herausforderer Tony Thompson zu übersehen, stattdessen aber ein Gerangel an den Ringseilen als "schweren Niederschlag" wertete und den Mann aus Maryland sogar als "Angstgegner" des mehrfachen Box-Weltmeisters aus der Ukraine bezeichnete. Gut, dass er zwischendurch wenigstens nicht vergaß, auf das Gewinnspiel des Hauptsponsors hinzuweisen. Unter dem Strich mussten wir am späten Samstagabend wieder einmal konstatieren: Die Boxwelt kommt um vor gähnender Langeweile und sucht steckbrieflich nach Gegnern, die die Modellathleten noch ernst nehmen können. Wladimir Klitschko mag sich an den längst verstorbenen Fußballtrainer Adi Preißler erinnert haben: "Entscheidend is aufm Platz!" Oder eben im Ring, in dem die Kontrahenten der faustschwingenden Geschäftsleute seit Jahren regelmäßig Prügel beziehen, die sich aber nicht beklagen, weil sie mit prall gefülltem Geldbeutel die Heimreise antreten. "Thompson will nicht gewinnen, er will nur die Niederlage hinauszögern", kritisierte RTL-Gast Luan Krasniqi. Hoffentlich darf der Rottweiler bei solch offenen Worten auch beim nächsten Klitschko-Fight wieder den Experten geben ...

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