Moment mal

Von Volkmar Schäfer
Von Volkmar Schäfer

Dieses schwarze Kraftpaket mit der großen Portion Eleganz - dieser Totilas war der Garant, dass die stolze Serie der deutschen Dressurequipe bei Olympischen Spielen auch im Sommer 2012 halten würde. Vor 28 Jahren hatte die Unbesiegbarkeit vor allem dank Ahlerich - geritten von Reiner Klimke - begonnen. Es folgten Rembrandt - Sie erinnern sich sicher an dieses tolle Ross mit Nicole Uphoff im Sattel - und Gigolo, die mit Isabell Werth eine Piaffe nach der anderen par excellence auf das mit Sand ausgelegte Viereck zauberte. Vergessen wollen wir auch Rusty und Ulla Salzgeber nicht. Sie alle ließen Sommerspiele für Sommerspiele keinen Zweifel daran, auf welche Goldmedaille sich das Publikum zu Hause vor dem Fernseher auf jeden Fall schon vorab freuen durfte. Und jetzt also Totilas.

Aber das zehn Millionen teure Stück reist nicht nach London. Weil der Reiter krank ist. Matthias Alexander Rath hat Pfeiffersches Drüsenfieber, fühlt sich laut Bild-Zeitung schlapp und auch mental niedergeschmettert. Absolut verständlich, denn der Mann aus Kronberg wollte es allen Besserwissern, allen Experten, sich selbst und auch seinem "Untersatz" beweisen. Er wollte zeigen, dass er dem immensen Erfolgsdruck stand hält, den Wunderhengst doch im Griff hat und im Greenwich Park am Ende ganz oben steht.

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So aber bleibt der fade Beigeschmack, dass der Verzicht des Paares nicht Fluch, sondern Segen ist. Die Blamage, Totilas bei Olympia eben nicht zu Gold führen zu können, bleibt Rath erspart. Nun müssen es andere (die deutschen Dressurreiterinnen) richten. Desperados zum Beispiel mit Kristina Sprehe oder Damon Hill mit Helen Langehanenberg, die am vergangenen Wochenende in der Aachener Soers glänzten.

Aber egal, was Totilas in den kommenden vier Jahren anstellt mit sich, Matthias Alexander Rath und der Welt des Dressursports: Das Titelblatt des Süddeutschen-Magazins werde ich nie vergessen. Diesen eindrucksvollen, majestätischen, fast schon unheimlichen Blick.


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