Mordopfer schrieb Biografie

Unter dem Titel "Das trojanische Pferd" hatte er in den Jahren seiner Inhaftierung nach mehreren Raubüberfällen Anfang der 2000er Jahre seine kriminelle Karriere aufgearbeitet.

Die Polizeibeamtin, die die Aufzeichnungen nach seinem Tod gelesen hatte, und nun als Zeugin am Landgericht aussagte, glaubt, dass sie "trotz stilistischer Mängel ein Beststeller" würden, würden sie jemals als Buch veröffentlicht. Er beschreibe darin, wie er in Kontakt gekommen war mit dem Drogen- und dem Rotlichtmilieu und wie er mit der Zeit für sich festgestellt habe, "dass Überfälle auf Geldtransporter die bessere Möglichkeit seien, um schnell an viel Geld zu kommen".

Gewusst, wie die Kripo arbeitet

Besonders beeindruckt hatte die Polizeibeamtin, dass er sich in Sachen Ermittlungs- und Abhörmethoden "bestens ausgekannt hat". Er hat genau gewusst, wie wir arbeiten." Der Lollarer habe offensichtlich vorgehabt, diesen Teil seiner Lebensgeschichte zu veröffentlichen. Im Vorwort schreibe er, dass "Das trojanische Pferd" andere davon abhalten solle, kriminell zu werden.

Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Bruno Demel, bezweifelte, dass der Autor den präventiven Anspruch wirklich ernst gemeint hat. Er habe "ohnehin zuweilen den Eindruck, dass der 52-Jährige nach seinem Tod von so manchem "verklärt" werde. Schließlich soll er trotz rund zehn Jahren Haft Anfang vergangenen Jahres und sechs Wochen vor seinem Tod erneut einen Raubüberfall begangen haben - zusammen mit demjenigen, der ihn später erschossen haben soll und der seit Oktober wegen Mordes und wegen des Überfalls auf der Anklagebank sitzt.

Ex-Freundin sagt als Zeugin aus

Opfer und mutmaßlicher Täter waren damals Arbeitskollegen - "und enge Freunde". Mit dieser Begründung hatte der Angeklagte die Tat in Lollar von sich gewiesen. Den Überfall auf den Geldtransporter sechs Wochen zuvor hatte er zu Prozessauftakt im Oktober zugegeben. Neben der Polizeibeamtin sagte gestern auch eine Ex-Freundin des Erschossenen aus.

Sie, die eigens aus Italien zum Prozess angereist war, bestätigte, dass der Angeklagte und der Verstorbene sehr eng befreundet gewesen seien.

Urteil wird Ende Februar fallen

In Ihren Augen hatten die Männer "wie Lehrling und Mentor" zueinandergestanden. Zur finanziellen Situation des damaligen Freundes konnte sie nur wenig sagen. "Er hat fast nie über Geld gesprochen und oft nicht geantwortet", wenn sie ihn gefragt habe. Als ihm einmal 30 000 Euro aus der Wohnung gestohlen worden seien, habe er ihr nicht mal gesagt, wen er verdächtige.

Der Prozess vor dem Gießener Landgericht wird am kommenden Freitag fortgesetzt. Das Urteil in dem Prozess soll Ende Februar gesprochen werden.


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