Muss es immer Chemo sein?

Aktion Gegen manche Krebserkrankung lässt sich körpereigenes Immunsystem mobilisieren

Eine 61-jährige Dame aus Breidenbach leidet bereits zum dritten Mal an einer Krebserkrankung. Ein Darmtumor wie auch ein Gebärmutterhalskrebs seinen in den vergangenen Jahren erfolgreich behandelt worden, doch nun wurde als Zufallsbefund bei der Patientin ein Lymphdrüsentumor festgestellt. Eine Operation sei hier nicht möglich. „Gibt es alternativ zur Chemotherapie eine andere Behandlungsmöglichkeit?“, wollte sie von Neuhaus wissen.

Ob es denn ein schnell oder ein langsam wachsender Tumor sei, fragte der Fachmann. Zwar seien in der Schulmedizin keine alternativen Therapien bei Tumorerkrankungen der Lymphdrüsen bekannt, doch gäbe es verschiedene Ansätze, die gerade bei dieser Krebsart die Chemotherapie verträglicher machen könnten. So wären zum Beispiel bestimmte zielgerichtete Therapien ergänzend denkbar. Näheres könne er jedoch nur sagen, wenn er die genaue Art des Lymphdrüsenkrebses kenne davon gäbe es nämlich mehr als zehn verschienene Spezifikationen.

Um die Wirkung der Chemotherapie zu unterstützen und unerwünschte Nebenwirkungen zu mildern, gäbe es, so Prof. Neuhaus, durchaus Möglichkeiten. Beispielhaft nannte er Selen und Vitamin D.

Ein Anrufer (79) aus Gräveneck wollte wissen, ob es bei Metastasen in der Lunge sinnvoll sei, Cannabinoide zu nehmen. Es ginge um eine 70-jährige Frau, deren Nierenkrebs nun in die Lunge gestreut habe.

Neuhaus erklärte, dass Cannabinoid also der Wirkstoff der Cannabispflanze keinen Effekt auf den Tumor selbst oder die Metastasen habe. Allerdings habe man sehr gute Erfahrungen mit dem Präparat gemacht, wenn es um die Unterstützung der Schmerztherapie ginge oder um die Behandlung von Appetitlosigkeit. Der Anrufer bestätigte, dass die Patientin ihre Lust am Essen völlig verloren hätte und deshalb auch bereits sehr viel Gewicht verloren hat.

„Es macht keinen Sinn, wenn man sich nur um die Tumore kümmert und dabei den Patienten aus dem Augen verliert“, betonte der Professor. Auch bei Menschen mit einem Nierenzell-karzinom kann der Gewichtsverlust ein großes Problem sein. Der Tumor selbst verbrauche sehr viel Energie, die natürlich durch entsprechende Nahrung wieder zugeführt werden muss.

Neben einer möglichen Zusatztherapie für die Appetitsteigerung gäbe es hochkalorische Spezialpräparate, die dem Patienten helfen könnten, wieder an Gewicht zuzulegen. „Um der Gewichtsabnahme von unseren Krebspatienten entgegenzuwirken, setzen wir in unserer Klinik ein spezialisiertes Ernährungsteam ein,“ erklärte der Chefarzt. Für die Appetitsteigerung habe man auch gute Erfolge mit einem Cortisonpräparat gemacht, das einmal täglich als Tablette verabreicht werde.

„Unter Immuntherapie könne er sich überhaupt nichts vorstellen“, sagte ein 56-jähriger Weilburger, bei dem ein Lungenkarzinom festgestellt wurde. Vom Fachmann wollte er wissen, wie das denn funktioniere.

Prof. Neuhaus erklärte, dass manche Tumore, so auch bestimmte Arten des Lungenkrebses, auf ihrer Oberfläche Eiweiße tragen, die verhindern, dass das Immunsystem die Zellen angreift.

Der menschliche Körper besitzt durchaus von sich aus die Fähigkeit, den Krebs zu bekämpfen. Nur müsse das Immunsystem den Feind überhaupt erkennen.

Limburger Chefarzt: Manche Tumore verstecken sich hinter einer Art von Alberich-Maske

„Der Krebs verbirgt sich nämlich gern hinter einer Art von Alberich-Maske und wird somit für das körpereigene Immunsystem unsichtbar“, verdeutlicht der Experte.

Die Medikamente der Immuntherapie sorgen dafür, dass das eigene Abwehrsystem des Patienten die entarteten Zellen erkennt und deren Wachstum unterbindet. Dabei sei es völlig egal, ob es sich um einen jungen oder bereits betagten Patienten handele.

„Ob Ihr Lungenkrebs auf eine Immuntherapie anspricht, kann ich natürlich nicht am Telefon beurteilen“, gibt Prof. Neuhaus zu bedenken. Das sei abhängig von den genannten Eiweißen der Tumorzellen, die sich aber im Labor bestimmen lassen.


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