Nachts aufwachen ist normal

AKTION Tipps für guten Schlaf gibt Werner Cassel am Gladenbacher Redaktionstelefon

In den meisten Fällen sei eine Heilung von Schlafproblemen ohne Medikamente möglich, weiß der Schlafexperte der Uniklinik. Probleme haben aber viele: Das Telefon stand keinen Augenblick still.

Eine 79-jährige Anruferin aus Wetzlar berichtet, sie nehme schon seit 20 Jahren Schlafmittel. Sie werde jede Nacht gegen drei Uhr wach und könne dann zwei Stunden lang nicht mehr einschlafen. Sie wolle das Mittel gerne absetzen, aber dann könne sie überhaupt nicht mehr schlafen.

Der Schlafexperte rät der Anruferin, mit ihrem Arzt über den Einsatz eines Melatoninpräparats zu sprechen. "Das ist ein Schlafhormon, das älteren Menschen oft fehlt und keine relevanten Nebenwirkungen zeigt."

Er rät der Anruferin aber vor allem, tagsüber etwas für ihren Nachtschlaf zu tun: "Gehen Sie morgens gleich nach dem Frühstück nach draußen, damit Ihr Körper weiß, dass es Tag ist. Vermeiden Sie helles Licht nach 21 Uhr, denn das macht wach." Meist sei das Bad der hellste Raum im Haus. Dann werde der Körper wieder wach, wenn man vor dem Einschlafen ins Bad gehe. Gut für den Schlaf sei auch, abends noch etwas Geselliges zu unternehmen. "Gehen Sie zur Gymnastik oder besuchen Sie die Nachbarin."

Im Schlafzimmer solle man die Uhr so stellen, dass man sie nicht sieht. "Wenn Sie nachts auf die Uhr sehen, machen Sie sich nur Stress. Und der schadet dem Schlaf."

Auch eine 55-Jährige aus Aßlar klagt darüber, dass sie nachts alle zwei Stunden wach wird.

"Das ist völlig normal", beruhigt sie der Schlafexperte. "Wenn wir nicht nach jedem etwa 90-minütigen Schlafzyklus wach würden, wäre die Menschheit vor 25000 Jahren von wilden Tieren aufgefressen worden".

Jeder Mensch werde alle eineinhalb bis zwei Stunden kurz wach. Wenn man älter werde, würden nur die Wachphasen etwas länger.

Jeder gesunde Mensch wacht in der Nacht bis zu 30 Mal kurz auf

Allerdings könne auch die hormonelle Umstellung der Wechseljahre den Schlaf stören. "Sprechen Sie mit ihrer Gynäkologin über ein Progesteronpräparat."

Ein 60-jähriger Rentner aus Mengerskirchen klagt, dass er um 22 Uhr ins Bett gehe und um 6.30 Uhr aufstehe, aber alle zwei Stunden für eine Viertel oder halbe Stunde wach sei.

"Wie lange haben Sie denn geschlafen, als Sie noch körperlich gearbeitet haben?, fragt Cassel. "Von 22 bis fünf Uhr", berichtet der Mann. "Dann sind Sie doch nachts genau die Zeit wach, die Sie für Ihren Rhythmus zu lange im Bett liegen", sagt Cassel. Er rät, die Zeit im Bett wieder zu verkürzen.

Ein 73-Jähriger hat große Probleme mit nächtlichen Zuckungen in den Beinen, sogenannten "Restless Legs". Die Krankenkasse wolle aber ein wirksames Medikament nicht mehr bezahlen, weil es zu teuer sei.

"Lassen Sie das nicht auf sich beruhen, machen Sie der Kasse Druck", rät Cassel. "Außerdem können Sie mit Vitamin D die Symptome verbessern." Es gebe auch neue Medikamente wie ein Pflaster, das mit weniger Nebenwirkungen helfe.

Eine 67-Jährige aus Schöffengrund klagt, sie werde alle zwei Stunden wach. Dann stehe sie auf und rauche eine Zigarette, danach könne sie wieder einschlafen.

"Sie haben kein Schlafproblem, sondern einen falschen Anspruch an den Schlaf", sagt Cassel. "Schlaf ist keine andauernde Bewusstlosigkeit, ein gesunder Mensch wird nachts bis zu 30 Mal wach." Er rät, das Aufwachen entspannter zu sehen und vor allem, nicht aufzustehen. Das mache den Körper wach."Lesen Sie ein gutes Buch bei kleinem Licht, oder hören Sie ein Hörbuch, dann schlafen Sie schneller wieder ein."


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