Naturschätzchen vor der Haustür

SCHUTZGEBIET  „Magerrasen bei Wommelshausen“ ist Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen

Auf der neuen Infotafel erfahren Spaziergänger Wissenswertes über das FFH-Gebiet „Magerrasen bei Wommelshausen“: Karl-Heinz Möller (von links) von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium, Bad Endbachs Bürgermeister Julian Schweitzer und Heike Deringer vom Fachbereich Ländlicher Raum des Landkreises freuen sich über die Artenvielfalt in dem Schutzgebiet. (Foto: Tietz)

Der zentral gelegene Magerrasen innerhalb des Schutzgebietes wird als Schaf- und Ziegenweide genutzt. (Foto: Heike Deringer)

Seltene Orchidee: Das Knabenkraut wächst in dem Schutzgebiet bei Wommelshausen. (Foto: Jutta Haas/Arbeitskreise Heimischer Orchideen)

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Kaum ein Wanderer oder Ausflügler, der am nördlichen Ortsrand von Wommelshausen unterwegs ist, weiß um die Bedeutung dieses besonderen Lebensraums für Tiere und Pflanzen. Das soll sich ändern.

Eine neue, große Infotafel ist bereits am Magerrasen-Gelände aufgestellt worden. Außerdem sollen interessierten Naturfreunden in naher Zukunft auch Flyer über das Flora-Fauna-Habitat (FFH-Gebiet) zur Verfügung stehen. Diese werden dann unter anderem in der Bad Endbacher Gemeindeverwaltung und in der Geschäftsstelle des Naturparks Lahn-Dill-Bergland erhältlich sein.

Wer mit dem Smartphone unterwegs ist, kann an der Schautafel noch weitere Informationen erhalten. Möglich macht dies ein QR-Code. Der muss mit dem Handy nur eingescannt werden – und schon landet der Nutzer auf der Homepage des Regierungspräsidiums Gießen. Dort finden sich Details zum europäischen Schutzgebietnetz „Natura 2000“. Das FFH-Gebiet „Magerrasen bei Wommelshausen“ ist Teil dieser Initiative.

„Viele Leute gehen hier spazieren. Wir wollen ihnen zeigen, wie artenreich dieses Gebiet ist“, sagte am Freitag Heike Deringer vom Fachbereich ländlicher Raum des Landkreises während eines Ortstermins. Seltene Orchideen- und Enzianarten findet sich auf der sechs Hektar großen Fläche ebenso wieder wie prachtvolle Schmetterlinge und Heuschrecken.

Der „Magerrasen bei Wommelshausen“ verdankt seinen Status unter anderem dem Kleinen Knabenkraut. Das verträgt kaum Düngung – und genau deshalb hat sich die lilafarbene Orchidee so gut in dem Wommelshäuser Schutzgebiet entwickelt. „Dies ist einer der größten Standorte in Hessen überhaupt“, betont Heike Deringer. Auch Feld-Enzian, der normalerweise in Höhenlagen ab 600 Metern auf kalkarmen, lockeren Lehmböden vorkommt, wächst in Wommelshausen.

Das blüten- und Kräuterreiche magere Grünland bietet außerdem einen guten Lebensraum für Schmetterlinge wie den Schwalbenschwanz und den deutschlandweit gefährdeten Thymian-Widderchen und Insekten wie dem Warzenbeißer (Heuschrecke).

„Wir wollen diese Schätzchen vor der Haustür noch bekannter machen“, betonte Karl-Heinz Möller von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Gießen. Dafür könnten in einem ersten Schritt die übersichtlich gestalteten Schautafeln beitragen.

Entstanden ist der vielfältige Lebensraum in Wommelshausen zum einen natürlich aufgrund seiner geologischen Voraussetzungen (flachgründige Schieferböden) wie auch den klimatischen Bedingungen (südexponierte Hanglage). Zum anderen ist die landwirtschaftliche Nutzung Bedingung für den Erhalt dieses „Kulturlandschaftsbiotops“.

Landwirte aus der Gemeinde beteiligen sich an dem Projekt und setzen Schafe und Ziegen ein

Über Jahrzehnte hinweg hätten die Wanderschäfer mit ihren Herden dafür gesorgt, dass magere Flächen wie in Wommelshausen offen blieben, erklärte Heike Deringer. Heute übernimmt diese Aufgabe ein landwirtschaftlicher Betrieb aus Schlierbach, der dafür Schafe, Ziegen und manchmal auch Esel einsetzt. Die zur Verfügung stehende Fläche wird abschnittsweise mit nur wenigen Tieren beweidet. So wird ein übermäßiger Nährstoffeintrag in den empfindlichen Magerrasen verhindert.

Die Mahd-Flächen werden von Landwirten aus Wommelshausen und den umliegenden Orten nach naturschutzfachlichen Vorgaben gemäht – einmal jährlich.

„Die beteiligten Landwirte sind sehr kooperativ“, betonte Heike Deringer. Für den erhöhten Aufwand oder auch den geringeren Futterwert eines erst spät gemähten Heus erhalten die Landwirte finanzielle Unterstützung über die Agrarumweltprogramme der Europäischen Union und aus dem Fördertopf des Landes Hessen zu „Natura 2000“.

„Es ist wichtig zu zeigen, welch schützenswerte Gebiete wir in unserer Gemeinde haben“, sagte Bürgermeister Julian Schweitzer (SPD). Egal ob nun mit Schautafeln oder Flyern – den Einwohner wie auch den Touristen werde so anschaulich vor Augen geführt, dass sie sich in einem Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten aufhalten.


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