Nicht für die Ewigkeit gebaut

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fachwerkstädte tagte in Herborn

Fachwerkstädte fit für die Zukunft machen (v.l. bzw. von unten n. oben ): Herborns Bürgermeister Hans Benner, Prof. Manfred Gerner, Volker Holzberg als Vorsitzender des Marketingausschusses der Deutschen Fachwerkstraße, Dirk-Ulrich Mende und seine Stellvertreterin Dagmar B. Nonn-Adams haben mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fachwerkstädte (ADF) in Herborn getagt. (Foto: Kordesch)

Schon wieder ein Lieferwagen in der Fußgängerzone! Fußgängerzonen sind in Fachwerkstädten zwar Publikumsmagneten, können aber kaum autofrei gehalten werden. "Fachwerkstädte sind nicht für den Autoverkehr angelegt", verdeutlichte Dirk-Ulrich Mende, Oberbürgermeister von Celle und Vorsitzender der ADF, das Problem.

Ein weiteres seien die geringen Nutzungsflächen der historischen Häuser für Handel und Gewerbe. Mit weniger als 400 oder 500 Quadratmetern könne man häufig keine Mieter gewinnen. Hier wie auch bei möglicher Städtebauförderung leiste der Verein laut Mende Unterstützung, denn die Fachwerkhäuser seien nicht für die Ewigkeit gebaut und nur kostspielig zu erhalten.

Dem will die Arbeitsgemeinschaft mit einem Bürgerfonds-Projekt begegnen, für das die Mitgliederversammlung sechs große Arbeitspakete verabschiedete. Übergeordnetes Ziel soll die Wiederbelebung der Zentren in kleineren Städten durch bürgerschaftliche Initiativen für Stadtentwicklungsprojekte sein. "Wir hoffen, damit auch den einen oder anderen Abbruch eines Fachwerkhauses vermeiden zu können", ergänzte Professor Manfred Gerner, renommierter Fachwerk-Experte und Ehren-Präsident des Vereins. Immer häufiger würden Erben solche schwierigen Häuser nicht annehmen wollen, erläuterte er. Fachwerkhaus-Besitzer, bei denen das Dämmen des Gebäudes schwierig oder nicht machbar ist, will die ADF beraten und ihnen Alternativen, zum Beispiel Blockheizkraftwerke, nahebringen. Das neue Projekt "Kompetenzzentrum für Klimaschutz in Fachwerkstädten" wird im Freilichtmuseum Hessenpark angesiedelt sein. Mehrere Musterhäuser sollen bundesweit für Hauseigentümer und Kommunen wie auch für Planer und ausführende Unternehmern als Grundlage für ein neues Netzwerk entstehen.

Eine wichtige Aufgabe sieht die ADF in der Integration anerkannter Flüchtlinge. Ein entsprechendes Projekt soll möglichst noch in diesem Jahr starten. "Es soll sie für diese Kulturlandschaft ihrer neuen Heimat interessieren und kann sie zu guten "Fachwerkbürgern" machen", meinte Gerner. Bereits jetzt gibt es dafür schon rund 30 interessierte Kommunen. Eine davon ist Herborn. "Als klassische Fachwerkstadt sind wir schon seit 39 Jahren Mitglied der Arbeitsgemeinschaft", sagte Bürgermeister Hans Benner (SPD). Fachwerk genieße einen überaus hohen Stellenwert in Herborn. "Seit vielen Jahren ist, mit einer Ausnahme, kein Gebäude verschwunden und wir werden das Fachwerk auch zukünftig nicht aus dem Auge verlieren", betonte Benner, der, wie Stadtmarketing-Geschäftsführer Bernd Rademacher, Vorstandmitglied der ADF ist. (klk)


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