Niederdietener bangen um ihr Bad

SOZIALAUSSCHUSS Bademeister und Pächter fehlen / Freibadsaison ist bedroht

Ob es auch in diesem Sommer zu solchen Bildern kommt, ist aufgrund des fehlenden Personals derzeit noch fraglich.

Trostlos liegt es derzeit noch da: das Freibad in Niederdieten. Derzeit fehlt ein Pächter und ein Bademeister. Aber auch die notwendigen Investitionen zur Sanierung des Bades lassen die Frage offen, ob und wie lange das Bad erhalten werden kann. (Fotos: Valentin)

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Auf beide Stellenausschreibungen der Gemeinde habe sich niemand gemeldet, das teilte Bürgermeister Christoph Felkl (SPD) bei einer Ortsbesichtigung des Sozialausschusses im Freibad mit. Sollte es dabei bleiben, sei kein Badebetrieb möglich, da dafür unbedingt ein Fachangestellter für Bäderbetrieb benötigt werde.

Der bisherige Pächter und Bademeister habe seinen Vertrag nicht verlängert, sagte Felkl und widersprach damit den Aussagen einiger anwesender Bürger, dem Mann sei gekündigt worden. Richtig ist, dass der Pachtvertrag aufgelöst wurde, um die Kondition nachzubessern, erklärte Felkl. "Uns war nämlich aufgefallen, dass durchaus üppige Beträge gezahlt wurden", ergänzte er.

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Diese wurden angepasst und dem Pächter daraufhin wieder vorgelegt. Zu der geplanten Bezahlung habe der jedoch nie etwas gesagt. Stattdessen habe er begründet, dass er zwar einen Job im Bäderwesen suche, jedoch mit langfristiger Perspektive. Die sehe er in Niederdieten nicht, berichtete Felkl von dem Gespräch mit dem ehemaligen Pächter.

Diese Haltung könne er durchaus nachvollziehen, so der Bürgermeister weiter. Denn abgesehen vom fehlenden Personal gibt es im Freibad Niederdieten in den nächsten Jahren einen erheblichen Investitionsbedarf. In absehbarer Zeit müsse die Beckenfolie erneuert werden. Ein erstes eingeholtes Angebot geht dabei von Kosten in Höhe von rund 46 000 Euro aus. Dabei müsste dann auch der Beckenrand sowie der Überlauf saniert werden. Dafür würden weitere 55 000 Euro fällig. "Insgesamt müssen wir dabei mit Kosten in Höhe von rund 111 000 Euro rechnen", erklärte der Rathauschef.

Und das sei noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denn in dieser ersten Kalkulation sind die Kosten für eine Sanierung des maroden Rohrsystems und der Gebäude auf dem Gelände noch nicht mit eingerechnet. Berücksichtige man diese, komme man auf Kosten von deutlich über 200 000 Euro. Und das könne die Gemeinde bei der derzeitigen Haushaltslage keineswegs stemmen.

Dass die Gemeinde überhaupt kein Interesse am Erhalt des Bades habe, wie eine neu gegründete Interessengemeinschaft (IG) Schwimmbad beklagte, wies Felkl indes von sich. "Wenn dem so wäre, hätten wir im vergangenen Jahr nicht noch einmal 25 000 Euro in das Bad investiert und uns auch die Ausschreibungen sparen können", betonte er.

Bürgermeister Felkl weist Vorwurf der IG Schwimmbad von sich

Außerdem seien auch in diesem Jahr Mittel in vergleichbarer Höhe für den Badebetrieb im Haushalt vorgesehen gewesen. Dass es derzeit schlecht aussieht, sei allein dem fehlenden Personal für den Badebetrieb geschuldet. Auch wenn die Zeit knapp werde, bemühe man sich weiterhin um eine Lösung. So stehe er mit seinem Eschenburger Amtskollegen Götz Konrad (parteilos) in Kontakt, um möglicherweise den Bademeister des Hallenbads in Eibelshausen in den Sommermonaten "auszuleihen". Aber auch mit Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt (FW) habe er bereits Gespräche wegen einer möglichen Übergabe des Bades in eine Vereinsträgerschaft gesprochen, so Felkl.

Dautphetal ist diesen Schritt mit seinen Bädern vor acht Jahren gegangen. Das erfordere jedoch einen enormen Einsatz des Vereins, der sich dann um die Unterhaltung kümmern müsste.

Eine weitere mögliche Lösung sprach Sozialausschussvorsitzender Armin Achenbach (SPD) an. Er regte an, darüber nachzudenken, einen Bademeister aus einer anderen Gemeinde als Ansprechpartner zu engagieren, die Badeaufsicht aber von DLRG-Mitgliedern durchführen zu lassen. Dennoch bleibt es fraglich, ob das in der Kürze der Zeit noch organisiert werden kann, um das Bad auch in dieser Saison noch zu öffnen.


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