"Niere ist Krankheits-Indikator"

TELEFONAKTION Dr. Bernhard Fach berät Anrufer zu Fragen rund um das Schlüsselorgan

Das weiß Dr. Bernhard Fach, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie in der Gemeinschaftspraxis Dr. Bernhard Fach und Dr. Daniel Rawer am Dialysezentrum in Wetzlar. Er stand gestern am Direkten Draht zum Mediziner Rede und Antwort.

Hauptaufgabe des bohnenförmigen Organs ist die Harnbildung. Daneben ist sie an der Ausbalancierung des Wasserhaushaltes, an der Blutdruckeinstellung und der Kontrolle des Elektrolythaushalts und des Säure-Basen-Haushalts beteiligt. Die Liste weiterer Aufgaben ist lang. 

Pro Tag durchfließen bei einem erwachsenen Menschen etwa 1800 Liter Blut die Nieren. Mit den Erkrankungen der Nieren beschäftigt sich der Nephrologe.

 Seit 30 Jahren zuckerkrank ist ein Merenberger mit 60-prozentiger Nierenfunktion. Ultraschall, Blut- und Urintest seien bereits durchgeführt und auch eine Zyste entdeckt worden. Was noch zu tun sei, wollte der 74-Jährige wissen.

"60 Prozent sind trotz Vorerkrankung fast schon altersentsprechend", beruhigte der Facharzt für Hypertensiologie und Lipidologie den Anrufer. Grundsätzlich gelte, die Diabetestherapie, die Fettstoffwechselstörung und die Einstellung des Blutdrucks zu optimieren.

Sei die Zyste normal geformt und gutartig, müsse man sich keine Sorgen machen. Hilfreich sei, ausreichend zu trinken und Vorsicht bei der Einnahme von Schmerzmitteln walten zu lassen, die für eine Minderdurchblutung der Niere sorgen könnten.

 Ob ihre Nierenwerte von 1,7 zu hoch seien, wollte eine Haigerin, 61 Jahre, wissen. Sie ist seit fünf Jahren lungenkrank und hängt am Sauerstoff.

 Die Frage sei nicht einfach zu beantworten, gab Dr. Fach zu bedenken. Bereits Creatinin-Werte von 1,3 könnten auf eine deutlich eingeschränkte Nierenfunktion hinweisen. Für einen muskelstarken Sportler können aber solche Laborwerte noch normal sein.

Im vorliegenden Fall liege die Nierenleistung vermutlich zwischen 30 und 50 Prozent. Genauere Leistungswerte erhalte man, wenn man Creatininwerte im Blut und im Urin miteinander vergleiche. Man sollte am besten den Nierenarzt aufsuchen.

 Einen Creatininwert von 1,7 hat auch ein 77-jähriger Breidenbacher. Der GFR-Wert (ein Wert über die Nierenleistung) betrage 47ml/min, der Harnstoffwert (HST) 50mg/dl.

"Bei Ihnen kann man von einer eingeschränkten Nierenfunktion ausgehen", informierte der gebürtige Baden-Württemberger. Eine regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion sei empfehlenswert - auch wegen der hochgradigen Herzerkrankung und ihren körperlichen Auswirkungen.

Neben einer Reihe von gesundheitlichen Problemen hat ein 51 Jahre alter Waldsolmser von Tag zu Tag mehr Luftprobleme.

 In der Tat könne es bei einer Nierenminderleistung zu Wassereinlagerungen in Beinen oder Lunge kommen, die zu einer eingeschränkten Atmung führen könnten, wusste der frühere Oberarzt an der Uni Gießen. Gegen ein Lungenödem spreche das normale Atmen beim Sprechen. Sinn mache es, wenn der Hausarzt alle Befunde sammle, um einen Hinweis auf eine Erkrankung zu finden.

 Eine MS-kranke Lahnauerin leidet an Vitamin D-Mangel und hatte Nierenprobleme aufgrund von Nierensteinen. Man habe ihr nun von der Einnahme der Vitamin-D-Tabletten abgeraten.

Bei einem leichten Vitamin-D-Mangel sei eine niedrige Dosierung des Präparats durchaus in Erwägung zu ziehen, antwortete Dr. Fach. Insbesondere, wenn die Nierensteine, Urin-pH- und Kalziumwerte sowie die Nebenschilddrüse untersucht worden und keine Auffälligkeiten festgestellt worden seien.

Nicht alle Medikamente sind für die Niere schädlich

Ein Aßlarer, Marcumar- und Arthrosepatient, nimmt mehrere Medikamente, darunter drei Blutdruck- und einen Cholesterinsenker sowie ein Schilddrüsenmedikament ein und fragt, ob das schädlich für die Niere sei.

 Dies sei abhängig von den Medikamenten, stellte der 54-jährige Mediziner klar. Bei den aufgezählten Arzneimitteln könne er keine nierenschädlichen darunter entdecken. Abzuklären sei eine eventuelle Einnahme von Schmerzmitteln gegen die Arthrose.

"Ist der Blutdruck gut eingestellt und die Nierenwerte unter Kontrolle, müssen sie sich derzeit keine Sorgen machen", gab Dr. Fach dem Anrufer die gute Nachricht auf den Weg.


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