"OPs sind in Deutschland zu billig"

GESUNDHEIT "Direkten Draht zum Mediziner": Neurochirurg beantwortet Fragen

Eine 67-jährige Frau aus Haiger berichtete, dass ihre Schwester an einem Hirnaneurysma operiert wurde. Nun stehe bei ihr eine entsprechende Untersuchung an und sie möchte wissen, ob generell ein solches Aneurysma operiert werden müsse. "Oder kann ich Medikamente dagegen einnehmen?", fragte sie. Das musste der Spezialist verneinen: "Medikamente wirkten nicht gegen Aneurysmen." Ein Aneurysma könnte vorbeugend entfernt werden. Oder aber die Patienten lebten damit. "Bei etwa ein bis drei Prozent der Patienten pro Jahr platzt das Aneurysma und es kommt zur Hirnblutung", erläuterte er. Die 67-Jährige habe noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 20 Jahren. Rechne man diesen Zeitraum zusammen, so bestehe eine 40-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Blutung komme.

"Ob ein Aneurysma vorbeugend entfernt werden sollte, ist eine sehr individuelle Entscheidung", sagte der Mediziner. Allerdings - lebe die Patientin in großer Angst vor einer Blutung und die psychische Belastung sei zu groß, dann sei eine Operation empfehlenswert. Bei etwa fünf Prozent der Operationen käme es zu einer Komplikation.

Entscheide sich ein Patient gegen einen Eingriff, könne er durch seinen Lebenswandel zwar das Risiko minimieren, aber niemals ganz ausschalten. Ein Prozent der Bevölkerung litten an einem Aneurysma, erklärte der Professor.

Ein 82-jähriger Mann aus Solms leidet an einer Wirbelkanalstenose. Diese sei mittlerweile hochgradig und er habe einen hohen Leidensdruck. Für eine OP habe der Internist sein Okay gegeben.Nun wollte er den Rat des Neurochirurgen haben.

Sich auch als Kassenpatient eine zweite Meinung zu holen, kostet nicht viel

Eine Rückenmarkskanalverengung, erklärte der Professor, entstünde mit zunehmendem Alter durch die sich verdickenden Knochen. "Das jedoch alleine sagt nichts aus. Oft sind keine Beschwerden vorhanden", betonte er. "Wie sind Ihre Wünsche an Ihr Leben? Wie stark sind Sie eingeschränkt? Das seien Fragen, die der Patient beantworten müsse, um zu einer Entscheidung zu gelangen.

Die meisten Patienten, die einer Operation zustimmten, würden sich im Nachhinein ärgern, dass sie diese nicht früher hätten machen lassen. Ein Risiko sei allerdings, dass nach einer solchen Operation schlimmstenfalls der Rollstuhl drohe. Doch sei das Risiko sehr gering, beruhigte Prof. Braun. Der Eingriff dauere etwa 30 Minuten und mache einen zwei- bis dreitägigen anschließenden Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Es dauere etwa drei Monate, bis sich die Nerven anschließend komplett erholt hätten. Der Mediziner machte dem Anrufer Mut zur Operation. Es sei ein Routineeingriff mit sehr guten Chancen, an Lebensqualität zu gewinnen. "Der Eingriff wird sich ganz sicher für Sie lohnen", versprach er dem 82-Jährigen.

Eine 77-jährige Anruferin aus Wetzlar klagte über starke Nackenschmerzen. Eine Facettenblockade habe nicht den gewünschten Erfolg gezeigt. Die Schmerzen seien belastend, berichtete sie. Braun erkundigte sich, ob die Seniorin an einer Gangunsicherheit leide. Das bejahte die Anruferin. Ihre Schmerzen seien auf eine verengte und verkalkte Halswirbelsäule zurückzuführen, erklärte der Mediziner. Er empfahl auch der 77-Jährigen eine Operation, bei der die Rückenmarkskanalverengung behoben werde. Außerdem sollten die Gelenke im Nackenbereich versteift werden. Eine Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit sei dadurch nicht zu erwarten. Oft sei es, erklärte der Mediziner, generell von Vorteil, eine Zweitmeinung einzuholen - jedoch nicht in einem Online-Portal.

"Auch als Kassenpatient könne Sie sich beim Professor eine zweite Meinung holen." Das kostet etwa 52 Euro. Höhere Gebühren, die in Online-Portalen bis zu 600 Euro kosten können, seien nicht gerechtfertigt.

Operationen seien teuer, da pro Patient Minimum drei Ärzte (Anästhesist, zwei Chirurgen) und drei Schwestern benötigt würden. Viele Materialien seien nur einmal zu nutzen und dann Sondermüll. Auch kämen High-Tech-Instrumente mit kurzen Halbwertzeiten zum Einsatz. "Trotzdem kostet eine Bandscheiben-OP in Deutschland nur 3500 Euro "all inclusive" (in Griechenland etwa 6000 Euro). "Operationen werden nicht leistungsgerecht bezahlt, auch das erhöht den wirtschaftlichen Druck, mehr zu operieren, bedauerte Braun.


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