Offen sein mit Dialekt

Von Martina Koelschtzky

Im Dialekt spreche man gerade heraus, da wisse jeder gleich, wo er dran ist, sagt der Erdhäuser Karl Leinbach. "Auch wenn's mal derb wird. Man kann ja nicht ,Sie Mistkerl’ sagen", findet er.

Aber ich finde, nicht nur schimpfen geht besser im heimischen Dialekt. Auch Freundliches oder Persönliches sagt sich oft leichter im Dialekt als im doch immer etwas förmlichen Hochdeutsch. Ich denke da immer an meinen früheren Nachbarn, einen verwitweten Schlosser, der ursprünglich aus dem Ruhrgebiet kam. Oft stand er auf meinem Hof und wenn ich fragte, "Na Karl, wie geht’s Dir", dann meinte er manchmal, "ach ich hen heut arm Dier". Das kann man nicht wörtlich übersetzen, aber es hieß, es ging ihm nicht gut, er fühlte sich alleine, und deshalb kam er herüber, um ein bisschen zu plaudern.

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Ich weiß nicht, ob er gesagt hätte, "Ach, ich fühle mich so alleine." Wer tut das schon? Auf hochdeutsch kann man das nicht so gut, da muss man ja die Form wahren. Aber im Platt kann man Persönliches sagen.


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